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Kreisverkehr in Klein-Karben: Viele Fußgänger, keine Zebrastreifen?

Von Wird es am Kreisverkehr in Klein-Karben nach der Sanierung doch keine Zebrastreifen geben? Ein Hinweis darauf seitens der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil schreckt die Bürger auf – sie sind empört. Die Karbener wollen nun für die weißen Linien kämpfen.
Kurt-Schumacher-Schüler überqueren auf dem Heimweg die Fahrbahnen am Kreisverkehr Homburger Straße/Karbener Weg/Selzerbachweg. Dort hätte die Stadt gerne Zebrastreifen. Kurt-Schumacher-Schüler überqueren auf dem Heimweg die Fahrbahnen am Kreisverkehr Homburger Straße/Karbener Weg/Selzerbachweg. Dort hätte die Stadt gerne Zebrastreifen.
Karben. 

Kurz nach halb zwei ist richtig viel los im Karbener Weg. Nach der sechsten Stunden laufen viele der 1200 Mädchen und Jungen der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) auf dem Weg nach Hause hier entlang. Am Kreisverkehr von Homburger Straße, Selzerbach- und Karbener Weg müssen die Pennäler die Fahrbahnen überqueren. Deshalb möchte die Stadt hier Zebrastreifen markieren, wenn ohnehin die Ortsdurchfahrt Klein-Karben ab Juli saniert wird – 14 Monate lang und für satte zwei Millionen Euro.

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Kommentar

Das sind diese Momente, die einen nach Fassung ringen lassen. Nur 30 Schüler in der Spitzenstunde am Kreisverkehr im Karbener Weg? Wer das glaubt, der ist wirklich mit dem Klammerbeutel gepudert.

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Doch womöglich wird das teure Projekt mit einem Schönheitsfehler beendet. Denn es deutet sich an, dass die Landesstraßenbehörde „Hessen Mobil“ das Anbringen der Überwege womöglich untersagt.

Begründung: Es laufen nicht genug Leute am Kreisverkehr über die Straße. Das habe eine Zählung der Straßenverkehrsbehörde ergeben, erklärt der von der Stadt beauftragte Planer Matthias Wolf vom Büro IMB-Plan aus Bergen-Enkheim. Mindestens 50 querende Menschen pro Stunde seien nötig, um einen Zebrastreifen zu rechtfertigen. „Es wurden in der Spitzenstunde morgens vor Schulbeginn aber nur 30 gezählt“, erläutert Wolf. Gezählt worden sei vor den Osterferien.

Als der Planer in der vergangenen Woche diese Zahl während der Anwohnerversammlung zur Großbaustelle (diese Zeitung berichtete) nannte, wurde es unruhig und laut unter den rund 250 Besuchern im Saalbau Schuldt. „Das kann nie und nimmer sein“, rief ein erboster Vater von hinten herein.

Fragwürdige Zahlen

In der Tat, räumt Bürgermeister Guido Rahn (CDU), auch er verstehe die Zahl nicht. Planer Wolf aber weiß, wie diese entstanden ist: „Es wurden die Mengen querender Menschen der Landesstraße gezählt“, also an den beiden Abzweigen der Homburger Straße.

Viel Betrieb herrscht zu Schulschluss im Karbener Weg. Doch im nahen Kreisverkehr soll nicht genug los sein, um Zebrastreifen zu markieren. Bild-Zoom
Viel Betrieb herrscht zu Schulschluss im Karbener Weg. Doch im nahen Kreisverkehr soll nicht genug los sein, um Zebrastreifen zu markieren.

Doch laufen sehr viele Schüler auf dem Abzweig zum Selzerbachweg über die Straße und einige auch am Karbener Weg. Das Queren der Homburger Straße dagegen ist je einige hundert Meter weiter westlich und südlich noch sicherer über Fußgängerampeln möglich.

Deshalb bleibe die Stadt bei ihrer Grundkritik, betont Rahn: „Wir benötigen an dieser Kreuzung mehr Sicherheit für die Fußgänger.“ Dafür will die Stadt auch einige zehntausend Euro extra in den Umbau des Kreisverkehrs investieren. Die heutigen Fußgängerfurten liegen zu nah an der Kreisfahrbahn. Daher dürften Zebrastreifen hier nicht einfach so markiert werden.

Stattdessen müssen die Fahrbahnteiler auf allen vier Abzweigen des Kreisverkehrs umgebaut werden. „Wir tauschen die Pflanzinseln und den Bereich des Überwegs aus“, erklärt Planer Wolf. Dann seien die Überwege weit genug entfernt, damit Zebrastreifen hinzukommen können.

Das letzte Wort habe „Hessen Mobil“ noch nicht gesprochen, betont Planer Wolf. „Es ist noch nicht gesagt worden, dass es keine Zebrastreifen gibt.“ Vielmehr sei die Sache „noch in Prüfung“ und die Stadt – mit ihm als Planer – verhandele weiter mit der Behörde.

Der gesamte Ausbau der 2,4 Kilometer langen Ortsdurchfahrt ist ohnehin ein Gemeinschaftsprojekt: Das Land saniert die Fahrbahnen, die Stadt Gehwege, Überwege und Bushaltestellen. Sieben von acht Bauabschnitten führt das Land aus und erledigt die Arbeiten der Stadt mit. Bauabschnitt acht wiederum übernimmt die Stadt und führt auch die Arbeiten des Landes aus.

Die gemeinsame Planung will der Bürgermeister nutzen, um das Land doch noch zur Zustimmung zu bewegen: „Wir werden für die Zebrastreifen kämpfen, zur Not lassen wir noch dreimal zählen“, kündigt der Rathauschef an. „Wir bauen den Kreisverkehr ja nicht aus Jux und Tollerei teuer um.“

Mögliche Erklärung

Das Ergebnis der ersten Zählung „kann ich nicht nachvollziehen“ betont Guido Rahn. Eine mögliche Erklärung kann ein Vater eines KSS-Schülers liefern: Denn wenn vor den Osterferien gezählt worden sei, sei das Ergebnis nicht repräsentativ. „Da waren wir mitten in der Grippewelle“, erinnert der Vater. „In der Klasse meines Sohnes fehlten da zwei Drittel der Kinder.“

Auch die Mädchen, die an einem zufällig ausgewählten Mittag über Straße laufen, machen große Augen, als sie erfahren, warum es keine Zebrastreifen geben soll. „Was? Zu wenige Schüler?“, wundert sich eine. „Wir gehen jeden Tag hier lang und ganz viele andere auch.“

In der Tat: Spontan gezählt ab 13.30 Uhr dauert es gerade einmal 14 Minuten, bis 50 Menschen allein den Abzweig am Selzerbachweg überquert haben. An der gesamten Kreuzung sind es da schon über 70.

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