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Tritte vor der Bar

Weil er einen Mann angriff, der ihn bat, sein Auto wegen Bauarbeiten umzuparken, müssen sich ein Butzbacher Ex-Wirt und sein Bruder vor Gericht verantworten. Das Urteil fällt milde aus.
Butzbach/Friedberg. 

Eine letzte Warnung soll die Geldstrafe in Höhe von 780 Euro für den ehemaligen Butzbacher Gastwirt sein. Sie soll ihn zukünftig davon abhalten, die Fäuste vor dem Einschalten seines Gehirns zu gebrauchen. Eindringlich wendet sich der Richter Markus Bange vom Friedberger Amtsgericht an die zwei Brüder aus Butzbach, von denen Letzterer bis vor kurzem eine Bar am Bahnhofsvorplatz in Butzbach betrieb.

Dort ereignete sich Mitte Juli 2015 Jahres der Vorfall, weswegen beide sich wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung vor dem Friedberger Amtsgericht verantworten müssen. Laut Anklage sollen sie den Geschädigten am 11. Juli 2015, einem Samstag, morgens gegen 9 Uhr zusammen vor der Bar angegriffen, ihm einen Kopfstoß und einen Tritt in den Rücken verpasst haben, so dass er stürzte und sich blaue Flecken zuzog. „Das stimmt so nicht“, ließ der Jüngere der Brüder durch seinen Anwalt erklären. Er habe bis fünf Uhr in der Bar gearbeitet und sich dort zum Schlafen auf das Sofa im Eingangsbereich hingelegt.

Im Schlaf gestört

Um bessere Luft zu bekommen, sei die Eingangstür geöffnet gewesen. Gegen 8 Uhr sei dann das spätere Opfer zum ersten Mal im Eingang der Bar erschienen und habe ihn aufgefordert, das Auto seines Bruders, das über Nacht auf dem Grundstück seiner Schwiegermutter auf der gegenüberliegende Straßenseite abgestellt worden sei, zu entfernen, weil er auf dem Grundstück Maurerarbeiten vornehme und das Auto dabei stören würde. Der Angeklagte habe die Aufforderung missmutig, weil im Schlaf gestört, entgegengenommen und sei zu seinem Bruder in die unter der Bar liegende Wohnung gegangen, um diese Bitte des Bauarbeiters mitzuteilen.

Als nach einer halben Stunde das Auto immer noch auf dem Nachbargrundstück stand und die Bauarbeiten massiv behinderte, versuchte der Nachbar noch einmal sein Glück und ging zur Kneipe über die Straße. „Ich wollte den beiden doch nur die Abschleppkosten ersparen. Beim zweiten Anlauf sei es dann zwischen ihm und dem jüngeren Bruder zu einem lauten Wortwechsel gekommen. „Aber nichts Bedrohliches“, fügte er sogleich hinzu.

Das änderte sich, als er plötzlichen einen Tritt in den Rücken erhielt und daraufhin zu Boden ging. Der ältere Bruder hatte den Wortwechsel in seiner Wohnung gehört und war dem vermeintlich in einen Streit verwickelten jüngeren Bruder mit dem Tritt in den Rücken des Opfers zur Hilfe gekommen, weil er seinen Bruder in Gefahr wähnte.

Augenzeuge dieses Vorfalls wurde eine Polizeistreife, die gerade zufällig an der Gaststätte vorbeifuhr. „Ich habe nur den Tritt mit ausgestreckten Bein gesehen, nicht aber, wer getreten hat“, berichtete der Streifenpolizist dem Gericht.

Kein unbeschriebenes Blatt

Nachdem der Sachverhalt aufgeklärt war und die Brüder sich bei dem Opfer entschuldigt hatten, hatte dieser zwar auf eine Anzeige wegen Körperverletzung verzichtet. Doch sei die anschließend von Amtswegen durch die Polizei erfolgt. Der zweite Angeklagte stritt in der Verhandlung jegliche körperliche Attacke ab. Weil der Geschädigte das bestätigte, zog die Staatsanwaltschaft ihren Antrag auf gemeinschaftlich ausgeübte gefährliche Körperverletzung zurück. Da die Merkmale der Heimtücke und der Begehung mittels eines gefährlichen Werkzeuges entfielen, da das Opfer weder in einen Hinterhalt gelockt wurde, noch die Turnschuhe des Angeklagten als gefährlich eingestuft werden konnte, blieb es bei einfacher Körperverletzung.

Dem Vorschlag der Verteidigung, diese Handlung auch noch unbestraft zu lassen, weil der Angeklagte irrtümlich eine Notfallsituation für seinen Bruder angenommen habe, wollte das Gericht nicht folgen. „Er ist bereits mehrfach vorbestraft, weil er immer seine Fäuste schon einsetzt, bevor er seinen Verstand überhaupt einschaltet“, begründete Bange sein Urteil.

Zu den 60 Tagessätzen zu je 13 Euro wurde noch eine Vorstrafe vom vergangenen Jahr von weiteren 30 Tagessätzen hinzu addiert. Damals hatte er einen Schaffner bei der Fahrkartenkontrolle bedroht.

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