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Arbeiten statt Strafe absitzen: JVA Butzbach bereitet Gefangene auf das Erwerbsleben vor

Rund 500 Gefangene fasst die Justizvollzugsanstalt in Butzbach. Bewacht und betreut werden sie von 142 Aufsehern, Psychologen, Ärzten, Geistlichen und Sozialarbeitern. Wie dieses Zusammenwirken funktioniert, darüber machte sich die hessische Staatsministerin Lucia Puttrich (CDU) bei ihrem Besuch ein Bild.
Sehen sich in der Haftanstalt um (von links): Ruth Schröder, Siegfried Britze, Lucia Puttrich und Frank Gröb. Sehen sich in der Haftanstalt um (von links): Ruth Schröder, Siegfried Britze, Lucia Puttrich und Frank Gröb.
Butzbach. 

Anlass für einen Besuch von Ministerin Lucia Puttrich aus Nidda im Butzbacher Gefängnis ist ein Themenschwerpunkt, den sich die schwarz-grüne Landesregierung vorgenommen hat. Darin sollen Schwerpunktprojekte des Landeshaushalts 2017 vorgestellt werden. Mitglieder des Kabinetts werden noch bis Mitte Dezember landesweit Projekte aus den Bereichen Sicherheit, Bildung und Wissenschaft besuchen.

Die Ministerin hatte sich für den Besuch in der JVA Butzbach entschieden, weil das Gefängnis nicht nur in ihrer Heimat liegt, sondern auch mitten in der Stadt Butzbach und für diese einen wichtigen Wirtschaftsfaktor bildet. Denn das Gefängnis bietet nicht nur rund 150 Arbeitsplätze. Mehr als 360 Gefangene haben dort die Möglichkeit, in den Werkstätten und Betrieben des Gefängnisses sinnvolle Arbeit zu verrichten.

Vier Ausbildungen

Außerdem dient diese Beschäftigung der Sicherung des Lebensunterhalts für den Zeitpunkt nach der Entlassung, aber auch als Maßnahme der beruflichen und schulischen Aus- und Weiterbildung. Zwischen 200 und 350 Euro kann ein Gefangener im Monat verdienen, wobei ihm nur ein kleiner Anteil für den persönlichen Bedarf überlassen bleibt. Der größere Anteil wird für das Übergangsgeld nach Verbüßung der Haftstrafe angespart, damit der Gefangene nicht automatisch zum „Notfall“ wird.

In Butzbach können Strafgefangene auch eine Ausbildung als Schweißer, Metallbauer, Metzger oder Tischler absolvieren oder an einem Gabelstaplerkurs teilnehmen. Daneben gibt es verschiedene schulische Angebote, zum Beispiel Sprach- oder Computerlehrgänge und Integrationskurse. „Weil viele der Gefangenen aber aus einem problematischen sozialen Umfeld kommen, müssen wir sie meistens erst einmal an regelmäßige Arbeit gewöhnen“, schildert Anstaltsleiter Siegfried Britze.

Um die verschiedenen Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten einmal vor Ort kennenzulernen, führt der Weg der Ministerin bei diesem Besuch auch in die Schreinerei der Anstalt. Sie ist mit einer Gesamtfläche von 2800 Quadratmetern Hessens größter Eigenbetrieb innerhalb einer Justizvollzugsanstalt. In ihr arbeiten momentan bis zu 30 Gefangene täglich, darunter auch acht Handwerksmeister. Außerdem gibt es weitere acht Ausbildungsplätze für Tischler.

Die Schreinerei produziert in erster Linie für die Justizbehörden des Landes Hessen, aber auch für andere Behörden und private Auftraggeber. Deshalb ist hier auch das gesamte Mobiliar für die Vertretung des Landes Hessen in Brüssel entstanden. Der Schreinereibetrieb verfügt über alle für die Möbelproduktion erforderlichen Holzbearbeitungsmaschinen wie etwa eine Plattensäge, zwei digital gesteuerte Bearbeitungszentren sowie Kantenanleimmaschinen, Hobelmaschinen und Sägen. Dass der Betrieb auf dem neuesten Stand der Technik ist und den Anforderungen des freien Marktes jederzeit Paroli bieten kann, zeigt der Umstand, dass er allein jährlich rund 1,5 Millionen Euro Umsatz macht. Deshalb hat das Justizministerium auch der Anschaffung einer neuen Kantenleimmaschine im Wert von 570 000 Euro für das nächste Jahr zugestimmt.

Die JVA Butzbach zählt zu den Gefängnissen der höchsten Sicherheitsstufe. In ihr sind erwachsene männliche Straftäter untergebracht, die zu einer Haftstrafe von mehr als 24 Monaten verurteilt wurden. Deshalb erkundigt sich Puttrich auch nach den Sicherheitsvorkehrungen. „Da das Gefängnis mit den neuesten elektronischen Systemen gesichert ist, ist eine Flucht so gut wie aussichtslos. Deshalb liegt der letzte Versuch auch schon lange zurück, nämlich Anfang der 90er-Jahre“, berichtet Anstaltsleiter Siegfried Britze.

Auch der Sicherheitsbeauftragte Frank Gröb schüttelt den Kopf bei diesem Thema: „Selbst die Auslieferung oder die Montage der Möbel ist so organisiert, dass da keiner entkommen kann“.

Drogen und Radikalisierung

Auch innerhalb der Anstalt gebe es keine größeren Probleme mit den Häftlingen, denn 80 Prozent von ihnen seien grundsätzlich unauffällig. Lediglich bei zehn Prozent, die meisten stammen dabei aus den Krisenregionen wie Afghanistan, Iran oder Zentralafrika, müssten gelegentlich spezielle Maßnahmen getroffen wie Fernsehverbot, Einzelhaft oder Kontakteinschränkungen zu anderen Häftlingen getroffen werden. Die übrigen zehn Prozent seien Mitläufer, die sich nur von Zeit zu Zeit auffällig verhielten.

Spezielles Augenmerk werde auf Radikalisierungsversuche durch muslimische Glaubensangehörige gerichtet. Deshalb dürfen auch nur sorgfältig ausgewählte muslimische Geistliche die Anstalt betreten. Ebenso streng würden Verstöße gegen das Drogenverbot gehandelt. „Und trotzdem erwischen wir immer wieder Gefangene mit Drogen“, ärgerte sich der Gröb.

Erzieherischer Zweck

Eröffnet wurde die JVA Butzbach im Juli 1894. Die Gefängnis-Ordnung für die Justizverwaltung in Preußen legte damals fest: „In jedem Gefängnis sind nützliche Arbeiten einzuführen.“ Die

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