Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Limburg an der Lahn 25°C
2 Kommentare

TV-Kritik: "Tatort": Viel gewollt und wenig gekonnt

Von Schade um Sibel Kekilli: Sie hätte einen besseren Abschied verdient als "Borowski und das dunkle Netz".
Achtung, Ekel: Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) stoßen auf einen grausamen Fund. Foto: NDR/Christine Schroeder Achtung, Ekel: Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) stoßen auf einen grausamen Fund.
Ach, was waren das noch für Zeiten, als Killer im Kriminalfilm schwarzvermummt ihre Opfer ins Jenseits beföderten. Heute müssen sie sich eine alberne Wolfsmaske übers Gesicht ziehen und von Besuchern eines Fitnessstudios verdreschen lassen. Der Manager der Muckibude schmeißt gar mit Hanteln. Haben die alle keine Angst vor einem Mörder mit Schusswaffe? Kein Wunder, dass sich der Hantelwerfer zum Schluss der Sequenz, die aussieht wie aus einem Ballerspiel, eine tödliche Kugel einfängt.

Er ist nicht der einzige Tote. Im Keller des Ladens erwischte es zuerst Jürgen Sternow, Leiter der Spezialabteilung Cyber-Crime des Landeskriminalamtes Kiel. Was die Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) schnell nach Spuren im Darknet suchen lässt, jenem Bereich im WWW, in dem es um Drogen, Waffen, Kinderpornos oder Auftragsmorde geht. Der Mörder ist schnell ausfindig gemacht und hinter Gittern. Doch damit fängt die eigentliche Arbeit für die Ermittler erst an – sein Auftraggeber ist nämlich weit schwerer ausfindig zu machen.

Visueller Ehrgeiz und sinnfreie Gags

Das war’s dann leider mit Sarah Brandt. Einerseits schade, hat man sie als Zuschauer doch ins Herz geschlossen Andererseits aber auch begreiflich, das Sibel Kekilli hingeschmissen hat: Irgendwie erweckte sie immer den Eindruck, nicht nur gegen Kriminelle, sondern auch gegen wenig ambitionierte Drehbücher kämpfen zu müssen. Ihr letzter "Tatort"-Einsatz hat indessen mit dem gegenteiligen Problem zu kämpfen: Regisseur David Wnendt, der mit dem Autor Thomas Wendrich zusammen das Drehbuch verfasste, zeigt zwar enormen Ehrgeiz, besonders was eine originelle visuelle Umsetzung der Geschichte betrifft.

Jetzt online in der ARD-Mediathek ansehen!
 
Leider verheddert er sich dabei aber in einer Überfülle an oft sinnfreien Gags, womit er viele Ansätze von Spannung erstickt. Das geht schon mit der völlig unpassenden Musik zum Mord im Fitnessstudio los. Warum musste zudem die Erklärung, wie das Darknet funktioniert, unbedingt mit drollig animierten Figuren erfolgen? Oder haben Computerspezialisten bei der Polizei nichts Besseres zu tun, als Lichtanlagen zu bauen, um damit weiblichen Besuch zu beeindrucken? 

Die Plausibilität bleibt auf der Strecke

Dazu kommen Einfälle, die wohl wie schwarzer Humor wirken sollen, aber im Endeffekt nur selbstzweckhaften Ekel bewirken: etwa der Sturz Sarah Brandts in eine verweste Leiche. Auch den Zeitlupeneffekt während der Verfolgungsjagd mit Sarah Brandt zu Fuß – während der Sibel Kekilli immerhin auch einmal sportlich glänzen darf – hätte sich Wnendt sparen können. Stattdessen wäre etwas mehr Plausibilität wichtiger gewesen. So spült eine korpulente und überaus sexhungrige Empfangsdame ungerührt einen abgeschnittenen Finger im Klo weg und ein Killer flüchtet sich ausgerechnet in eine vollbesetzte Sporthalle. 

Wo sich natürlich auch das Zebra-Maskottchen des THW Kiel von der Waffe des Mörders in dessen Hand nicht beeindrucken lässt. Die Kombination aus gewollter, aber nur selten gekonnter Satire und Krimihandlung nervt schnell. Erst am Ende holt der Film seinen großen Pluspunkt raus: Die Motivation des Drahtziehers passt zu der Cybergeschichte und ist tatsächlich originell geworden. Schade, dass der Rest des Films diese Klasse nicht erreicht.  Der "Tatort" wird Sibel Kekilli vermissen. Umgekehrt dürfte das nicht gelten.
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse