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Integrationslotsen für Flüchtlinge: Begleitung im neuen Alltag

Erste Informationen zu einer Tätigkeit als Integrationslotse erhielten mehr als 20 Interessierte am Donnerstagabend im kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Drei Lotsen berichteten dabei auch aus der Praxis und warben für mehr Beteiligung.
Sie sind Integrationslotsen: Björn Mayer (links), Zarguna Maywand (2. v. r.) und Rahaf Mrouh (rechts) mit Mostafa Lyazami (Mitte) vom Interkulturellen Büro und Carmen Größ vom Frauenhaus. Foto: Marc Schueler Sie sind Integrationslotsen: Björn Mayer (links), Zarguna Maywand (2. v. r.) und Rahaf Mrouh (rechts) mit Mostafa Lyazami (Mitte) vom Interkulturellen Büro und Carmen Größ vom Frauenhaus.
Rüsselsheim. 

Mrouh Rahaf, Zarguna Maywand und Björn Mayer sind Integrationslotsen. Sie wollen mithelfen, damit sich Flüchtlinge in Deutschland schnell zurechtfinden. „Wir hatten so eine Hilfestellung nicht, als wir 1996 nach Rüsselsheim gekommen sind“, berichtete Zarguna Maywand. Sie wurde in Afghanistan geboren und musste sich damals auf ihre Tante verlassen, die bereits in Rüsselsheim lebte. „Sie hat uns überall mit hingenommen, aber ohne sie wären wir aufgeschmissen gewesen. Das soll den Menschen jetzt nicht mehr passieren. Für mich persönlich ist es eine wichtige Arbeit, die mir selber ein gutes Gefühl gibt. Und die Menschen sind glücklich, denn ihnen wird bei ihren Problemen geholfen“, sagte die 38-Jährige, die im Rüsselsheimer Stadtmuseum aushilft, sonst aber Hausfrau ist.

Den Umfang dieser Hilfestellungen und die vielfältigen Möglichkeiten der Arbeit als Integrationslotse zu vermitteln, das war der Sinn und Zweck des Abends, der im Rahmen der Interkulturellen Woche vom Interkulturellen Büro, dem Frauenzentrum und dem Kinderschutzbund veranstaltet wurde. Mostafa Lyazami vom Interkulturellen Büro begrüßte alle Interessierten und betonte den Erfolg, den die Integrationslotsen in der Stadt Rüsselsheim bereits gehabt haben. Dabei würden sie mehr eine leitende und beratende Funktion übernehmen, nicht aber den nach Rüsselsheim gekommenen Menschen notwendige Aufgaben abnehmen. „Sie bekommen pro Stunde eine Aufwandsentschädigung von fünf Euro. Das ist sicher nicht viel für den Aufwand, den manche Integrationslotsen betreiben, aber es ist für eine ehrenamtliche Tätigkeit besser als nichts“, so Lyazami. Er bestätigte, dass die Stadt mit dem Lotsenprogramm auch auf die aktuellen Entwicklungen reagieren müsse.

Carmen Größ vom Frauenzentrum bestätigte diese Einschätzung und wies darauf hin, dass Integrationslotsen sich als Alltagsbegleitung verstehen sollen, weniger als Spezialisten nur für einzelne Probleme oder Themenbereiche. „Dafür ist allerdings eine umfassende Qualifizierung notwendig, denn wir wollen ehrenamtliche Mitarbeiter mit guten Grundlagen, die unseren neuen Mitbürgern wirklich auf vielfältige Art und Weise weiterhelfen können“, erklärte sie.

Dazu müssten alle Interessierten elf Dienstagabende investieren, bei denen sie in jeweils zweistündigen Kurssegmenten Wissen zu verschiedenen Themen vermittelt bekämen. „Anschließend erhalten sie ein Zertifikat und können sich auch weiterbilden. Wir werden selbst unser Wissen vermitteln, aber auch Experten wie Rechtsanwälte. Allerdings sollten sie zu diesen Abenden auch meistens anwesend sein, denn nur dann können Sie das Zertifikat auch bekommen,“ so Größ.

 

Ausflüge ins Theater

 

und zu Vereinen

 

Weil aus Syrien besonders viele Menschen nach Deutschland kommen, ist es gut, dass Rüsselsheim mit Mrouh Rahaf eine deutsch-syrische Integrationslotsin hat. Seit einem Jahr versucht sie, Menschen aus Marokko, Syrien und dem Libanon weiterzuhelfen und ihnen die deutsche Kultur zu vermitteln. „Wir machen nicht nur Amtsgänge, sondern auch Ausflüge wie ins Theater, zu Vereinen oder in die Bücherei. Richtig integrieren, das heißt für mich auch, Kontakte herzustellen außerhalb des sozialen Umfelds, was sich meist zunächst auf die Familie oder Landsleute beschränkt. Die Flüchtlinge sollen sich von Anfang an trauen, mit uns Rüsselsheimern zusammenzukommen“, sagte sie.

Daniela Kötz bezeichnete das Projekt als sehr interessant. Es habe viele gute Ansätze. Die Mitarbeiterin der evangelischen Kirchenjugend wollte sich selbst über die Möglichkeiten dieses Programmes informieren und gleichzeitig versuchen, auf die Angebote der Kirchengemeinde hinzuweisen. „Die Integrationslotsen sind wichtig für Rüsselsheim, daher möchte ich dieses Angebot unterstützen“, stellte Kötz fest. schü

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