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Unternehmen finanzieren Fahrzeug für die Gemeinde: Mit Tabubruch zum Elektro-Auto

27 Krifteler Unternehmen finanzieren der Gemeinde den Kauf eines Fahrzeugs, mit dem die Verwaltung ein Zeichen für die Umwelt setzen will.
Christian Seitz und Franz Jirasek werfen mit Marketing-Mann Karl-Heinz Kaiser einen Blick unter die Motorhaube des neuen Autos. Christian Seitz und Franz Jirasek werfen mit Marketing-Mann Karl-Heinz Kaiser einen Blick unter die Motorhaube des neuen Autos.
Kriftel. 

„Wir wollten schon lange das Thema E-Mobilität fördern, aber bisher hielt uns der hohe Preis dieser Autos davon ab. Nun aber haben wir eine Lösung gefunden, die für viele zwar einen Tabubruch darstellt, aber für uns ideal ist“, sagt Bürgermeister Christian Seitz. Er selber nutzt ja eines der fünf Dienstfahrzeuge der Gemeinde Kriftel, einen Opel Zafira. Und als nun ein 15 Jahre alter VW Polo ausgetauscht werden sollte, fiel die Entscheidung der Gemeinde auf ein 80 PS starkes Elektrofahrzeug des Typs Renault ZOE. Dieses wird ab sofort überwiegend von den Mitarbeitern des Fachbereichs Bauen und Planen genutzt, steht aber grundsätzlich allen Kollegen zur Verfügung.

Erster Beigeordneter Franz Jirasek freut sich: „Gerade hier in Kriftel sind die Voraussetzungen für ein Elektroauto günstig, denn das Thema Reichweite ist hier eher zweitrangig. Mit einer ,Tankfüllung‘, die rund drei bis fünf Euro kostet, kommt man im Schnitt 150 Kilometer weit.“ Zudem wurde das ganze Projekt innerhalb einer kurzen Zeitspanne realisiert, wie er betont.

Unterstützt wurde die Gemeinde Kriftel dabei von einem Marketing-Unternehmen im bayerischen Deggendorf, das über viel Erfahrung mit dem Thema verfügt: „Ich hatte die Stadtväter im Herbst angesprochen und vorgeschlagen, die E-Mobilität kostenneutral in die Gemeinde zu bringen, und dann kam das ganze Prozedere schnell ins Rollen. Von der Beschaffung des Fahrzeugs über die Sponsoren-Akquise bis hin zur finalen Umsetzung vergingen nur einige Wochen“, sagt Karl-Heinz Kaiser von dem Unternehmen.

Nun ist der Wagen – regulär hätte er 26 000 Euro gekostet – zwar auf die Gemeinde angemeldet und komplett in ihrem Eigentum. Er wurde aber zu 100 Prozent durch insgesamt 27 Werbepartner finanziert – so wie das bei vielen Vereinen oder Institutionen der Fall ist, deren in der Regel ehrenamtliche Arbeit mit einem eigenen Fahrzeug deutlich einfacher wird.

„Die Sponsoren präsentieren sich hier mit Nachhaltigkeit und machen damit selber einen kleinen Schritt in Richtung Energiewende“, wirbt Kaiser. „Nach der Werbelaufzeit von fünf Jahren kann die Gemeinde dann machen, was sie will. Vielleicht lässt sie die Beklebung ja auch einfach drauf.“

Weitere Kostenvorteile für Kriftel zählt Jirasek auf: „Das Auto ist für zehn Jahre steuerbefreit, und pro Monat fallen lediglich 60 Euro für Versicherung und Batterie-Miete an. Wir werden es dann immer direkt bei uns am Bauhof aufladen, zumal es übers Wochenende eh dort geparkt wird.“

Er erklärt auch, wie es zu dem von Seitz erwähnten „Tabubruch“ kam: „Bisher haben wir uns immer gesträubt, über werbefinanzierte Dinge nachzudenken, denn wir möchten unseren Vereinen hier nicht dazwischenfunken. Immerhin sind die oft auf die Einnahmen durch Anzeigenschaltung in ihren Mitgliederzeitschriften angewiesen, und da wollten wir nicht als Konkurrent auftreten. Bei diesem Auto nun haben wir aber eine Ausnahme gemacht, denn uns war es wichtig, ein Zeichen zu setzen – für die Umwelt und gegen den CO2-Ausstoß.“

Vor dem Hintergrund, dass die Bundesregierung das Ziel formuliert hat, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen unterwegs sein sollen, ist dieses Signal in der Tat notwendig. Den aktuell 6700 in Kriftel zugelassenen Personenkraftwagen stehen gerade mal sechs Elektrofahrzeuge gegenüber. „Vielleicht können wir ja den einen oder anderen Bürger anregen, bei einer Pkw-Neuanschaffung ebenfalls mal über Elektromobilität nachzudenken. Wir wollen auf jeden Fall mit gutem Beispiel vorangehen!“

(skr)
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