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Wie Theaterregisseur Mondtag Kunst inszeniert

Crossover-Projekte sind en vogue: In Frankfurt hat der Theaterregisseur Ersan Mondtag eine Kunstausstellung inszeniert - mit Opernsound und berühmten zeitgenössischen Werken.
Der Regisseur und Bühnenbildner Ersan Mondtag. Foto: Frank Rumpenhorst Der Regisseur und Bühnenbildner Ersan Mondtag.
Frankfurt/Main. 

Von Maria Callas gibt es eine bizarre Geschichte: Um ihr Traumgewicht zu erreichen, soll sich die berühmte Opernsängerin (1923-1977) mit einem Glas Champagner einen Bandwurm einverleibt haben. Der Parasit machte sie dann innerhalb kurzer Zeit um 50 Kilo schlanker.

Diese Legende hat der junge Regisseur Ersan Mondtag, Shootingstar der deutschen Theaterszene, zum Ausgangspunkt für die Inszenierung seiner ersten großen Kunstausstellung unter dem Titel „I am a Problem” in Frankfurt genommen.

Im Museum für Moderne Kunst (MMK) hat er einen rund 30 Meter langen schwarzen überdimensionalen Bandwurm aus Plastik aufbauen lassen, der sich durch die Räume schlängelt. Darin - sozusagen also im Innern von Maria Callas - hat er Kunstwerke platziert. So erhascht der Besucher einen Blick auf eine lebensgroße hyperrealistische nackte Frau, die leichenblass und fast abwesend auf einem Stuhl sitzt - ein Werk des US-amerikanischen Bildhauers John De Andrea.

Schönheit und Zerfall, Ordnung und Gewalt: Das sind Mondtags Themen in seinem szenischen Ausstellungsparcours. Es geht um die Auflösung des Körpers in einer von Selbstoptimierung und Fitnesswahn besessenen Gesellschaft, in der der Mensch immer selbst zum Problem wird. Die Botschaft: Wer bereit ist, sich selbst zu opfern wie Maria Callas ihren Körper, der ist auch bereit, andere zu opfern.

Zusammen mit dem Kurator Peter Gorschlüter hat der Theaterregisseur ausdrucksstarke Werke aus der MMK-Sammlung ausgesucht, die meist um das Thema Körper und Körperlichkeit kreisen. Dazu gehören Arbeiten von Teresa Margolles, Arnulf Rainer, Bettina Rheims, Thomas Ruff, Elaine Sturtevant, Rosemarie Trockel, Oliviero Toscani und Andy Warhol.

„Die Kunstwerke können in Dialog miteinander treten”, sagt der 1987 in Berlin geborene Mondtag, der auch den Sound nicht vergessen hat. Die einzelnen Werke erhalten - durch existenzialistisch angehauchte Texte des Autors Thomaspeter Goergen - Stimmen. Gelesen werden die Beiträge von Mitgliedern des Hamburger Thalia Theaters. Über allem schweben die Klänge aus „Tosca”, der Paradeoper der Callas.

Für das Crossover-Experiment zwischen Kunst und Theater ist Mondtag, im vergangenen Jahr von „Theater heute” zum Nachwuchsregisseur des Jahres gekürt, eine gute Wahl. Er arbeitet im Schnittfeld von Theater, Musik, Performance und Installation.

Es ist eine ziemlich düstere Welt, die er auf dunklen Pfaden in der Frankfurter Ausstellung entwirft. Die Kunstwerke erhalten aber durchaus eine ganz neue Perspektive. Manches wirkt jedoch auch überladen.

Die Schau ist vom 23. September bis 18. Februar kommenden Jahres zu sehen.

(Von Thomas Maier, dpa)
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