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Stalburg-Theater: Komödie „Pärchen-Abend“: Frischverliebte leuchten rosa

Von Die Charaktere des „Pärchen-Abends“ von Alexandra Maxeiner sind wie aus dem (Nordend-)Leben gegriffen.
Stefani Kunkel und Julian W.König spielen in der Komödie „Pärchenabend“ wandlungsfähig drei Paare. Stefani Kunkel und Julian W.König spielen in der Komödie „Pärchenabend“ wandlungsfähig drei Paare.
Frankfurt. 

Eine Komödie im besten französischen Stil soll dies sein. Das hat viel für sich. Um sie einzuordnen, fällt das Etikett „Boulevard“ ein, aber da gibt es solche und solche. „Pärchenabend“ erinnert an Komödien Yasmina Rezas wie „Bella Figura“: Edelboulevard hoher Güte. Wie Reza erzählt Maxeiner von Pärchen als kleinster Produktivzelle der Gesellschaft: drei Paare in drei Stadien der Beziehung, und der Ehebruch lauert um die Ecke. Fast wie bei Reza gibt ein Chanson den Takt vor: Edith Piafs „La vie en rose“.

Der tiefenlose Raum klatscht wie immer alles in eine Reihe: Ablage und Auftritt links, Sofa in der Mitte, Tisch und Stuhl rechts. Dafür ist jedem Paar im weißen Setting seine eigene Farbe für Raum und Kostüme gegönnt: Rosa für Frischverliebte, Grün für den ausgeglichenen Öko und seine Drama-Queen in der Paar-Konsolidierung, Blau für den Juristen Georg und seine Anne als eher verbrauchtes Paar.

Georgs Prinzipienreiterei, so erfährt man, konnte ihn nicht hindern, sich die Neue in Rosa als Geliebte zu halten und ewig zu vertrösten, so wie er seine Frau aus dem Studium riss. Mit seiner Heuchelei und Schroffheit ist Georg aus dem Leben gegriffen. Fünf der Sechs waren früher Teil einer Clique, da häufen sich Reibungen. Georg etwa grollt dem Öko Steffen noch immer, weil er (die abwesende) Mona bei einer Demo in alten Zeiten um die Karriere gebracht habe. Dabei nimmt selbst Anne ihrem Georg die „Opfer-Mona, Rehaugen-Mona“ nicht ab, und wie Steffen Birgit aufklärt, ist Mona nicht seinetwegen vorbestraft. Sondern weil sie auf der Antikapitalismus-Demo mal eben das Gucci-Fenster einschlug und plünderte.

Das hat Dialogwitz und zeigt Einfühlung in alte Sitten, was dem Publikum gefiel. Klugerweise endet das Stück mit dem Klingeln an der Haustür, bevor der „Pärchenabend“ losbrechen kann: Alle Konflikte sind geschürt, die Pfeile gespitzt, die Katastrophe kann kommen.

Peter Szondi hielt das Telefon für desaströs im Theater. Hier beflügeln die ständigen SMS, die verwechselten Smartphones, verräterischen Klingellaute und so fort im Gegenteil die Fantasie, flexibel wie der Brief bei Schiller. Zuletzt hängt alles an den Schauspielern, die das perfekt hinkriegen. Der Kontrast der Paare ist eben nur darstellerisch zu bewältigen. Der eine ist Pedant, der andere braucht den Tritt in den Hintern, jeder führt und bricht Ehe, wie es passt; die eine meditiert, die andere treibt Studiosport. Und manchmal reicht ein Tänzchen, um von schroffen Vorwürfen zur Versöhnung zurückzufinden.

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