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Saison fürs edle Gemüse beginnt: Der Spargel sprießt, die Wetterau genießt

Von Woran merkt man unverkennbar, dass der Frühling da ist? Na klar, am Spargel auf dem Teller. Den gibt es ab dieser Tage auch wieder aus Wetterauer Anbau. Und erstmals hat das königliche Gemüse in Karben einen großen Bahnhof bekommen.
Frisch aus dem Wetterauer Lösslehmboden auf den Teller: Vorarbeiter Feri Fransisc vom Karbener Margarethenhof von Familie Bär sticht die Spargelstangen aus dem Erddamm zwischen Burg-Gräfenrode und Ilbenstadt. Fünf Betriebe in der Wetterau bauen das edle Gemüse inzwischen an. Frisch aus dem Wetterauer Lösslehmboden auf den Teller: Vorarbeiter Feri Fransisc vom Karbener Margarethenhof von Familie Bär sticht die Spargelstangen aus dem Erddamm zwischen Burg-Gräfenrode und Ilbenstadt. Fünf Betriebe in der Wetterau bauen das edle Gemüse inzwischen an.
Karben. 

Die Hände von Vorarbeiter Feri Fransisc (26) fliegen so schnell, dass das Auge kaum folgen kann. Die mit ihrem Köpfchen aus dem Erddamm heraus schauende Spitze im Blick, legt er die Gemüsestange mit zwei, drei Handgriffen frei. Den Stecher angesetzt, zack, schon zieht der Vorarbeiter des Margarethenhofs von Familie Bär aus Burg-Gräfenrode die Stange nach oben.

Mit einer Art Maurerkelle zieht der Rumäne das zur Seite gedrückte Erdreich wieder nach oben, klopft es kurz fest. Ein kleiner Schritt zur Seite, und Feri Fransisc nimmt das nächste Spargelköpfchen ist in den Fokus.

„Was für eine Arbeit!“ ruft eine der Frauen, die daneben stehen und zuschauen. Anne Bär und ihr Schwiegervater Heinz Christian Bär haben gerade eine Delegation zu dem Acker zwischen Burg-Gräfenrode und Ilbenstadt geführt. Es sind Gastronomen aus der Region – und Landrat Jan Weckler (CDU). Frisch gewählt, in seiner ersten Amtswoche, will er sich den edlen Politikerzwirn dreckig machen.

Hier in der Region gibt’s das Gemüse aus der Wetterau

Fünf Wetterauer Bauernhöfe bauen Spargel an und verkaufen ihn:   Margarethenhof Bär, Einsiedelweg in Burg-Gräfenrode, geöffnet wochentags 9 bis 19 Uhr, samstags bis 17 Uhr,

clearing

Der Anlass, vom Klein-Karbener Spitzenkoch Reiner Neidhart und Anne Bär initiiert: Die Gastronomen vom „Wetterauer Landgenuss“ und Weckler wollen den Beginn der Spargelsaison offiziell zelebrieren. So, wie sie das auch in Südhessen machen. „Die Wetterau ist ja noch keine bekannte Spargelregion“, räumt der Landrat ein. „Aber das Bewusstsein wächst, und immer mehr Menschen merken, dass es sehr guten Spargel von hier gibt.“

Wichtiger Umsatzbringer

Unter Anleitung von Seniorchef Heinz Christian Bär nimmt sich Weckler dann ebenfalls ein paar Stangen vor. Mit den Händen gräbt der Landrat den Wetterauer Lösslehm zur Seite, setzt den Stecher an – ein wenig kurz ist die Stange, die er hinaufzieht. „Jetzt die nächste Stange hier?“ Nein, bloß nicht, stoppt ihn Bär. „Nur die Stangen, deren Köpfe schon herausschauen.“ Die anderen brauchen noch Zeit.

Es ist eine mühselige Arbeit. Und ohne die Saisonarbeiter wäre sie in Karben nicht zu schaffen. 45 bis 50 Helfer aus Rumänien werden es in der Spitze sein, wenn Spargel und Erdbeeren zeitgleich geerntet werden müssen. „Sehr zuverlässige Leute“, lobt Heinz Christian Bär.

Seit Jahren kommen die Mitarbeiter aus Rumänien. Einige von Anfang an, seit an die 15 Jahre. So wie Liliana Voda (50) aus dem siebenbürgischen Reghin Mures. „Ich komme jedes Jahr als erste und gehe als letzte“, sagt sie. Von April bis Juli ist sie in Karben. Als Vorarbeiterin in der Halle, wo die Spargelstangen gewaschen und sortiert werden. Die Abteilung ist selbst ein kleiner Familienbetrieb: Auch der eigenen Tochter Andrea Pintikan (24) schaut Liliana dort auf die Finger – und die Schwiegermutter bereitet als Köchin das Essen für alle Saisonarbeiter zu. Diese hat Bauer Bär extra eingestellt, damit die Rumänen gut verpflegt werden. Das hält die Stimmung hoch. Die sei aber sowieso gut. „Es ist sehr fair hier zu arbeiten“, erklärt Liliana Voda. Mit dem Verdienst aus den Monaten in Deutschland finanziert sie ihre Familie in Rumänen noch viele Monate länger durch.

Für den Hof von Familie Bär ist der Spargelanbau längst der ganz große Umsatzbringer. Dabei bauen die Landwirte ihn „nur“ auf zehn ihrer 90 Hektar Feldflächen an. Auf weiteren fünf Hektar wachsen Erdbeeren. Wohl in etwa zwei Wochen dürfte es die ersten süßen Früchtchen aus dem Freiland geben, schätzt Heinz Christian Bär. „Wenn das Wetter mitspielt.“ Denn erst im vergangenen Jahr hatte später Frost Ende April die gesamte Spargel-Ernte um mehr als zwei Wochen unterbrochen – und fast alle Erdbeeren erfrieren lassen.

Das Gemüse landet zu 60 Prozent in den „Landmarkt“-Abteilungen von Rewe-Märkten in der Region – etwa bei den Kaufleuten Fuchs in Karben, Kaffenberger in Bad Vilbel, in Nieder-Erlenbach und selbst in großen Supermärkten in Frankfurt wie am Schönhof an der Eschersheimer Landstraße, am Südbahnhof und im „MyZeil“.

Superfrisch im Hofladen

Damit ist dieser Vertriebszweig zum wichtigsten für den Karbener Hof gewachsen. Der übrige Spargel geht etwa zur Hälfte in die Gastronomie – zum Beispiel zu Reiner Neidhart in „Neidharts Küche“ in Klein-Karben oder ins Deutsche Haus in Groß-Karben. Die andere übrige Hälfte verkauft Seniorchefin Christa Bär im Hofladen direkt.

Dort stehen die Kunden wohl spätestens ab heute wieder Schlange. „Wir haben endlich genug Spargel, damit wir auch in die Werbung gehen können“, erklärt Christa Bär. Bis knapp zehn Euro kostet die 1a-Qualität zwar jetzt zu Saisonbeginn noch. „Aber das wird diese Woche sinken“, schätzt sie.

Sie möge nicht so dicke Stangen einpacken, die seien doch holzig, bittet sie ein Kunde. „Nein, bei uns niemals“, widerspricht Christa Bär, greift eine Stange und bricht sie vor den Augen des Kunden mittendurch. „Das ist fleischig und saftig, da ist nichts holzig.“ Denn direkt im Hofladen sei der Spargel frisch wie sonst nie. „Bei unseren kurzen Lieferwegen ist er überall viel frischer als welcher aus Spanien.“ Denn das Feld ist in Sichtweite.

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