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Zuschlag für Stadtbusnetz Karben bis 2026: Eberwein darf weiter fahren

Von Das Aus für den Karbener Omnibusbetrieb Eberwein ist abgewendet. Die Firma aus Burg-Gräfenrode hat den Zuschlag erhalten, um auch in den nächsten zehn Jahren den Stadtbusverkehr in Karben zu betreiben. Dort allerdings läuft nicht alles rund.
Abfahrt für den Eberwein-Bus: Das Karbener Familienunternehmen wird auch in den kommenden zehn Jahren die Flotte im Stadtverkehr stellen. Zusammen mit der Firma Stroh aus Altenstadt hat Eberwein den Zuschlag fürs Linienbündel Karben/Wöllstadt bekommen. Abfahrt für den Eberwein-Bus: Das Karbener Familienunternehmen wird auch in den kommenden zehn Jahren die Flotte im Stadtverkehr stellen. Zusammen mit der Firma Stroh aus Altenstadt hat Eberwein den Zuschlag fürs Linienbündel Karben/Wöllstadt bekommen.
Karben. 

Die Konkurrenz dürfte beinhart gewesen sein. Selbst die Bahn-Tochter Busverkehr Hessen hatte ein Auge auf Karben geworfen und schon nach einem passenden Betriebshof Ausschau gehalten. Deshalb war die Angst in Burg-Gräfenrode groß: Kann der Omnibusbetrieb Eberwein, seit 83 Jahren im Geschäft, „seinen“ Stadtbusverkehr in Karben verteidigen? Falls nicht, hätte dies wohl das Aus für den Familienbetrieb bedeutet.

Überall in Region

Seit 1933 betreibt der Omnibusbetrieb Eberwein aus Burg-Gräfenrode Buslinien in der Region. Los ging es mit der Linie Bahnhof Groß-Karben–Klein-Karben–Rendel.

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Nun das Aufatmen: Die Busfirmen Stroh aus Altenstadt und Eberwein aus Karben hätten das wirtschaftlichste Angebot abgegeben und den Zuschlag fürs Linienbündel Karben/Wöllstadt ab Dezember 2016 erhalten, erklärt Sven Rischen, der Sprecher der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO).

Jährlich 800 000 Kilometer Fahrleistung umfasst das Linienbündel. Der Vertrag gilt zehn Jahre lang bis 2026. „Auskömmlich“ sei das Angebot gewesen, mit dem sie sich um den Zuschlag bemüht hätten, sagt die Inhaberin von Eberwein, Ingeborg Strehl. „Aber von ‚Geld verdienen‘ können wir nicht reden.“ Dafür sei der Wettbewerb zu hart, die Margen in den vergangenen Jahren weit in den Keller gegangen. Was kein Wunder sei, findet Juniorchef Martin Strehl: Die öffentliche Hand drücke die Preise so niedrig wie möglich. Die VGO mache ganz besonders viel Druck.

Darunter litten die Unternehmen enorm. Teilweise seien die Vorgaben unerfüllbar streng: Falle ein Fahrzeug kurzfristig während einer Tour beschädigt aus, müsse laut Vertrag schon die Folgetour von einem „neuwertigen“ Ersatzfahrzeug gefahren werden. Einen nagelneuen Bus nur für solche extrem seltenen Fälle auf dem Hof bereitzustellen, sei jedoch schlicht viel zu teuer.

„Für die Fahrgäste ist es besser, wenn wenigstens ein älterer Bus kommt, als dass eine Fahrt ganz ausfällt“, findet Ingeborg Strehl. Wobei „alt“ relativ ist: Es seien allesamt Niederflurfahrzeuge, gut in Schuss, sie entsprächen voll den Ausstattungsrichtlinien und seien ja aktuell zuverlässig im Dienst.

Neue Fahrzeuge

Dennoch müsse Eberwein zum Fahrplanwechsel im Dezember drei bis fünf der zehn in Karben eingesetzten Busse durch neue ersetzen. „Die ,alten‘ sind dann mehr als zehn Jahre alt“, sagt Ingeborg Strehl. Diese Grenze setze die VGO rigide durch, während der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) kulanter sei bei kurzen Ausfällen.

Trotz allem ist man im Hause Eberwein über den Zuschlag erleichtert. Das bedeute auch für die Fahrer Sicherheit – und hält diese zugleich bei der Stange. Gute, neue Busfahrer seien auf dem Arbeitsmarkt kaum mehr zu bekommen, sagt Martin Strehl. Mit gutem Lohn zu locken verhinderten zugleich die knallhart kalkulierten Verträge mit der öffentlichen Hand.

Letztlich rechne sich der Betrieb für Eberwein nur in der Gänze der aktuellen Aufträge. Das Unternehmen ist in einer Arbeitsgemeinschaft mit Stroh und dem Büdinger Betrieb Balser mit drei Fahrzeugen im Linienbündel Nidda unterwegs, mit zweien auf der Buslinie 551 Bad Vilbel–Offenbach und dem Nachtbus n33. Zwei Eberwein-Busse fahren im Stadtverkehr Bad Nauheim, den die Karbener zusammen mit Stroh betreiben. Im nun vergebenen Bündel steuert Friedel Stroh sechs Busse für die Wöllstädter Linien bei. Die erhalten neue Nummern: Aus der 5 und der 6 werden die Linien 71 und 72.

Die Eberwein-Busse werden weiter auf den Karbener Linien fahren: vom Bahnhof Groß-Karben aus die Linie 73 nach Petterweil, die 74 nach Rendel und Gronau sowie die dann in 70 umbenannte 7 nach Friedberg über Burg-Gräfenrode. Im Großen und Ganzen blieben die Fahrpläne unverändert, sagt Ingeborg Strehl. Doch falle etwa eine Sonntagsfahrt der Linie 70 weg.

Diese Frage ist nach Ansicht von Eberwein nicht die einzig offene. Auch sei es höchste Eisenbahn, dass die Stadt Karben dem Nahverkehr mehr Priorität beimesse. „Seit vielen Jahren fahren wir nur noch mit Niederflurfahrzeugen, aber kaum eine Haltestelle ist dafür umgebaut“, seufzt Martin Strehl. Das betreffe besonders die am stärksten frequentierten Bus-Stopps.

Folge: Fahrgäste müssen eine hohe Stufe beim Ein- und Aussteigen bewältigen, Barrierefreiheit Fehlanzeige. Gerade auf der Linie 74 seien viele Senioren betroffen. Oft müssten Busfahrer älteren Fahrgästen beim Zusteigen zur Hand gehen.

Problem Falschparker

Zu wenig gingen die Stadtpolizeien in Rendel und Gronau gegen Falschparker vor, was das Durchkommen für die Busse erschwere, sie teilweise blockiere. Verspätungen seien die Folgen, warnt Martin Strehl. Neue Engstellen plane die Stadt Karben bewusst in der Ortsdurchfahrt Groß-Karben: „Dort soll die Fahrbahn nur drei Meter breit werden.“ Dabei seien die Busse schon 2,55 Meter breit, die Fahrer könnten dort also nicht einmal mehr richtig lenken. Strehl fragt: „Wie soll das, bitte, funktionieren?“ Das größte Problem aber stelle die zentrale Umsteigehaltestelle am Bahnhof Groß-Karben dar. „Da fehlt einfach Platz“, kritisiert Ingeborg Strehl. Von nur zwei Abfahrthaltestellen sollten annähernd zeitgleich vier Busse abfahren. 2017 solle mit dem Schnellbus nach Nidderau ein fünfter hinzukommen.

Wartepositionen fehlten sogar gänzlich. Folge: Fahrer, die Pause haben, müssen mit dem Bus auf dem P+R-Parkplatz zwischen den Autoreihen parken oder im Wendehammer. Dort blockierten sich Busse dann gegenseitig.

Letztlich fehle es für Fahrgäste selbst am Elementarsten: Informationen über reale Abfahrzeiten. „Dabei ist die Technik da, die Informationen liegen vor“, sagt Martin Strehl. „Sie werden nur nicht genutzt.“ Im Internet sei abrufbar, ob ein Bus in Karben pünktlich oder verspätet fahre. Doch Anzeigetafeln, auf der alle Fahrgäste dies schnell im Blick hätten, gebe es nicht. „Das wäre kundenorientiert.“

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