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Kultserie: "Star Trek: Discovery": Die Sitten im Kosmos werden rauer

In zunächst 15 Folgen wird das „Star-Trek“-Universum 50 Jahre nach seiner Erfindung neu aufgelegt. Die Handlung beginnt zehn Jahre vor den Abenteuern von Captain Kirk und Spock.
Michelle Yeoh als Captain Philippa Georgiou und Sonequa Martin-Green als First Officer Michael Burnham (rechts), die ersten weiblichen, nichtweißen Hauptcharaktere bei „Star Trek“, führen das Kommando auf dem Raumschiff „USS Discovery“. Foto: Jan Thijs (CBS ALL ACCESS) Michelle Yeoh als Captain Philippa Georgiou und Sonequa Martin-Green als First Officer Michael Burnham (rechts), die ersten weiblichen, nichtweißen Hauptcharaktere bei „Star Trek“, führen das Kommando auf dem Raumschiff „USS Discovery“.

Als Käpt’n Kirk noch die „Enterprise“ durch die unendlichen Weiten des Weltraums kommandierte, war das Universum ein abenteuerlicher Ort, an dem auf die Helden stets ein glückliches Ende wartete. Zwar verliefen Außeneinsätze auf fremden Planeten für Mannschaftsmitglieder manchmal tödlich, doch es traf stets nur niedere Ränge. Das Offizierskorps mit Jim Kirk, dem Ersten Offizier Spock und Schiffsarzt „Pille“ McCoy, schwebte ungeschoren durchs All. McCoys Diagnose „Er ist tot, Jim“ war unwiderruflich. Und in der nächsten Folge schon wieder vergessen.

Alles alt und doch neu

Die roten Uniformen der namenlosen Toten wurden im Laufe der Jahre zum Synonym: ein „Redshirt“ ist ein Charakter, der kurz nach dem ersten Auftritt stirbt. Am Happy End ändert das nichts. Bei „Star Trek“ ist das heute nicht mehr so. Die Leichtigkeit, mit der die ursprüngliche Serie 1966 in den USA begann, ist Vergangenheit. Vorläufige Höhepunkte der neuen Düsternis waren bislang die jüngsten Kinofilme „Star Trek “ (2009), „Into Darkness“ (2013) und „Beyond“ (2016). Mit der Premiere der neuen TV-Serie „Star Trek: Discovery“ am 24. September in den USA und einen Tag später in Deutschland bei Netflix tritt die Marke „Star Trek“ jedoch endgültig in ihre nächste Epoche ein, in der alles alt bleiben und doch neu werden soll.

Unheimliche Landschaften auf fremden Planeten: Die neue Tricktechnik schafft beeindruckendere Bilder als je zuvor. Bild-Zoom Foto: Dalia Naber (CBS INTERACTIVE)
Unheimliche Landschaften auf fremden Planeten: Die neue Tricktechnik schafft beeindruckendere Bilder als je zuvor.

Den Neuanfang hat das Star-Trek-Franchise bitter nötig. 2005 wurde die bis dato letzte Serie „Star Trek: Enterprise“ auf Grund eines Managementwechsels beim US-Fernsehsender CBS, der Heimat der „Stark-Trek“-Fernsehserien, überraschend eingestellt. Dem Ende der Serie sieht man heute noch an, wie mühsam die Produzenten versucht haben, die Geschichte nach vier Staffeln schnell und halbwegs stimmig abzuschließen, obwohl schon weitere Folgen geplant waren. Zuvor war der zehnte Enterprise-Kinofilm, „Nemesis“ (2002), gefloppt.

Jüngeres Publikum

Das Filmstudio heuerte darauf hin J.J. Abrams an, der als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor unter anderem die weltweit erfolgreiche TV-Serie „Lost“ verantwortete. Abrams, kein ausgewiesener „Star-Trek“-Fan, ging zurück zum Ursprung, zu Kirk, Spock und Pille. Im Kinofilm „Star Trek“ betritt ein neuer, junger Kirk (Chris Pine) zum ersten Mal die Brücke des Raumschiffs „Enterprise“, doch diesmal unter ganz anderen Vorzeichen. Es herrscht Notstand, die Föderation der Vereinten Planeten wird attackiert, und nur der vergleichsweise unerfahrene Offizier James Tiberius Kirk kann den Kommandosessel des Flaggschiffs übernehmen – mehr Action, mehr Gefühl, Tricktechnik auf der Höhe der Zeit. Abrams erreichte ein jüngeres Publikum.

First Officer Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) trägt blaue Uniform mit Silberbesatz: Auch die Outfits der Kommandoriege sind neu. Bild-Zoom Foto: Jan Thijs (CBS ALL ACCESS)
First Officer Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) trägt blaue Uniform mit Silberbesatz: Auch die Outfits der Kommandoriege sind neu.

Die Abrams-Filme handeln auf einer anderen Zeitlinie, der „Kelvin-Timeline“. Was im Kino passiert, tangiert also weder die alten Filme, noch die Fernsehserien. In seinem zweiten Film, „Star Trek Into Darkness“, recycelte er den beliebtesten Bösewicht der alten Filme, Khan, und besetzte ihn verjüngt mit dem trendigen Sherlock-Darsteller Benedict Cumberbatch. Im dritten Film, „Star Trek Beyond“ entpuppt sich ein Song der Hip-Hop-Gruppe „Beastie Boys“ als das beste Mittel, um die angreifende Alienflotte zu stoppen. „Star Trek Beyond“ spielte rund 470 Millionen Dollar ein und war der bislang finanziell erfolgreichste Film des Franchises. An diesem Erfolg will CBS mit der neuen Serie teilhaben.

Bereits im November 2015 kündigte der Mutterkonzern CBS eine neue Star-Trek-Serie an. „Star Trek: Discovery“ läuft in den USA auf der CBS-eigenen Streaming-Plattform All Access. Netflix versorgt den Rest der Welt. Serien-Guru Bryan Fuller („Star Trek“, „Pushing Daisies“, „Heroes“, „Hannibal“) sollte „Discovery“ zunächst inszenieren. Fuller ist als guter Geschichtenerzähler bekannt. Auch wenn er vorher ausschied, basiert „Discovery“ auf vielen seiner Ideen.

Hauptcharakter ist nicht Captain des Schiffs, sondern der Erste Offizier, Michael Burnham (Sonequa Martin-Green), und damit eine Frau afro-amerikanischer Abstammung. Weiblichen Charakteren männliche Namen zu geben, gehört zu Fullers Handschrift.

Realität von heute

Die Serie spielt zehn Jahre vor den Abenteuern von Kirk und Spock während des Kriegs der Föderation mit dem Klingonischen Imperium und greift einige Charaktere auf, die bereits in der alten Serie vorkommen: Spocks Vater Sarek ist der Ziehvater von Burnham. Außerdem tritt der Ganove Harry Mud in Aktion.

Dem aktuellen amerikanischen Zeitgeist gemäß und zugleich der Tradition von „Star Trek“ verpflichtet, steht die Diversität im Vordergrund. Neben der farbigen weiblichen Hauptdarstellerin steht der Wissenschaftsoffizier Paul Stamets als bekennender Schwuler. Ein Leutnant leidet als ehemaliger Kriegsgefangener unter posttraumatischen Stresssyndrom. Derart gebrochene Charaktere gab es an Bord der „Enterprise“ allerdings noch nie.

„Discovery“ erzählt nicht ein Abenteuer pro Folge, sondern eine sich über die gesamte Staffel erstreckende Handlung. Konflikte in der Crew spitzen sich zu. Akiva Goldsman, einer der Autoren und Regisseure von „Discovery“, wollte mehr als ritualisierte Meinungsverschiedenheiten zwischen Kirk, Spock und Pille. Die „Star-Trek“-Welt wird offenkundig rauer. Darin gleicht sie der Realität von heute. Ob alle Mitglieder der Führungsmannschaft überleben, scheint ungewiss.

Verpackt ist die Geschichte in atemberaubende Bilder, wie sie keine der vorigen Serien zeigen konnte. Die Kosten für eine Folge von „Discovery“ sollen bei 8 bis 8,5 Millionen Dollar und damit in der Preisklasse der Erfolgsserie „Game of Thrones“ liegen. Bereits die Trailer zeigen beeindruckende Landschaften und faszinierende Aliens; Kameraführung und Tricktechnik erinnern an Kino-Blockbuster.

Eingefleischte Fans erwarten die Serie dennoch mit einiger Skepsis. Die Klingonen etwa wurden vom Körper bis zur Kleidung ganz neu gestaltet. Und ist von einer Adoptivschwester Spocks schon jemals die Rede gewesen? Noch nie. Auch die kriegerische Ausrichtung der neuen Serie bereitet einigen Sorgen. Stand die Föderation doch für die friedliche Erforschung des Universums. Doch die Produzenten von „Star Trek: Discovery“ versprechen, dass alles seine Richtigkeit habe, mit den alten Serien kompatibel sei und alle Neuerungen in der ersten Staffel erklärt würden.

 

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