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Asyl: Sorge um friedliche Nachbarschaft bleibt

Die Anwohner der Berzallee haben sich mit ihrem neuen Nachbarn, dem Interkulturellen Verein für Erziehung und Bildung. zum Meinungsaustausch getroffen. Die Vorstandsmitglieder des Vereins konnten die Sorge über Jugendkriminalität nicht nehmen.
Mohammed El Haddad und Youssef El Khalissi (von links) stellen ihr Konzept für eine Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Nauheim vor. Der Kreis hat das Vorhaben in einem Wohnhaus in der Berzallee noch nicht genehmigt. Foto: Rainer Beutel (Rainer Beutel) Mohammed El Haddad und Youssef El Khalissi (von links) stellen ihr Konzept für eine Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Nauheim vor. Der Kreis hat das Vorhaben in einem Wohnhaus in der Berzallee noch nicht genehmigt.
Nauheim. 

 Die Sorgen der Nachbarn wegen der Einrichtung einer Betreuungsstätte für jugendliche Flüchtlinge in der Berzallee (wir berichteten) scheinen bei einem Treffen mit den Verantwortlichen etwas gemildert, aber keineswegs entkräftet worden zu sein.

Knapp ein Dutzend Anwohner aus der Berzallee und einige Kommunalpolitiker haben sich zu einem Meinungsaustausch mit Vorstandsmitgliedern des Interkulturellen Vereins für Erziehung und Bildung (IVEB) getroffen. Der Informationsaustausch wurde als „dringend notwendig“ empfunden. Kritisiert wurde, dass es dazu erst nach Wochen der Unsicherheit gekommen sei.

Die Anlieger, die eigenen Auskünften zufolge aus der näheren Nachbarschaft stammen, erklärten, dass sie die Geschehnisse in dem Reihenhaus in der Berzallee 6c als merkwürdig empfunden hätten. Nie habe sich jemand vorgestellt. Das habe die Gerüchteküche angeheizt. Die Vorstandsmitglieder des im Herbst gegründeten IVEB bedauerten die Sorgen und Ängste ausdrücklich. Das sei niemals ihre Absicht gewesen, sagten Mohammed El Haddad und Youssef El Khalissi, zwei Vorstandsmitglieder. Dass ein aufklärender, persönlicher Kontakt nicht früher aufgebaut worden sei, habe an der Unkenntnis gelegen, auf wen sie zugehen sollten. „Wir legen großen Wert auf guten Kontakt mit ihnen und der Gemeinde“, sagte Hassad.

Dem IVEB gehörten derzeit sieben Personen an, informierten die Vereinssprecher. Für die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen stünden alle Vereinsangehörigen und drei weitere pädagogisch ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung. In dem Gebäude sollen sechs jugendliche Flüchtlinge im Alter von 14 bis 18 Jahren unterkommen und rund um die Uhr betreut und beaufsichtigt werden.

Vorhaben noch nicht vom Kreis genehmigt

Haddad und Khalissi bestätigten, dass ihr Vorhaben vom Kreis Groß-Gerau als zuständige Behörde noch nicht genehmigt sei. Ein entsprechender Antrag sei gestellt. Das Gebäude in dem Reihenhauskomplex auf dem Feldchen sei seit Februar für 2500 Euro monatlich gemietet. Ein anderes geeignete Objekt hätten sie in Nauheim nicht gefunden. Den Standort an der Berzallee empfänden sie wegen seiner zentralen Lage als ideal. Solche Betreuungseinrichtungen seien am Ortsrand oder außerhalb schlecht aufgehoben, hieß es auch von Seiten anwesender Kommunalpolitiker von CDU und Grünen.

„Umfeld für Flüchtlinge nicht geeignet“

Dass die Initiatoren ohne Genehmigung vorab viel Geld investierten, bezeichneten Anwohner als „unfassbar“. Haddad und Khalissi sagten, die Ausgaben seien durch die Mitglieder und Spenden gedeckt. Doch nicht die Kosten bereiten den Nachbarn schlaflose Nächte, sondern die Nähe der geplanten Einrichtung zu ihren Grundstücken. Sie betonten, dass das „Umfeld für Flüchtlinge nicht geeignet“ sei.

In ihrer Einrichtung seien Sprachkurse, geregelte Essenszeiten, Freizeit- und Sportaktivitäten und pünktliche Schließzeiten am Abend geplant, versicherte der Vorstand. Formulierungen auf einer vom Verein angelegten Homepage, die auf Erfahrungen im Umgang mit „radikalisierten Jugendlichen“ verweisen, hätten nichts mit dem Vorhaben in Nauheim zu tun. Dies beziehe sich auf die ebenfalls von ihnen andernorts geleistete ambulante Betreuung von Jugendlichen mit entsprechendem Hintergrund. Haddad und Khalissi versicherten, dass sie und ihre Mitstreiter schon seit vielen Jahren in der Betreuung Minderjähriger tätig seien.

Die Ansichten der anwesenden Feldchen-Bewohner waren bei dem Treffen nicht homogen. Zugegen waren auch zwei Frauen, die die Pläne des Vereins ausdrücklich begrüßten, das Konzept als „sinnvoll“ bewerteten und von einer „wundervollen Arbeit“ sprachen. Es sei richtig, Flüchtlinge zu integrieren und nicht an den Rand der Gesellschaft abzuschieben, argumentierten sie.

Betont wurden andererseits die „großen kulturellen Unterschiede“. Die Bürger forderten, dass die Betreiber die künftigen Hausbewohner darauf hinzuweisen hätten, was diese zusagten. Zudem verwahrten sich die Wortführer davor, „in irgendeine Ecke gedrängt zu werden“, nur weil sie sich Sorgen um ihr friedliches Wohnumfeld machten. Die Kommunalpolitiker versuchten zu vermitteln.

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