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Anne-Frank-Verfilmung: Bewegend: "Meine Tochter Anne Frank" wird ausgestrahlt

Von Es ist der Fernsehfilm des Jahres - und für Fankfurter ein Muss. Die Verfilmung des Lebens von Anne Frank, basierend auf ihrem Tagebuch, kommt heute Abend ins Fernsehen.
Anne Frank (Mala Emde) sitzt am Schreibtisch und verfasst ihr Tagebuch, in dem sie Alltägliches aus dem Leben ihrer jüdischen Familie festhält. Das TV-Doku-Drama »Meine Tochter Anne Frank« erzählt die Geschichte des Mädchens von Anfang an - bis zum tragischen Ende.	Fotos: ARD Bilder > Anne Frank (Mala Emde) sitzt am Schreibtisch und verfasst ihr Tagebuch, in dem sie Alltägliches aus dem Leben ihrer jüdischen Familie festhält. Das TV-Doku-Drama »Meine Tochter Anne Frank« erzählt die Geschichte des Mädchens von Anfang an - bis zum tragischen Ende. Fotos: ARD
Frankfurt. 

Was ist, wenn am Ende nur noch die Erinnerung an einen Menschen bleibt? Als einziger Überlebender seiner vierköpfigen Familie kehrt Otto Frank nach Kriegsende in das Hinterhaus an die Prinsengracht 263 zurück. Hier in Amsterdam hatte er in einer weniger als 50 Quadratmeter großen Wohnung mit seiner Frau Edith und den gemeinsamen Töchtern Margot und Anne 25 Monate verbracht. Ein Versteck, das Otto Franks Sekretärin Miep Gies nicht nur den Franks, sondern auch Herman und Auguste van Pels und ihrem Sohn Peter sowie dem Zahnarzt Dr. Fritz Pfeffer bereitgestellt hatte. In der abgedunkelten Behausung lebten diese Emigranten, bis ihr Versteck verraten wurde und sie am 4. August 1944 in Haft der deutschen Gestapo kamen. Bis auf Otto Frank starben alle in verschiedenen Vernichtungslagern.

 

Auf dem Fußboden verstreut

 

Als einziges Schriftstück, das an die Zeit an der Prinsengracht erinnert, gilt Annes Tagebuch. Miep Gies hatte dessen verstreut auf dem Boden liegende Seiten nach der Deportation der acht Menschen schnell vom Fußboden aufgehoben und übergibt sie, wie in der Fernsehdoku „Meine Tochter Anne Frank“ zu sehen, dem trauernden Otto Frank. Er liest, was seine jüngste Tochter geschrieben hat. Doch nicht nur für sich allein, sondern auch vor Freunden und Freundinnen. Diese und der Zuschauer vor dem Fernsehgerät lernen so ein neugieriges, lebensfrohes Mädchen kennen, das mitten in der Pubertät auffallend selbstbewusst, aufgeweckt, frech und zu all dem geistig um vieles weiter entwickelt scheint als Gleichaltrige. Ein wenig altklug wirkt Anne mitunter. Und sie notiert sämtliche Geschehnisse, die sich in den beengten Räumen ihres Verstecks ereignen, selbst alltägliche, weil sie mit dem hier gesammelten Material nach Kriegsende einen Roman verfassen will.

 

Gebürtige Frankfurterin

 

Es erstaunt, dass erst 70 Jahre nach dem Tod von Anne Frank im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen die erste deutsche Verfilmung im Fernsehen gezeigt wird. Geschrieben hat das anspruchsvolle Drehbuch zu „Meine Tochter Anne Frank“ der Regisseur Raymond Ley gemeinsam mit seiner Frau Hannah Ley. Um mehr über Franks vielschichtigen Charakter zu erfahren, haben die zwei Filmschaffenden in Israel, England, Brasilien, Deutschland, Amerika, Holland und der Schweiz einige Zeitzeugen aufgesucht, die Anne Frank näher gekannt haben.

 

Eingeflochtene Spielszenen

 

Wach sind deren Erinnerungen. Ihre klaren Aussagen über die gebürtige Frankfurterin sind sparsam, aber äußerst einprägsam in die Spielszenen des Doku-Dramas eingeflochten. Schulfreundinnen wie Hanneli Pick-Goslar und Nanette Blitz Konig, wie auch die Schulfreunde Sol „Sally“ Kimmel, Avraham „Abby“ Rinat und Edmond „Hello“ Silverberg kommen darin zu Wort, ebenso wie Annes Cousin, der Schauspieler Buddy Elias.

Bilderstrecke Szenen aus dem Film "Meine Tochter Anne Frank"
Filmstills aus der hr-Produktion "Meine Tochter Anne Frank", die in einer Preview am 9. Februar den FNP-Lesern  präsentiert wurde. 
Anne Frank (Mala Emde) und Otto Frank (Götz Schubert)Der Film wird am Mittwoch, den 18. Februar um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt.
Von links: Hermann van Pels (André Hennicke), Margot Frank (Rosalie Ernst), Peter van Pels (Lion Wascyzk), Anne Frank (Mala Emde), Fritz Pfeffer (Harald Schrott), Otto Frank (Götz Schubert), Auguste van Pels (Hannah Schröder) und Edith Frank (Bettina Scheuritzel).Edith Frank (Bettina Scheuritzel), Hermann van Pels (André Hennicke), Fritz Pfeffer (Harald Schrott) und Auguste van Pels (Hannah Schröder).

Aber es sind eben nicht nur deren Erzählungen, die den herausragenden Film auf erhellende Art bereichern, sondern die Bilder dieser betagten Menschen. In wechselseitigen Kontrast gesetzt zur Filmhandlung, wirkt die Gewissheit des Todes des jüdischen Mädchens umso grausiger. Ja, Anne Frank könnte ähnlich stolze Falten haben wie ihre einstigen Weggefährten, welche die Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg überlebt haben.

Dass gerade die auffallend sorgsam nachgezeichnete historische Figur Anne Frank so lebendig wirkt, liegt eindeutig an dem natürlichen wie ausdrucksstarken Schauspiel von Mala Emde. Gibt doch die Schauspielerin, die zu Beginn der Dreharbeiten erst siebzehn Jahre alt war, ihrer Anne ein überaus glaubhaftes Auftreten. So gelingt es der Abiturientin, die mädchenhaften Seiten ihrer Figur ebenso begreifbar zu machen wie die der jungen Frau, die ihre eigene Sexualität entdeckt und beginnt, sie in freien Zügen auszuleben.

 

Stimmig verkörpert

 

Ja, ein Stück weit fügt Mala Emde dem Doku-Drama sogar Leichtigkeit hinzu. Etwas, das ganz im Sinne des Regisseurs Raymond Ley ist, der mit seinem Film dem Zuschauer nicht „komplett durchdrohen“ wollte. Nachhaltig berührend ist das Doku-Drama dennoch geworden. Denn schließlich hatte der Regisseur mit seiner Co-Autorin Hannah Ley zu allen Versionen des Tagebuchs wie auch zu sämtlichen Archiven Zugang.

Aber nicht nur inhaltlich weckt „Meine Tochter Anne Frank“ großes Interesse auf das Stück Weltliteratur, sondern auch visuell. So sieht man immer wieder Anne schreibend an ihrem Tisch sitzen, während auf den Zimmerwänden im Hintergrund historische Schwarzweiß-Filme laufen. Diese Momente sind unaufdringlich, aber eindringlich. Und ganz ähnlich verhält es sich mit dem Schauspiel des Ensembles. Zweifellos steht neben Mala Emde vor allem deren Filmvater, der wunderbar feinfühlig agierende Götz Schubert, im Vordergrund. Inmitten aller Unsicherheiten wirkt er als der in sich ruhende Otto Frank stets besonnen. Er ist wie eine Quelle der Zuversicht für all die stimmig verkörperten Figuren um ihn herum. Schubert schenkt damit der Handlung, die der Kameramann Philipp Kirsamer in atmosphärisch dichte Bilder gefasst hat, große Spannungsmomente.

Gerne schließt man sich dem „größten Wunsch“ der HR-Redakteurin Esther Schapira (Leitung FS-Politik und Gesellschaft) an: „Wir hoffen, dass der Film über den Sendetag hinaus weiterwirkt und vor allem an den Schulen junge Leute anspricht.“

 

„Meine Tochter Anne Frank“. 18. Februar, ARD, 20.15 Uhr

Mehr zum Film finden Sie in unserem Dossier

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