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Oma Lotte: Lieselotte Kraft betreibt den letzten Tante-Emma-Laden in Karben

Die kleinen Einkaufsläden in der Stadt Karben haben nach und nach zugemacht, große Supermärkte sind gebaut worden. Nur ein Laden hat überlebt, der IFA-Markt von Lieselotte Kraft. Und ans Aufhören denkt die 77-Jährige noch lange nicht.
Die 77 Jahre alte Lieselotte Kraft stattet gefühlt den halben Wetteraukreis mit Schulbedarf aus. Die 77 Jahre alte Lieselotte Kraft stattet gefühlt den halben Wetteraukreis mit Schulbedarf aus.
Karben. 

Der Name klingt despektierlich und altmodisch: Tante-Emma-Laden. Das meint wenig Verkaufsfläche mit geringer Auswahl bei hohen Preisen. Längst sind die weitaus meisten kleinen Läden von der Bildfläche verschwunden. Als die Klein-Kärberin Lieselotte Kraft 1960 nach Karben kam, war die Einkaufswelt eine ganz andere. „Da gab es noch 15 kleine Läden“, erzählt sie.

Mit dem Aufkommen der Supermärkte auf der grünen Wiese und dem Autofahren sind die zu Fuß erreichbaren kleinen Geschäfte nach und nach verschwunden. Bis auf einen: den von Lieselotte Kraft. Und der kann sich offenbar prima behaupten. Aber woran liegt das?

„Ich habe mich auf Schulbedarf spezialisiert“, sagt Kraft, die mit ihren 77 Jahren noch immer jeden Tag in dem kleinen Laden an der Homburger Straße steht. Anfangs, als ihr Mann Ewald Ladeninhaber war, gab es in der Kirchgasse einen Schreibwarenladen.

Öffnungszeiten

Von großen Supermarktketten sind die Kunden ja inzwischen lange Öffnungszeiten gewöhnt. Dass aber ein kleiner Laden wie der von Lotte Kraft lange offen hat, dürften viele nicht wissen.

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Als sie nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1996 den Markt übernommen hatte, schloss auch der einzige Schreibwarenladen im Ort. Darin sah die gelernte Einzelhandelskauffrau eine Chance.

Auf dem Weg zur Schule

Für den Verkauf von Heften, Bleistiften, Schulmäppchen und vielem mehr liegt ihr Laden auch extrem günstig. Die Klein-Karbener Kinder müssen auf dem Weg ins Schulzentrum direkt am IFA-Markt vorbei. Dennoch sind sie nicht die einzigen Kunden.

Aus ganz Karben und sogar aus Nachbargemeinden kämen Eltern und Kinder, um den Bedarf an Schulmaterialien zu decken. „Es hat sich bei den Leuten rumgesprochen, dass sie in den großen Läden gleich fünf Hefte kaufen müssen.“

Persönliche Beratung

Großpackungen gibt es hier nicht, jedes Heft, jeder Block kann einzeln gekauft werden. Wenn Anfang August die Schule wieder losgeht, hat der kleine IFA-Markt Hochkonjunktur. „Die Eltern kommen mit Zetteln zum ersten Schuljahr, und ich kann alle Wünsche erfüllen“, sagt sie voller Stolz.

In der Tat: Neben dem üblichen Sortiment an Kulis, Bleistiften, Heften, Blöcken, Radiergummis, Heftern, Ringbüchern, Lochern und Spitzern, hat sie auch etwas ganz Spezielles zu bieten: sogenannte Oscar-Boxen. Das sind Boxen mit Schulbedarf, die in genormten Fächer an den Schulen hineinpassen.

Aber nicht nur Schüler und ihre Eltern kaufen hier ein. „Auch viele Ältere kommen und schätzen die persönliche Beratung.“ Viele Kunden kennt sie, sie stammen aus der Gegend.

Aber viele kämen auch mit dem Auto. Backwaren, Obst, Sahne, Butter, Wurst, eben alles für den täglichen Bedarf findet sich in diesem Laden. Das Angebot sei „vielschichtig“, wie die Inhaberin sagt.

Der ist zudem mehr als nur Einkaufsladen. Im angeschlossenen Getränkekiosk trifft man sich auf ein Schwätzchen und ein Bierchen und kann sich auch noch Getränke mitnehmen. Geöffnet ist der Kiosk bis um 23 Uhr.

Eine Angestellte

Damit hält Lieselotte Kraft, die alle nur Lotte rufen, lässig mit der Supermarktkonkurrenz mit. So ein Laden, ist er auch noch so klein, macht natürlich mächtig Arbeit. Damit alles reibungslos läuft, schließt Lotte Kraft schon morgens um 5 Uhr das Geschäft auf und erst nach 23 Uhr wieder zu. Freizeit kennt die 77-Jährige nicht. Und Urlaub? „Ich habe keine Zeit für Urlaub.“

Aber ganz allein muss sie das Geschäft auch nicht betreiben. Seit vielen Jahren schon hat sie eine Angestellte: An der Kasse sitzt Udyta Adam. Sie und Lieselotte Krafts Familie wissen, was die 77-Jährige leistet.

Aufs Altenteil zurückziehen möchte sie sich noch nicht. Es seien sogar schon Anfragen gekommen, den Laden zu pachten. Aber das möchte sie nicht. „Ich will das weitermachen, solange es Spaß macht.“ Das wünschen sich auch sicher viele der Kunden von ihrer Lieselotte Kraft.

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