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Reaktionen aus Politik: Im Wetterauer Busverkehr droht das Chaos

Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember könnte der Wetterauer Busverkehr zum Stillstand kommen, berichtete die Frankfurter Neue Presse gestern. Am selben Tag gab es die ersten Reaktionen auf die alarmierende Nachricht, dass sowohl im Raum Friedberg und Rosbach, als auch in Altenstadt und Büdingen unklar ist, welches Unternehmen in wenigen Wochen die Busse in Gang setzen wird.
Stehen die Busse oder fahren sie? Was kommt bald auf die Bürger in der Wetterau zu? Stehen die Busse oder fahren sie? Was kommt bald auf die Bürger in der Wetterau zu?
Friedberg/Altenstadt. 

„Das geht so nicht!“, ereifert sich Grünen-Sprecher Gerhard Salz. Wenn ein Betreiberwechsel anstehe, müsse die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) die Ausschreibung dazu viel früher starten. Damit rechtzeitig alle Probleme geklärt werden können.

Bald Ausfälle, ab dem 11. Dezember vielleicht gar kein Stadtbus mehr in der Kreisstadt Friedberg? Dann endet der Vertrag mit der Verkehrsgesellschaft Mittelhessen (VM) als Betreiber der Linie. Die Nachfolgefrage liegt auf Eis, eine baldige Lösung ist auch nicht in Sicht.
Betreiberwechsel in Friedberg und Rosbach Wetterauer Busverkehr droht Stillstand

Das dürfte ein sehr kalter Winter für tausende Fahrgäste werden: Der Betreiberwechsel im Busverkehr in Friedberg sowie in Altenstadt und Büdingen könnte zu massiven Ausfällen und Chaos führen. Davor warnt sogar die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO). Dabei hat sie selbst in diese Richtung gesteuert.

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„Ich bin empört darüber“, sagt Salz, „dass vier Wochen vor dem Start noch immer nicht klar ist, ob die sieben Buslinien in der Region Friedberg von der Bahn-Tochter Busverkehr Hessen (BVH) oder von Deinbus.de aus Offenbach angefahren werden.“ Viel früher hätte die VGO auch dafür sorgen müssen, dass die 21 Linien im Raum Altenstadt und Büdingen sicher bedient werden, meint er. Dort hatte ebenfalls die BVH den Zuschlag in der europaweiten Ausschreibung bekommen.

Unternehmen klagen

Doch die bisher dort fahrenden Unternehmen Balser aus Büdingen und Stroh aus Altenstadt wehren sich vor Gericht dagegen. Sie wollen die Linien auf eigene Rechnung weiter bedienen. Die Linie von Büdingen zur Gesamtschule Konradsdorf wird von Balser bereits auf eigenes Risiko gefahren.

Abfahrt für den Eberwein-Bus: Das Karbener Familienunternehmen wird auch in den kommenden zehn Jahren die Flotte im Stadtverkehr stellen. Zusammen mit der Firma Stroh aus Altenstadt hat Eberwein den Zuschlag fürs Linienbündel Karben/Wöllstadt bekommen.
Zuschlag für Stadtbusnetz Karben bis 2026 Eberwein darf weiter fahren

Das Aus für den Karbener Omnibusbetrieb Eberwein ist abgewendet. Die Firma aus Burg-Gräfenrode hat den Zuschlag erhalten, um auch in den nächsten zehn Jahren den Stadtbusverkehr in Karben zu betreiben. Dort allerdings läuft nicht alles rund.

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Der Grünen-Verkehrspolitiker Salz findet: Jetzt müsse endlich entschieden werden, wer in wenigen Wochen die Busse in Gang setzt. „Die Busse müssen fahren – das ist für mich sonnenklar.“

Hintergrund: 1700 Haltestellen und 100 Linien

In den Landkreisen Wetterau, Vogelsberg und Gießen organisiert die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) von Friedberg aus für die Fahrgäste den Busverkehr.

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Und wenn sie doch nicht fahren werden, weil ab dem 10. Dezember nicht alles geklärt ist? Gerhard Salz: „Dann kann ich den Menschen nur raten, mit dem Taxi zu fahren und die Rechnung anschließend an die VGO zu schicken.“ Das habe er schon einmal erfolgreich in Baden-Württemberg probiert, nachdem er sich lange vergeblich an einer Bushaltestelle die Beine in den Bauch gestanden hatte, erklärt er.

Bahnbus in der Wetterau: Zuletzt waren Fahrzeuge der Deutschen Bahn zwischen Bad Vilbel und Offenbach unterwegs. Nun sollen sie in Altenstadt und Büdingen fahren. Archivfoto: Dieter Deul
VGO vergibt Auftrag Busverkehr: Bahn setzt sich durch

In und um Altenstadt und Büdingen sind aller Voraussicht nach ab Dezember Linienbusse der Deutschen Bahn unterwegs. Bei der Vergabe setzte sich der Konzern gegen die beiden ört- lichen Busunternehmen durch. Für eine der Firmen dürfte es das Aus bedeuten. Ähnliches droht in Karben und Wöllstadt.

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Die Bürgermeister der betroffenen Kommunen Friedberg, Büdingen und Altenstadt äußern sich gestern noch nicht zum drohenden Bus-Chaos. Formal sind sie dafür auch nicht zuständig. Rosbachs Bürgermeister Thomas Alber (parteilos) sagt: „Es ist im kommunalen Interesse, dass die Schüler zur Schule befördert werden. Da müssen sich die Verkehrsbetriebe etwas einfallen lassen.“ Notfalls werde er deswegen intervenieren, kündigt der Verwaltungschef an.

Linienbus des Karbener Stadtverkehrs in Klein-Karben: Betreiber Eberwein aus Burg-Gräfenrode fürchtet um seine Existenz. Die VGO sucht derzeit nach einem neuen Betreiber. Für Altenstadt und Büdingen ist die Vergabe offenbar gerade erfolgt: an eine Bahn-Tochter. Die örtlichen Firmen Stroh und Balser wollen um ihre Heimatmärkte kämpfen.
Linienverkehr in der Wetterau Für Busfirmen geht’s ums Ganze

Wetterauer Busfirmen droht der Verlust ihrer bisherigen Aufträge. In Altenstadt und Büdingen scheinen die Unternehmer Friedel Stroh und Wilfried Balser tatsächlich ihre Heimatmärkte an eine Bahn-Tochter zu verlieren. Ähnliches droht der Firma Eberwein in Karben. Für das Familienunternehmen steht gar die Existenz auf dem Spiel.

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Jürgen Priem vom Fahrgastbeirat Wetterau findet es nicht überraschend, dass bald womöglich Busse ausfallen. „Die VGO kann die Verträge nur so machen, wie es europaweit vorgeschrieben ist“, sagt der in Echzell wohnende Verkehrsexperte. Und man dürfe sich nicht wundern, dass Busfahrer sich krank meldeten, wenn sie wissen, dass sie bald nicht mehr auf ihrer Linie eingesetzt werden. „Die Linienbusfahrer werden leider nicht gut bezahlt für ihren harten Job.“

Schlechte Bezahlung

Der Fahrgast-Vertreter hält es für wichtig, dass die Fahrer mehr Geld bekommen und bei einem Betreiberwechsel die Chance haben, in den neuen Bussen die gewohnten Linien zu fahren. Bei vergleichbaren Fällen in Bad Homburg und Wiesbaden mussten die Fahrgäste den ortsfremden Busfahrern die Strecke erklären, erzählt Jürgen Priem.

Bei den kommenden Schwierigkeiten trägt nach Priems Überzeugung nicht die VGO, sondern die Landes- und Bundesregierung die Verantwortung. Sie müssten dafür sorgen, dass regionale Buslinien nicht nur an den billigsten, sondern auch verlässlichsten Betreiber vergeben werden können.

Was tun, wenn bald Pendler nicht mehr rechtzeitig zur Arbeit, Schüler nicht mit dem Bus zur Schule kommen? „Ich habe da auch kein Patentrezept“, gesteht Jürgen Priem ein. Es werde wohl nicht funktionieren, an Werktagen kurzfristig Reisebusse als Springer einzusetzen. Denn die seien längst verplant. Also müssten die Fahrgäste wohl Fahrgemeinschaften bilden oder ins Taxi steigen.

Und Schüler müssten sich wieder ins Mama-Taxi quetschen. „Bitter“, findet der Sprecher des Fahrgastbeirats. Die VGO könne man für die Taxikosten übrigens nicht haftbar machen. Das sei in den Beförderungsbedingungen so festgeschrieben.

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