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Flüchtlinge in Limburg-Weilburg: Fußball = Integration

Von Sie kommen vornehmlich aus Eritrea, Somalia, Afghanistan, Syrien und Pakistan und haben meist auf der Flucht vor Tod, Folter und Verfolgung ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um in Deutschland oder anderen EU-Staaten menschenwürdig leben zu können.
Integration pur. So wie hier bei der SG Weinbachtal könnte es bald in vielen Fußballvereinen im Kreis aussehen. Integration pur. So wie hier bei der SG Weinbachtal könnte es bald in vielen Fußballvereinen im Kreis aussehen.
Limburg-Weilburg. 

Man kennt das aus den letzten Jahren: Nach und nach müssen kleinere Fußball-Vereine ihre 2. Mannschaft abmelden oder gar in eine Spielgemeinschaft mit dem Nachbarverein fusionieren. Der Grund: Spielermangel. Auf der anderen Seite wandern reihenweise vornehmlich junge Menschen aus den Krisengebieten Nordafrikas und Vorderasiens in die Bundesrepublik ein, sind voller Tatendrang – und im Prinzip zum Nichtstun verurteilt.

Da sollte man doch irgendwie das eine mit dem anderen verbinden und eine Brücke schlagen können. Etwa 65 Prozent der rund 1000 Flüchtlinge, die derzeit im Landkreis Limburg-Weilburg untergebracht sind, sind männlich, 31 Prozent im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Summa summarum leben im Kreis etwa 200 junge Männer im fraglichen Alter. „Meines Erachtens eher mehr, denn vermutlich ist der Anteil der jungen Männer in dieser Altersklasse sogar höher“, sagt Bernd Kexel, Pressesprecher des Landkreises. Junge Männer, die sich liebend gerne sportlich betätigen möchten.

Untergebracht sind die Flüchtlinge in mehr als 70 Unterkünften über den Kreis verteilt. Allesamt müssen sie die deutsche Sprache lernen. Gerhard Edel, viele Jahrzehnte Vorsitzender des TuS Dietkirchen und Fachpraxiskoordinator an der Friedrich-Dessauer-Schule in Limburg, ist diesbezüglich bereits aktiv geworden. Er kennt viele junge Flüchtlinge, die an seiner Schule Deutsch lernen. „Ich habe einige von ihnen schon an Vereine vermittelt“, sagt Gerhard Edel. „Wichtig ist, dass sie in den Vereinen spielen und trainieren, wo sie auch örtlich untergebracht sind“, denn weite Anfahrtwege können die jungen Leute nicht auf sich nehmen – sie sind nicht mobil.

Die Vereine im Fußballkreis Limburg-Weilburg und natürlich auch in den benachbarten Kreisen Rhein-Lahn und Westerwald/Wied sind aufgefordert, ihre Fühler auszustrecken, jungen Menschen eine Perspektive zu bieten und zugleich ihre Spielerkader aufzufüllen. Das ist Integration pur – und es funktioniert ganz einfach.

 

Kontakt herstellen

 

Vereine, die gerne Flüchtlinge in ihren Reihen aufnehmen möchten, müssen lediglich in ihrer Gemeindeverwaltung vorsprechen. Von dort aus werden die entsprechenden Betreuer informiert, die wiederum die Kontakte herstellen. So schließt sich der Kreis. Unser Aufruf lautet: Lasst diese jungen Menschen mittrainieren, vielleicht versteckt sich ja das eine oder andere Talent darunter!

Probleme mit Wechselmodalitäten wird es da kaum geben. „Asylsuchenden wird eine Bescheinigung über die Weiterleitung eines Asylsuchenden bei der hessischen Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Gießen ausgestellt“, erklärt Matthias Bausch, stellvertretender Verbandsfußballwart des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV). „Diese Menschen kommen meist ohne jegliche Ausweispapiere, nur mit dem, was sie am Leib tragen, nach Deutschland. Besagte Bescheinigung über die Meldung für Asylsuchende gilt als Ersatz für die drei amtlichen Lichtbilder: Personalausweis, Reisepass, Führerschein; damit kann auch beim Hessischen Fußball-Verband ein Spielerpass beantragt und ausgestellt werden.“

Der eine oder andere Verein ist bereits aktiv geworden. In den Unterkünften in Blessenbach und Odersbach leben überwiegend Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia. Etwa zehn junge Männer aus dieser Unterkunft sind schon bald nach ihrer Ankunft zum Training in Blessenbach gekommen. Der Kontakt war über die Söhne eines ehrenamtlich Engagierten hergestellt worden. Momentan spielen noch zwei in der 3. Mannschaft der SG Weinbachtal, sind Mitglied der SG Blessenbach und über diese Mitgliedschaft auch versichert. „Dass sich die Zahl derjenigen, die trainieren und auch in einer Mannschaft spielen, so reduziert hat, ist durch Umzüge in andere Wohnorte nach Abschluss der Asylverfahren begründet“, erklärt Bernd Kexel. „Die meisten haben kein Auto und somit keine Gelegenheit, zum Training zu kommen.“

Auch in Odersbach sind die neuen Nachbarn schon recht bald nach der Ankunft zum Training eingeladen worden. Fast alle jungen Männer kommen zum Training und wurden von ihrem Verein, dem SV Odersbach (Mitglied der SG Oberlahn), mit Trikots und Fußballschuhen versorgt. Hier beschränkt sich die Aktivität der Flüchtlinge allerdings noch auf die Teilnahme am Training. Keiner von ihnen spielt regelmäßig in einer Mannschaft.

Integration kann also ganz einfach sein. Und unter Kumpels in einem Fußballteam lernt man die deutsche Sprache ganz von selbst . . .

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