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Interkulturelle Wochen: "Ich helfe, weil auch mir geholfen wurde"

Mehr als 200 Groß-Gerauer, Flüchtlinge und Asylbewerber kamen am Montagabend in die Stadthalle. Sie lernten sich kennen und verabredeten weitere Hilfsmaßnahmen. Die Stadt wiederum will die Hilfsangebote nun besser koordinieren.
Viel los: Flüchtlinge und Groß-Gerauer lauschen dem Orchester der Musikschule. Foto: Ralph Keim Viel los: Flüchtlinge und Groß-Gerauer lauschen dem Orchester der Musikschule.
Groß-Gerau. 

Siegfried Büttner war selbst einmal Flüchtling. „Ich bin September 1989 von der DDR in die damalige Bundesrepublik geflohen“, erzählte er Montagabend in der Stadthalle. „Ich habe mein Zuhause in Sömmerda bei Erfurt aufgegeben und bin weg.“ Siegfried Büttner erlebte die ersten Tage in Freiheit in einem Aufnahmelager und die ersten Monate im „goldenen Westen“ in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Kassel.

„Ich kann mir ganz gut vorstellen, was in diesen Menschen vor sich geht“, nickte er angesichts der zahlreichen Flüchtlingen und Asylsuchenden, die am Montagabend in die Stadthalle gekommen waren. Im Rahmen der Interkulturellen Woche hatte die Stadt Groß-Gerau zu einem Kennenlernabend eingeladen. Mehr als 200 Groß-Gerauer sowie Flüchtlinge und Asylbewerber waren gekommen, darunter auch Siegfried Büttner, der seit mehr als zehn Jahren in Groß-Gerau lebt. „Ich will helfen, weil auch mir damals geholfen wurde“, bekräftigte der mittlerweile 50-Jährige.

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So ähnlich dachten auch zahlreiche weitere Bürger. An mehreren Tischen saßen sie zusammen, hörten den Flüchtlingen zu und diskutierten über deren Schicksal, boten Hilfe an. Der 25 Jahre alte Samadoon flüchtete 2013 aus Somalia. Mit „Hallo, Groß-Gerau“ begrüßte er die Zuhörer. „Deutschland und Groß-Gerau sind jetzt meine Heimat“, bekräftigte er. Sonya kam bereits vor mehr als 20 Jahren aus Pakistan nach Deutschland. Sie fungierte, neben zahlreichen weiteren ehemaligen Flüchtlingen, als Übersetzerin für diejenigen, welche die deutsche Sprache noch nicht oder nur unzureichend beherrschten. Der Rüsselsheimer Kfz-Sachverständige Mohammed Kadi hat marokkanische Wurzeln und stellte sich an diesem Abend ebenfalls gerne als Übersetzer zur Verfügung.

„Groß-Gerau präsentiert sich heute als weltoffene Stadt“, begrüßte Bürgermeister Stefan Sauer (CDU) die Besucher des Abends. Die Betreuung und das Sich-Kümmern um die Flüchtlinge seien die aktuellen Herausforderungen. „Dann kommt die Integration und das ist ein langwieriger Prozess“, führte Sauer weiter aus. Von einer „extrem hohen Hilfsbereitschaft“ berichtete Birgit Ruland, Leiterin des Sozial- und Integrationsbüros. „Wir werden in diesem Jahr wohl noch rund 100 Menschen aufnehmen. Etwa 130 Asylsuchende befinden sich derzeit im Anerkennungsverfahren.“

Michael Engelhardt und Birgit Schaffner zählen zu dem Heer an Freiwilligen und ehrenamtlich aktiven Bürgern, die sich um die Flüchtlinge und Asylsuchenden kümmern. „Wir geben in Groß-Gerau Deutschunterricht.“ Auch sie registrieren eine immer noch hohe Bereitschaft zu helfen. Die Stadt Groß-Gerau will nun dieses Engagement für Flüchtlinge und Asylsuchende koordinieren und strukturieren. Unter der Leitung von Christiane Eichhorn soll ein Netzwerk unter dem Titel „Ehrenamtlich für Flüchtlinge“ gebildet werden. Dafür hat die Stadt die studierte Soziologin und Journalistin aus Zwingenberg an der Bergstraße eigens mit einer Halbtagsstelle angestellt.

„Ich bin in Zwingenberg selbst ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert“, erzählte Christiane Eichhorn am Rande des Abends in der Stadthalle. In Groß-Gerau soll sie die vielfältigen Vereine, Institutionen, Gruppen und Gruppierungen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, unter einen Hut bekommen. Dazu soll es regelmäßig monatliche Treffen geben.

Die ersten drei Treffen des Netzwerks „Ehrenamtlich für Flüchtlinge“ finden am 15. Oktober, 19. November und 17. Dezember statt. Beginn ist jeweils um 18 Uhr im Gebäude des ehemaligen Amtsgerichts, Darmstädter Straße 31. rke

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