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Reformationsjubiläum: Vom Miteinander der Konfessionen

Von Die Höhepunkte der Ökumene in Nied zum Reformationsjubiläum wurden am Wochenende gefeiert. Gottesdienst und Prozession am Sonntag war ein Bibellesemarathon am Samstag vorangegangen.
Die großen Papp-Aufsteller von Luther und Papst Franziskus waren gestern bei der Prozession durch Nied mit von der Partie. Bilder > Foto: Maik Reuß Die großen Papp-Aufsteller von Luther und Papst Franziskus waren gestern bei der Prozession durch Nied mit von der Partie.
Nied. 

„Sola Scriptura“ – allein durch die Schrift, allein in der Bibel – das ist ein Kernsatz von Martin Luther. Die Bibel ist die einzige Quelle und Norm des christlichen Glaubens. „Das älteste christliche Dokument, die Bibel, ist eben auch am nächsten dran an Jesus Christus, an seinem Leben und an dem, was er gesagt hat“, bekräftigte Pfarrerin Charlotte von Winterfeld gestern im ökumenischen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum in der Christuskirche in Alt-Nied. Die Betonung der Heiligen Schrift als alleinige Autorität war zu Luthers Zeiten auch eine Abgrenzung zur römisch-katholischen Kirche: „Im Mittelalter war es üblich, dass die Heiligen Schriften durch die Brille der Kirchenväter und Konzilsbeschlüsse gelesen wurden, dass die Priester sagten, wie man die Bibel verstehen soll“, sagte Pfarrerin von Winterfeld.

„Denn wir sollen eins sein“ war gestern das Motto des ökumenischen Gottesdienstes zum Reformationsjubiläum in der evangelischen Christuskirche, der nach einer gemeinsamen Prozession in der katholischen Kirche St. Markus endete. Pfarrerin von Winterfeld, Pfarrer Joachim Preiser und Vikarin Dr. Annegreth Schilling auf evangelischer Seite und Pfarrer Rolf Glaser, Pastoralreferent Ralf Albensoeder und Gemeindereferentin Verena Nitzling gestalteten die Liturgie.

Immer verbunden

Bei der Prozession wurde die älteste Nieder Lutherbibel – sie stammt aus der Zeit der Weihe der Christuskirche um 1908 – unter dem katholischen Fronleichnams-Baldachin durch die Straßen bis nach St. Markus getragen. Hans-Joachim Buley, seit einem halben Jahrhundert Kirchenvorsteher der evangelischen Gemeinde Nied, trug die Bibel auf dem ersten Abschnitt des Weges. In der Kirche hatte er zuvor erklärt: „Die Geschichte der Protestanten in Nied ist unauflöslich mit der Geschichte der Katholiken verbunden.“ Seit 1828 haben evangelische und katholische Christen die Christuskirche als „Simultankirche“ genutzt, das heißt, Gottesdienste beider Konfessionen wurden dort gefeiert.

Die katholischen Christen haben dann ihre eigene Kirche gebaut und sind 1907 nach St. Markus umgezogen. Im Mai 1908 gab es einen Festgottesdienst zur Einweihung der Christuskirche als rein evangelische Kirche. Zu diesem Anlass bekam die evangelische Gemeinde vom damaligen Superintendenten eine Altarbibel geschenkt – dieselbe, die gestern durch die Straßen getragen wurde. Sie spielt noch heute eine besondere Rolle.

Verse an der Haltestelle

Die Bibel unters Volk bringen, das war Luthers Motiv, und das versuchte der Arbeitskreis Ökumene – er plant seit fünf Jahren für das Reformationsjubiläum – auch am Samstag mit einem Bibellese-Marathon. Dort, wo die Straßenbahnen halten, lasen am Samstag prominente und weniger prominente Menschen über Stunden aus der Bibel, vor dem Rewe-Supermarkt an der Kreuzung Mainzer Landstraße / Alt Nied, an der Haltestelle „Nied Kirche“. Auch Stadtdekan Dr. Achim Knecht und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) lasen aus der Heiligen Schrift vor.

Zwischen den einzelnen Leseteilen gab es Livemusik. Parallel zu den Lesungen hatten Kinder und Erwachsene die Möglichkeit, im „Buch zum Bibellese-Marathon“, ihren biblischen Lieblingsvers oder ihre biblische Lieblingsgeschichte aufzuschreiben oder aufzumalen.

Die Prozession gestern wurde vom Blasorchester Höchst des Musikvereins Unterliederbach begleitet – und von Luther sowie Papst Franziskus, den von der Künstlerin Dina Draeger fürs Reformationsjubiläum gestalteten lebensgroßen Figuren.

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