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Autor Leif Tewes im Interview: Undercover-Recherche bei der AfD: "Der Partei-Kern besteht aus Scharfmachern"

Leif Tewes ist ein Pseudonym. Der Krimi-Autor aus Hofheim hat für seinen neuen Roman auch in AfD-Kreisen recherchiert. Mit Leif Tewes sprach Dirk Müller-Kästner.
Der Autor Leif Tewes (rechts) im Gespräch mit Dirk Müller-Kästner. Foto: Knapp Der Autor Leif Tewes (rechts) im Gespräch mit Dirk Müller-Kästner.
Hofheim. 

Nachdem Sie sich der AfD gegenüber geoutet haben: Haben Sie keine Angst vor Repressalien?

LEIF TEWES: Das fragen viele Leute, auch meine Frau. Aber nein, bislang mache ich mir keine Gedanken. Ich hoffe aber, dass meine Tarnung hält.

Sie haben also nicht verraten, wer Sie wirklich sind?

TEWES: Ich habe nur dem Kreisvorsitzenden gesagt, dass ich nur für meine Buchrecherche in die Partei eingetreten bin. Ich fand das richtig, da er mich sozusagen eingestellt hat. Meinen richtigen Namen habe ich ihm nicht verraten.

Was heißt, er hat Sie eingestellt?

TEWES: Wer in die AfD eintritt, muss mit dem Kreisvorsitzenden eine Art Einstellungsgespräch führen. Dieser gibt dann eine Empfehlung ab.

Und wie viele werden dann aussortiert?

TEWES: So etwa zehn Prozent dürfen kein Parteimitglied werden.

Wie hat Ihr Kreisvorsitzender reagiert, als Sie sich ihm gegenüber geoutet haben?

TEWES: Er gab sich zunächst geschockt. Wir haben uns dann aber noch etwa eine Stunde unterhalten, wobei er aber auf keine politischen Argumente eingegangen ist.

Welchen Eindruck haben Sie insgesamt von der Arbeit in der AfD?

TEWES: Beim Bundes- und bei den Landesparteitagen gab es mehrere Strömungen. Die Partei ist im Kern zerstritten. Da gibt es Menschen, die arbeiten ernsthaft an Alternativen, da sind aber auch viele rechte Scharfmacher, die laut nationalistische Töne anschlagen.

Und welche Seite ist da stärker?

TEWES: Der Kern besteht aus den Scharfmachern. Werden beim Parteitag nationalistische Töne angestimmt, ist der Applaus am größten. Werden dagegen ernste und komplizierte Anträge zu Themen wie die Rente angesprochen, dann fliegt der Komplex rasch von der Tagesordnung.

Wie haben Sie es geschafft, nach nicht mal einem Jahr Parteimitgliedschaft als Delegierter zu den Parteitagen zu kommen?

TEWES: Ich war dort nur als Gast. Aber wie ich es geschafft habe unerkannt reinzukommen, kann ich nicht verraten. Nur so viel: Nachdem beim Landesparteitag in Hofheim zwei Personen in den Saal gekommen waren, die dort unerwünscht waren, sind die Kontrollen noch mal verschärft worden.

Geben in der AfD mehr junge oder mehr ältere Menschen den Ton an?

TEWES: Die meisten Mitglieder sind gut situierte ältere Männer; frühere Beamte, Piloten, Anwälte, die in der Gesellschaft gut integriert und vernetzt sind. Sie sitzen oder saßen an interessanten Stellen. Ich habe zum Beispiel eine Sozialamtsleiterin und einen ehemaligen Vorsitzenden eines Gewerbevereins kennengelernt.

Und junge Menschen haben in der AfD nichts zu sagen?

TEWES: Wenn junge Menschen dabei sind, dann gehören sie zu den Scharfmachern. Ich war entsetzt, wenn ich sie reden hörte. Bei den Parteitagen sind immer sie es, die Anträge verschärfen. Ich habe das gruseln bekommen, wenn sie redeten.

Welche Themen sind es konkret, mit denen sich die AfD-Scharfmacher befassen?

TEWES: Ich hatte mich für den Landesfacharbeitskreis Islam und Familie gemeldet. Da steckte Energie drin. Da wurde deutlich, worum es dem Kern der Partei geht.

Welche Bilanz ziehen Sie nach mehr als einjähriger Mitgliedschaft bei der AfD?

TEWES: Die Alternative ist keine Alternative. Erstens sind ihre Strategien rückwärtsgewandt. Zweitens propagiert sie „Wir sind das Volk“, intern gibt es aber Kungelei und Postengeschacher. Da schielt jeder auf seine eigene Karriere. Drittens habe ich meine Probleme damit, wenn sich Alternativlose als die Alternative hinstellen.

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