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Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin: „Ich hab’ mich schon immer für Medizin interessiert“

Vanessa Kieltsch ist in ihrem zweiten Ausbildungsjahr als Operationstechnische Assistentin am GPR-Klinikum Rüsselsheim. Wir haben sie bei ihrer Arbeit begleitet.
Vanessa Kieltsch sucht das passende Instrumentarium im Lager. Bilder > Foto: (Stella Lorenz) Vanessa Kieltsch sucht das passende Instrumentarium im Lager.
Rüsselsheim. 

Die wenigsten Menschen finden eine Beinamputation „cool“. Vanessa Kieltsch schon – aber natürlich nur auf rein professioneller Ebene. Die 21-Jährige wird Operationstechnische Assistentin (OTA), seit zwei Jahren macht sie die Ausbildung am GPR-Klinikum. „Ein wahnsinnig abwechslungsreicher Job“, sagt sie, während sie die Regale im Lager vor den OP-Sälen sichtet.

Als Teil der Ausbildung ist sie momentan in der Gefäßchirurgie und der Gynäkologie tätig, die Abläufe im Vorfeld der Operation sind aber immer ähnlich. „Wir bereiten die Instrumente vor, schauen, ob alle Materialien da sind – vor und nach der OP“, erklärt sie. Das sei besonders wichtig, damit nichts aus Versehen im Patienten verbleibt. Heute stehen zwei Gynäkologie-Operationen an: eine minimalinvasive Geschwür-Entfernung und ein Kaiserschnitt.

Vanessa Kieltsch beginnt ihre Routine mit der Desinfektion der Hände und Unterarme. „Drei Minuten insgesamt, meistens mache ich es automatisch länger“, sagt die zierliche Auszubildende. Dann zieht sie den Mundschutz hoch und fängt an, das Operationsbesteck fein säuberlich auf zwei Rolltische zu legen. Hier unterscheiden sich beide Eingriffe: Während es für die minimalinvasive Operation hochmoderne, längliche Laparaskope und wenig Baumwolltücher braucht, liegen später für den Kaiserschnitt Skalpell und eine Menge Kompressen bereit.

Hochkonzentriert

Kieltsch agiert in der ersten Operation als Instrumentierende und in der zweiten als Springerin. Gemeinsam mit einer Kollegin assistiert sie dem Chirurgen hochkonzentriert, kennt den nächsten Schritt und damit das passende Instrument: „Wir lernen während der Ausbildung jede Operation im Detail kennen und was dafür gebraucht wird.“ Als Instrumentierende steht sie mit dem Chirurg am OP-Tisch und reicht das Besteck an. Das lange Stehen geht auf den Rücken, aber das merke man dank Adrenalin und Konzentration nicht, sagt sie. Als Springerin rotiert sie zwischen Patienten, Dokumentation am Computer und dem Chirurg – deutlich mehr Bewegung also. „Ein guter Springer ist schon mal die halbe Miete“, sagt OP-Leiterin Justine König.

Nach dem Abitur entschied sich Kieltsch im Anschluss an das zweiwöchige Probe-Praktikum sofort für die Ausbildung. „Ich hab mich schon immer für Medizin interessiert und wusste, das will ich machen“, sagt sie. Das rein Pflegerische, das sie aus einem früheren Praktikum kannte, war ihr zu wenig. Die Vielfältigkeit liebt sie, nur einen Tag vorher erfahren die rund 30 Assistenten, welche Operationen anstehen.

Körperlich belastbar

Was man im Job unbedingt brauche, sei Empathie mit den Patienten, körperliche Belastbarkeit und Zuverlässigkeit. Aber auch sehr gute Nerven: Der Kaiserschnitt – „eine meiner Lieblings-OPs!“ – ist das Gegenteil von minimalinvasiv, Blut und Fruchtwasser muss man abkönnen. Auch der Geruch von verödetem Fleisch bei der Blutungsstillung ist erst mal gewöhnungsbedürftig. Alles halb so wild, findet Vanessa Kieltsch. Wenn doch mal nicht alles glatt läuft, nimmt es sie schon emotional mit, aber „wenn ich nachmittags den OP verlasse, lasse ich das alles hier“.

Am Ende des Tages ist das Geschwulst entfernt und das Baby gesund auf der Welt. Während der Chirurg die Bauchdecke zunäht, nimmt die junge Auszubildende die Geräte auseinander, sortiert sie in die Sterilisationskörbe. Lächelnd nimmt Vanessa Kieltsch den Mundschutz ab: „Cool, oder?“ Sie hat ihren Traumberuf gefunden.

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