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TV-Kritik: "Sehnsucht nach morgen": Großes Kino

Von "Die Himmelsleiter": Das Nachkriegsdrama entstand nach den Erinnerungen eines bekannten Frankfurter Schriftstellers.
Anna Roth (Christiane Paul) schließt ihren jüdischen Mann Adam (Ernst Stötzner) in die Arme. Adam war im Konzentrationslager Mauthausen. Bild: ARD Degeto/Stephanie Kulbach Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Anna Roth (Christiane Paul) schließt ihren jüdischen Mann Adam (Ernst Stötzner) in die Arme. Adam war im Konzentrationslager Mauthausen. Bild: ARD Degeto/Stephanie Kulbach
Ins zerbombte Köln der Nachkriegszeit führt der mit Christiane Paul, Axel Prahl und Nikolai Kinski hochkarätig besetzte Zweiteiler. Im harten Winter 1946/47 versuchen sich die Menschen notdürftig mit Stehlen, Schmuggel und Schwarzmarkt am Leben zu halten. Der Kölner Kardinal Joseph Frings (1887-1978) zeigte sich dafür nachsichtig, was solche Tätigkeiten in der Umgangssprache unter dem Wort "fringsen" zusammenfasste. Zu den Betroffenen zählt auch Anna Roth (Christiane Paul), deren Mann, der Jude Adam Roth (Ernst Stötzner), seit sechs Jahren vermisst wird. Erheblich besser geht es dem ehemaliger NS-Bonzen Armin Zettler (Axel Prahl), der Trümmergrundstücke aufkauft, um sie an die belgischen Besatzer zu verkaufen. Die Belgier wollen darauf eine Kaserne errichten.

Als Annas Enkel Paul (Luis Vorbach) von den Belgiern beim Diebstahl von Lebensmitteln erwischt wird, erhält die Familie Besuch von dem Offizier Valmund (Nikolai Kinski), der sich in Pauls Mutter, Annas Tochter Sophie (Sarah Horváth) verliebt. Er sorgt deswegen dafür, dass Sophies Mann Francesco (Adam Vacula) verhaftet wird. Anna bekommt in diesen schwierigen Umständen Hilfe von dem Bauern Josef Halfen (Henning Baum), den sie beim "Fringsen" kennengelernt hat. Doch plötzlich steht auch ihr Ehemann wieder vor der Tür, der im Konzentrationslager Mauthausen war und mit Zettler abrechnen will.

Die Himmelsleiter war tödlich gefährlich

Mit der im Filmtitel enthaltenen Himmelsleiter sind die Waldwege nach Belgien gemeint. Diese Wege waren damals wichtige Schmuggelpfade, aber vermint und darum extrem gefährlich. Der Film beruht auf einem Drehbuch von Peter Zingler (geb. 1944), der darin viele Erinnerungen an seine Kindheit verarbeitete. Als Halbwüchsiger stahl er zusammen mit seiner Großmutter Buntmetalle und Lebensmittel, was sein Leben entscheidend prägen sollte: Wegen Einbrüchen saß er zwölf Jahre im Gefängnis. Doch dort kam er zum Schreiben. Für das Drehbuch zum "Tatort"-Krimi "Kinderspiel" erhielt er den "Grimme-Preis".

Mit "Sehnsucht nach morgen" gelang ihm ein beeindruckend dicht geknüpftes und ungeheuer spannendes und bewegendes Nachkriegspanorama um verschiedene Charaktere. Der schmierige NS-Karrierist Zettler (hervorragend verkörpert von Axel Prahl) schwimmt auch kurz nach dem Krieg sehr schnell wieder weit oben. Im Gegensatz dazu steht Anna Roth, eine Frau, die sich trotz aller Widrigkeiten nicht unterkriegen lassen will und auch ihren Stolz bewahrt hat: Mit Zettler will sie keine Geschäfte machen und sagt: "Der Zettler is’n Nazischwein – bevor ich von dem was nehme, fress’ ich lieber Dreck mit’m Löffel!"

Eine der stärksten Szenen des Films ist das Wiedersehen mit ihrem Mann Adam. Christiane Paul ist leider trotz ihrer tadellosen schauspielerischen Leistung eine Fehlbesetzung: Die Großmutter eines achtjährigen Enkels nimmt man ihr einfach nicht ab. Umso mehr überzeugt die Ausstattung des Films - die umfangreichen Kulissen wurden dafür in Prag nachgebaut.  Der zweite Teil folgt am Samstag, den 28. Februar, um 20.15. Empfehlung: Unbedingt ansehen!
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