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Klima der Gewalt: Hohe Temperaturen erhöhen das Konfliktrisiko

Das Klima beeinflusst das Gewaltverhalten der Menschen. Selbst eine geringe Abweichung von der üblichen Temperatur oder Regenmenge erhöhe das Risiko von Konflikten, berichten US-Forscher im Fachblatt «Science».
Immer einen kühlen Kopf bewahren. Foto: Oliver Berg Immer einen kühlen Kopf bewahren. Foto: Oliver Berg
Washington. 

Dies gelte rund um die Welt und zwar sowohl für die heutige Zeit als auch schon in der Vergangenheit.

Das Team um Solomon Hsiang von der Princeton University (US-Staat New Jersey) hatte 60 Studien zum Thema Klima und Gewalt neu ausgewertet, die in den unterschiedlichsten Fachgebieten entstanden waren, etwa in der Archäologie, Kriminologie, Geografie, Politikwissenschaft oder Psychologie. Sie umfassten alle Regionen der Welt und reichten etwa 10 000 Jahre in die Vergangenheit. Alle in den Studien erfassten Daten analysierten die Forscher um Hsiang nun mit derselben statistischen Methode.

Vor allem höhere Temperaturen führten demnach zu einer Zunahme der Gewalt. Eine Standardabweichung von der Temperatur - das entspricht zum Beispiel einer Temperaturerhöhung von 0,4 Grad Celsius über das ganze Jahr in einem afrikanischen Land - hatte zur Folge, dass das Risiko persönlicher Konflikte um 4 Prozent stieg. Die deutlichste Zunahme fanden die Forscher bei Gruppenkonflikten, wie Aufständen oder Bürgerkriegen. Das Risiko solcher Auseinandersetzungen stieg um 14 Prozent pro Erhöhung der Temperatur um eine Standardabweichung.

Die Wissenschaftler fanden in ihrer Untersuchung beispielsweise einen Anstieg häuslicher Gewalt in Indien und Australien, mehr Körperverletzungen und Morde in den USA und Tansania oder eine Zunahme gewalttätiger Polizeieinsätze in Holland. Zu den Gründen können die Forscher bisher nur spekulieren. In Agrarländern beeinflusse das Klima zum Beispiel maßgeblich die wirtschaftliche Situation vieler Menschen. Verschlechtere sich die Wirtschaftslage aufgrund klimatischer Veränderungen könne das zur Folge haben, dass Menschen aus Angst um ihre Existenz zu den Waffen griffen.

«Wir sind in etwa in der gleichen Lage wie Mediziner in den 1930er Jahren: Sie hatten eine deutlichen statistischen Beweis, dass Rauchen eine unmittelbare Ursache von Lungenkrebs ist, aber sie konnten noch viele Jahre nicht erklären, warum», erläutert der Erstautor Solomon Hsiang. «Genauso sehen wir, dass Klimaereignisse Konflikte verursachen, aber warum wissen wir nicht genau.»

Das Klima sei nicht der einzige und auch nicht der hauptsächliche Grund für den Anstieg der Gewalt. Wenn kommende Generationen ähnlich reagierten wie die vergangenen und derzeit lebenden, könne der Klimawandel allerdings zu erheblich mehr Konflikten rund um die Welt führen. Hsiang und sein Team sprechen bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius von einem Anstieg der Gruppenkonflikte um 50 Prozent in einigen Regionen der Welt.

Andere Fachleute sind allerdings weniger überzeugt von den Schlussfolgerungen der Arbeitsgruppe, berichtet John Bohannon, Korrespondent von «Science» in einem Kommentar zu der Studie. Es gebe Zweifel daran, ob die Auswahl der Studien geeignet gewesen sei oder sie möglicherweise zu einer Verzerrung der Ergebnisse geführt habe. Außerdem seien möglicherweise einzelne Extremwetter-Ereignisse mit längerfristigen Klimaveränderungen vermischt worden. Es gebe keine Zweifel daran, dass es in den vergangenen Jahrzehnten in Sub-Sahara-Afrika einen Klimawandel gegeben habe, die Zahl ziviler Konflikte habe dennoch abgenommen.

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