E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Limburg an der Lahn 15°C

Clevere Leihgaben: Politiker sehen sich mögliche RTW-Fahrzeuge aus Karlsruhe an

Zu den größten Profiteuren der Regionaltangente könnte die Stadt Eschborn werden, die im Autoverkehr erstickt. Doch die Stadtverordneten wissen längst nicht alles über das 580 Millionen-Euro-Projekt, was sie interessiert.
Eschborns Erster Stadtrat Thomas Ebert (links) und Stadtverordnetenvorsteher Reinhard Birkert (Zweiter von rechts) inspizierten die Zweisystem-Fahrzeuge aus Karlsruhe. Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (neben Birkert), der Oberurseler Bürgermeister Hans-Georg Brum und die Kreistags-Abgeordnete Beate Denfeld (Hochtaunus) waren in ihrer Gesellschaft. Bilder > Eschborns Erster Stadtrat Thomas Ebert (links) und Stadtverordnetenvorsteher Reinhard Birkert (Zweiter von rechts) inspizierten die Zweisystem-Fahrzeuge aus Karlsruhe. Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (neben Birkert), der Oberurseler Bürgermeister Hans-Georg Brum und die Kreistags-Abgeordnete Beate Denfeld (Hochtaunus) waren in ihrer Gesellschaft.
Eschborn. 

Zwischen all die knallroten S-Bahnen schmuggeln sich plötzlich Triebwagen in giftgrünem Ton und einer Farbe, die zwischen Gelb und Orange angesiedelt ist. Es handelt sich um badische „Leihgaben“, die sowohl auf Straßenbahn-Strecken als auch auf normalen Bahngleisen fahren können. Es sind sogenannte Zweisystem-Züge der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, die sich Kommunalpolitiker und Verkehrsplaner aus dem Rhein-Main-Gebiet gerne mal aus der Nähe ansehen und testen wollen. Sie lassen sich am Samstag des letzten Juni-Wochenendes von Bad Homburg nach Bad Soden kutschieren. Sie passieren Rödelheim und den Haltepunkt Frankfurt-West, gelangen zum Hauptbahnhof und verkehren über Höchst bis in den Main-Taunus-Kreis hinein.

„Das Fahrzeug kann 100 Kilometer pro Stunde schnell fahren“, berichtet Eschborns Stadtverordnetenvorsteher Reinhard Birkert (SPD) und schwärmt: „Es hat einen hohen Fahrkomfort, auch eine Toilette, und es wurde bei der Planung dieses Fahrzeugs größten Wert auf barrierefreie Gestaltung gelegt.“ Einer der etwa 39 Meter langen Züge koste zurzeit 5 Millionen Euro. Die Verkehrsbetriebe in Karlsruhe haben nach Birkerts Auskunft eine „Flotte“ von etwa 200 Zügen.

Die Planer der Regionaltangente West (RTW) loten aus, wie sie den Bau der Trasse bewältigen können, ohne Geld zu verschwenden und die Strecke komplett neu zu verlegen. Bestehende Gleisanlagen sollen deswegen so weit wie möglich genutzt werden. Die Karlsruher Fahrzeuge beweisen, dass es möglich ist, „clevere“ Zweisystem-Triebwagen für Wechsel- und Gleichspannung zu nutzen. Die vergangenen Tage haben aber auch gezeigt, dass die Begeisterung für die RTW in der Region unterschiedlich groß ist. Kürzlich wurde deutlich, welche Konflikte der RTW-Bau zum Beispiel in den westlichen Frankfurter Stadtteilen verursacht (Kreisblatt vom 24. Juni). Anwohner fürchten Lärm und Erschütterungen. In Höchst müssen sogar Häuser abgerissen werden.

<span></span>
Kommentar RTW: Optimismus, den ich nicht teile

Neulich nachts habe ich gute Nerven gebraucht. Nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub bin ich nach Mitternacht mit dem 58er-Bus vom Frankfurter Flughafen Richtung Höchst und dann mit dem 51er weiter nach Hause nach Nied gefahren.

clearing

In Eschborn protestierten schon mehrfach einige Landwirte dagegen, dass die RTW-Trasse die Ackerflächen zerschneidet (wir berichteten). Die Eschborner Politiker unterstützen das Vorhaben grundsätzlich. Sie hoffen, dass die Regionaltangente Eschborns verstopfte Straßen entlastet. Im Berufsverkehr stauen sich die Autos auf den Landesstraßen und auf der Autobahn.

Die Stadtverordneten haben jüngst den neuen RTW-Chefplaner Horst Amann kritisch befragt. Obwohl Eschborn finanziell sehr gut da steht, interessieren sich die Stadtverordneten sehr dafür, welche Kosten denn auf die Kommune zurollen. Auf dem Stadtgebiet sollen drei Haltepunkte entstehen (Helfmann-Park; Eschborn-Süd; Düsseldorfer Straße). Thomas Matthes (Linke) sagte: „Wir haben mal gehört, dass die Bahnhöfe nur eine minimale Ausstattung erhalten. Mich würde schon mal interessieren, was da auf uns zukommt, wenn wir die Bahnhöfe aufwerten.“ Das ist noch unklar: Alle Zahlen und Daten rund ums Thema Kosten werden derzeit aktualisiert und vervollständigt. Die Streckenführung ist bisher so vorgesehen: Es geht von Bad Homburg aus Richtung Flughafen und weiter nach Neu-Isenburg und Dreieich. Die Planer beziffern die Kosten für die neuen Zweisystem-Fahrzeuge auf circa 150 Millionen Euro und für die Infrastruktur auf 427 Millionen Euro. Beide Zahlen sind von 2015. Amann verriet: „Wir haben noch nicht eine Fläche erworben, die wir für den Bau der RTW benötigen.“ Schätzungen gibt es, wie stark sich die Fahrzeiten von Eschborn aus reduzieren (siehe Grafik). Der Zeitvorteil, den die RTW verspricht, kommt Pendlern und Firmen zugute. Allein im 50 Hektar großen Gewerbegebiet Eschborn-Süd arbeiten mehr als 20 000 Menschen.

Abzweig nach Soden?

Für den RTW-„Planfeststellungsabschnitt Mitte“ läuft bis zum 29. Juni eine „Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung“. Er reicht von der A 66 über den Höchster Bahnhof, die Leunastraße und den Industriepark Höchst bis Kelsterbach. Der Abschnitt mit Eschborn folgt nach Angaben der RTW-Planer noch 2017. „Das heißt, dass Eschborn im Laufe des Jahres eine Stellungnahme abgeben muss“, sagte Amann.

Der mögliche Abzweig nach Bad Soden sei „in unserem Antrag nicht enthalten“, hob Amann hervor. Da könnte sich aber noch etwas tun. Denn Sodens schwarz-rote Koalition ist dafür, der RTW-Planungsgesellschaft beizutreten. ask

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen