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Ehemalige Schüler erinnern sich gern zurück: In die Zukunft: Gerhart-Hauptmann-Schule plant große Veränderungen

Hitzige Debatten, ein Bürgerbegehren, politische Grabenkämpfe und ziemlich viel Unsicherheit. All dies hat die - ihre lange Historie im Rücken.
„Wir sind mehr als ein Gebäude“ – Mit diesem Slogan wurde für den Erhalt der Schule gekämpft. „Wir sind mehr als ein Gebäude“ – Mit diesem Slogan wurde für den Erhalt der Schule gekämpft.
Rüsselsheim.  Ein halbes Jahrhundert liegt hinter der Gerhart-Hauptmann-Schule. Die turbulentesten Jahre der Schulgeschichte liegen allerdings noch nicht lange zurück. Das Ende der Bildungseinrichtung, die Generationen von Königstädtern geprägt hat, war bereits, politisch beschlossen, ehe Anfang 2015 ein Bürgerbegehren letztlich doch dafür sorgte, dass die Schule erhalten bleibt. Spitz auf Knopf stand es zeitweilig, entsprechend lange hielt sich rund um die Schule die Angst, doch keine Zukunft zu haben.

Dabei kann sie auf eine stolze und lange Geschichte zurückblicken. Am 1. Juli 1965 stand fest, dass die neue Volks- und Realschule den Namen „Gerhart-Hauptmann-Schule“ erhält. Begründet wurde die Entscheidung für den Bau einer „24-klassigen Volksschule mit Mittelschulzug“ mit einem Bevölkerungszuwachs im Ortsteil Königstädten durch die Neubaugebiete „Das Reis“ und „Die Strut“. Erwartet wurden 6000 neue Einwohner. Das für die Schule zugewiesene 21 000 Quadratmeter große Baugelände befand sich am Ostrand des Baugebietes „Das Reis“.

1965 wurde die Gerhart-Hauptmann-Schule gebaut. Derzeit zeichnen sich bauliche Veränderungen ab. Bild-Zoom
1965 wurde die Gerhart-Hauptmann-Schule gebaut. Derzeit zeichnen sich bauliche Veränderungen ab.
Am 1. Dezember zogen zwölf Klassen und die Schulleitung in den fertiggestellten ersten Bauabschnitt. Der zweite Bauabschnitt mit Klassentrakt und Fachräumen war noch nicht so weit. In der Chronik anlässlich 25 Jahren GHS heißt es: „Der 1.12.1966 ist somit der heimliche eigentliche Geburtstag der GHS.“

Im September 1967 wurden die ersten 56 Realschüler, aufgeteilt auf zwei Klassen, aufgenommen. 26 von ihnen kamen aus Nauheim. Auch später noch stammte die Schüler der GHS meist aus Königstädten und Nauheim. Christian Steinbach, der die Schule zwischen 1987 und 1992 besuchte, erinnert sich daran, dass eine von den damaligen Realschulklassen aus Nauheimer Schülern bestand, die jeden Morgen per Bus in die Schule gebracht wurden.

Im Schuljahr 1972 / 73 verließen die ersten Schüler die GHS mit der Mittleren Reife.

Am 13. Oktober 1971 beschloss der städtische Bauausschuss, die GHS zu einer sechszügigen Sekundarstufenschule I auszubauen. Ab April 1974 wurden keine Grundschüler mehr aufgenommen, da seit dem 30. Oktober 1969 eine eigenständige Grundschule im Ortsteil bestand. Damit ist die GHS zu einer Haupt- und Realschule geworden.

Individuelle Förderung

Im August 1975 wurde für die Klassen fünf und sechs die Förderstufe eingeführt. Diese neue Schulform sollte die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg eines Schülers nicht schon nach der vierten Klasse, sondern erst nach dem Ende des sechsten Schuljahres ermöglichen. „Allen Kindern soll durch sachgemäße Förderung ein Weg eröffnet werden, der ihrer individuellen Leistungsfähigkeit entspricht. Sie sollen ihrem Lernvermögen gemäße Abschlüsse erreichen“, heißt es in der Festschrift.

Christian Steinbach, Thorsten Diehl und Marius Götz waren in der Förderstufe und halten sie für eine gute Sache. 1992, als sie ihren Abschluss machten, hatte der Realschulabschluss der GHS einen sehr guten Ruf. „Damit kam man ohne Probleme in jedes Bewerbungsgespräch“, so Diehl. In der Förderstufe gab es E-Kurse (Gymnasium), F-Kurse (Realschule) und G-Kurse (Hauptschule). Gerade in den Hauptfächern konnte dadurch vorselektiert werden. Das sei eine gute Probezeit gewesen, in der man als Schüler auch selbst erkennen konnte, was gut für einen war, so die ehemaligen GHS-Schüler. Für manche E-Kurse kamen auch Lehrer aus dem Kant-Gymnasium, um zu unterrichten. Das sei schon ein ganz anderes Niveau gewesen.

„Wir hatten alle 14 Tage samstags vier Stunden Unterricht“, erinnert sich Thorsten Diehl. Alle zwei Wochen gab es auch Nachmittagsunterricht. Unter anderem gehörte Kochunterricht zu den Angeboten, und was gekocht wurde, musste auch probiert werden. Dabei waren die Teller immer leer zu essen. Zur Weihnachtszeit standen einmal Rumkugeln auf dem Plan und die ehemaligen Schüler schmuggelten in einer Isostarflasche echten Strohrum in den Kochunterricht.

Schöne Erinnerungen

25 Jahre nach dem Schulabschluss sind die drei Herren, die sich lebhaft über ihre jugendlichen Streiche in der Schulzeit amüsieren, ein wenig gesitteter geworden. „Wir hatten eine ziemlich intensive Pubertät“, versucht Christian Steinbach einen Erklärungsversuch. Doch noch immer wird ihnen mulmig, wenn sie an ihren Abschlussstreich denken, bei dem ein Feuerlöscher, ein Putzmarathon, 800 Mark Strafe und das haarscharfe Vorbeischrammen an einer offiziellen Anzeige bei der Polizei eine Rolle spielten. Und jeder kennt auch Geschichten über die damaligen Lehrer. Im Nachhinein heißt es, sie seien streng, aber gerecht gewesen. Ein Lehrer habe sich sichtlich schwer mit dem Lächeln getan. Eine Lehrerin, deren Kleiderwahl den 80ern entsprechend ein wenig moderner ausfiel, bekam von den Schülern einen Spitznamen, der deren Anerkennung und Begeisterung ausdrückte.

Auch Erwin Kühlburger, der von 1989 bis 1993 die GHS besuchte, erinnert sich an Eigenarten von Lehrern. Einer habe sogar mit seinem Schlüsselbund nach Schülern geworfen, die den Unterricht störten.

Als ehemaliger Schüler ist ihm wichtig, bei den Vorbereitungen für das große Fest am heutigen Abend in der Krone mitzumachen. Da werden die ehemaligen Schüler aus zahlreichen Jahrgängen zusammenkommen, in Erinnerungen schwelgen. Er hilft beim Organisieren und liefert Werbematerial wie Banner, Plakate und Flyer, die er unentgeltlich in der eigenen Werbetechnikfirma herstellt. „Das mache ich gern, weil die GHS ein Teil von Königstädten ist und weil es Spaß macht.“ Frank Häußler, Lehrer der GHS, ist Ansprechpartner für ehemalige Schüler, die ihre Klassenkameraden während der Feier treffen wollen.

Blick in die Zukunft

Vielleicht werden die ehemaligen Klassenkameraden dann ja nicht nur in den Gehirnwindungen nach den Erinnerungen von früher suchen, sondern sich auch fragen, wie es mit der GHS wohl weitergehen wird. Denn im Grunde ist die Zukunft für die Schule schon angebrochen. Die Schulgemeinde hat beschlossen, als Integrierte Gesamtschule die Herausforderungen der Zukunft angehen zu wollen. Ein erstes positives Signal hinsichtlich der Schulformänderung gab es bereits von der Politik. Und nach den harten Debatten in der jüngeren Vergangenheit soll auch die bauliche Zukunft der Schule schnell geklärt werden.

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