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TV-Kritik: "Spiel um alles": Schmerzhaft intensiv

Ein bemerkenswertes Debüt: Ein frustrierter und ehrgeiziger Vater treibt seinen sportlichen Sohn zum Äußersten.
Wenig wählerisch: Ugo (Charles Merienne) schreckt für seinen Sieg bei einem Spiel vor nichts zurück. Foto: Les Films Velvet Wenig wählerisch: Ugo (Charles Merienne) schreckt für seinen Sieg bei einem Spiel vor nichts zurück.
"Man muss sein Schicksal in die Hand nehmen. Ich will nicht mehr für andere schuften!" Das erklärt  Jérôme (Olivier Gourmet) seiner Ehefrau Laura (Valeria Bruni Tedeschi). An guten Sätzen mangelt es ihm nicht, wenn es darum geht, sich selbst zu motivieren. Als Geschäftsführer eines Kaufhauses entlassen, tut sich der frustrierte Endvierziger schwer damit, eine adäquate Stelle zu finden. Er will sich deswegen als Betreiber eines Schuhladens selbständig machen.

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Aber sein Weg führt weiterhin bergab. Seine Frau, die seine weitreichenden Pläne mit Misstrauen verfolgt, verlässt ihn. Seine Investoren springen ab, und das bereits sicher geglaubte Projekt platzt. Umso mehr klammert sich Jérôme an seinen Sohn Ugo (Charles Mérienne). Der sportlich begabte Junge zeigt vielversprechende Anlagen, sich zu einem professionellen Tennisspieler zu entwickeln. Jérôme konzentriert seinen Ehrgeiz auf seinen Sohn – mit schwerwiegenden Konsequenzen.

Ein qualvoller Lernprozess

Regisseur Stéphane Demoustier, der auch das Drehbuch entwickelte, hat mit "Spiel um alles" ein bemerkenswertes Debüt geschaffen. Er kombiniert Sportler- und Verliererdrama mit verschiedenen Einsichten zu einem spannenden Ganzen. Spannend auch deswegen, weil Demoustier seine Figuren einem schmerzhaften Lernprozess unterzieht. Dabei steht im speziell mit Olivier Gourmet – erst kürzlich in "Der junge Karl Marx" als der französische Ökonom Pierre-Joseph Proudhon zu sehen – ein ausgezeichneter Hauptdarsteller zur Verfügung.
 
Gourmet verkörpert den zu Beginn noch selbstbewussten, dann aber immer depressiveren Jérôme mit schmerzhafter Intensität. Vor allem die Szenen, in denen der Zuschauer seine Isolation stärker bemerkt als Jérôme selbst, prägen sich ein: Da inspiziert er Läden und Grundstücke und vergisst dabei, seinen Sohn zum Tennistournier zu bringen. Oder er will seine Frau mit geschenkten Schuhen beeindrucken und registriert nicht, dass sie sich längst innerlich von ihm entfernt hat.

Realistisches Alltagsdrama

Demoustier gestaltet seinen Film mit unauffälliger Kamera und überwiegend gedeckten Farben nicht als kunstvolle Parabel auf Ehrgeiz, Erfolg und Scheitern, sondern als realistisches Alltagsdrama, was die Identifikation mit seinen Figuren für den Zuschauer sehr erleichtert. Und er lässt schnell ahnen, wie die Geschichte ausgehen wird.
 
Wie er dabei seine Schauspieler natürlich und frei von allen Manierismen agieren lässt, zeigt sich ebenso bemerkenswert wie der flüssige Erzählrhythmus, den er dabei entwickelt. Arte sendet den Film im Original mit Untertiteln – schade! Er hätte sich auf Deutsch synchronisiert auch zur besten Sendezeit bei ARD oder ZDF gut gemacht.
 
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