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Prozess: Wiederholungstäter muss hinter Gitter

Gerade wegen Diebstahls verurteilt – da greift er in Butzbach schon wieder zu: Weil Bewährungsstrafen bei einem 38-jährigen Italiener aus Friedberg nicht zu helfen scheinen, setzt das Gericht nun auf eine Haftstrafe.
Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv Foto: dpa Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv
Friedberg/Butzbach. 

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Genau das ist im Falle eines 38-jährigen Italieners aus Friedberg nun eingetreten. Da er nur zwei Wochen nach seiner letzten Verurteilung wegen Diebstahls in Butzbach ein Jackett mitgehen ließ, wurde er vom Friedberger Amtsgericht nun zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt.

„Nach 15 Prozessen und ohne Aussicht auf Einsicht bei Ihnen, kann ich die nun fällige Strafe nicht noch einmal zur Bewährung aussetzen“, begründete Amtsrichterin Gerlinde Kimpel ihren Urteilsspruch. Angeklagt war der Koch, der aktuell von der staatlichen Unterstützung Hartz IV lebt, weil er im Dezember vergangenen Jahres während einer weiteren Gerichtsverhandlung gegen ihn seinem eigenen Anwalt das Handy aus der Jackentasche geklaut hatte.

Standort ermittelt: Italien

Der hatte das Jackett für die Gerichtsverhandlung mit seiner Robe getauscht und die Jacke auf einen Stuhl etwas abseits gelegt. „Während der Gerichtsverhandlung waren außer dem Richter und zwei Anwaltskollegen nur noch eine Referendarin im Saal. Und als ich in der Verhandlungspause mit der Gegenseite über den Vergleich diskutierte, saß mein Mandant die ganze Zeit direkt neben meiner Jacke“, berichtete der bestohlene Anwalt.

Den Diebstahl habe er noch im Gericht festgestellt, doch da sei sein Mandant schon weg gewesen. Er habe ihn daraufhin angerufen und nach dem Handy befragt, doch ohne Ergebnis. Eine Woche später habe der Anwalt von einem Bekannten den Standort des Handys mit Hilfe von Google orten lassen. Das Ergebnis: Italien, wo sich der Angeklagte zu der Zeit aufhielt.

Kaum zurück in Deutschland, habe er Ende Januar erneut zugeschlagen. Mit einem Bekannten, der vier Tage zuvor erst aus dem Gefängnis entlassen worden war, entwendeten sie in Butzbach auf der Weiseler Straße ein Jackett von dem Außenständer eines Modegeschäftes. Dabei wurden sie von Kunden nicht nur beobachtet, sondern auch fotografiert und anschließend festgehalten, bis die Polizei kam. Vor Gericht leugnete der Angeklagte zunächst jede Mitwirkung. Von dem Handy seines Ex-Anwaltes wisse er nichts und auch mit dem Jackett habe er nichts zu tun.

Keine Zweifel an Schuld

Erst nachdem die Zeugenaussagen sein Leugnen wenig glaubhaft erschienen ließen und sein Verteidiger während einer Sitzungsunterbrechung auf ihn einredete, räumte er ein, dass es schon so sein könnte, wie die Zeugen berichtet hätten. Allerdings könne er sich aufgrund seiner Drogenabhängigkeit und den Medikamenten, die er dagegen nehme, an nichts mehr erinnern. Er nehme an einem Substitutionsprogramm teil und konsumiere dazu noch Tranquilizer, um den Entzug zu dämpfen. Wie die Bewährungshelferin – sie plädierte resignierend für „ eine stationäre Entziehungskur unter ständiger Aufsicht“ – sprach sich auch der Staatsanwalt gegen eine weitere Bewährungsstrafe aus. Wegen der vielen und vor allem einschlägigen Vorstrafen des Angeklagten forderte er eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.

Da es angesichts der Beweise keine Zweifel an der Mitwirkung des Angeklagten gab, bat die Verteidigung, zumindest den Gesundheitszustand des Angeklagten bei der Urteilsfindung zu berücksichtigen. Das tat das Gericht, indem es sich für acht Monate Haft ohne Bewährung entschied.

Da dazu noch die sechs Monate aus dem letzten Verfahren hinzuaddiert werden müssen, wird der Angeklagte für über ein Jahr ins Gefängnis müssen. Zeit genug für eine stationäre Therapie – doch dazu muss der Angeklagte einwilligen.

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