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Langstreckenmeisterschaft VLN: Kaufmann ist stinksauer

Schnell erzählt ist der sportliche Teil des vierten Laufes zur Langstreckenmeisterschaft VLN am Nürburgring. Im Zeittraining stellte Wolfgang Kaufmann den GTW Porsche 996 GT3 R von Ralf Weiner mit einer Zeit von 8.41,747 Minuten auf die Pole-Position der Wertungsgruppe H.
Wolfgang Kaufmann (vorderes Fahrzeug) hadert mit den neuen Bestimmungen auf dem Nürburgring. Foto: BRfoto Wolfgang Kaufmann (vorderes Fahrzeug) hadert mit den neuen Bestimmungen auf dem Nürburgring.
Molsberg. 

Im Rennen selbst lief es zunächst wie geschmiert, bis es Probleme mit den Instrumenten gab. Dabei schmerzte insbesondere, dass die Geschwindigkeit des Porsche nicht mehr korrekt angezeigt wurde. Schmerzlich deshalb, da es seit dem zweiten VLN-Lauf einige geschwindigkeitsbeschränkte Abschnitte auf der Nordschleife gibt. Genau dies wurde dem Team Weiner/Kaufmann dann auch zum Verhängnis. In einer „Code 60“-Zone, erlaubt waren also 60 km/h, wurde Kaufmann mit 72 km/h gemessen. Es folgte eine 45-Sekunden-Zeitstrafe. Nach vier Stunden Renndauer sollte am Ende ein dritter Platz in der Gruppe H für das Duo herauskommen.

„Die nach dem Unfall beim ersten Saisonlauf getroffenen Maßnahmen und die daraus resultierenden Folgen auf der Rennstrecke führen den Motorsport ad absurdum“, so Kaufmann nach dem vierten Lauf. „Die Einführung von Tempolimits auf einer Rennstrecke (!) sind nur schwer begreiflich und haben auch nicht auf jeden Teilnehmer die gleichen Auswirkungen. Für die großen Werke ist es einfach. Ihre hochmodernen GT3-Renner sind mit Elektronik vollgestopft, da wird dann einfach ein Tempobegrenzer programmiert. Aber was sollen die vielen kleinen Teams, sofern sie nicht schon aufgegeben haben, machen. In manchen Autos gibt es keine Speelimiter, oft auch nur sehr kleine Displays. Dazu kommt, dass man schon bei unterschiedlichen Reifentypen, Slicks oder Regenreifen, andere Abrollumfänge und damit Geschwindigkeiten hat“, sagte Kaufmann.

 

Klare Nachteile

 

Ein Punkt im VLN-Reglement fiel Kaufmann besonders am vergangenen Wochenende auf. „Warum muss ich mit einem H4-Porsche in der letzten Startgruppe losfahren ? Wir sind ziemlich deutlich die schnellsten Autos in dieser Gruppe und fahren Zeiten im Bereich der SP7 und SP8-Fahrzeuge, die in der ersten Startgruppe sind. Während die aber vorne zunächst relativ frei wegfahren können, müssen wir erst durch das ganze Feld durch.“

Das Fazit zur Situation auf der Strecke fällt vernichtend aus: „Ich bin schon viele Jahre als Profi im Rennsport, aber ich habe mich noch nie so gefährdet gefühlt auf der Nordschleife. Die eigentlich zur Sicherheit eingeführten Übergangsregeln machen alles nur noch schlimmer.“

Doch nicht nur auf der Strecke geschieht einiges, was Kaufmann nur schwer nachvollziehen kann. „In einer Hauruck-Aktion hat der Deutsche Motorsport-Bund (DMSB) eine spezielle Zulassung für die VLN und die 24h auf dem Nürburgring eingeführt, die sogenannte DMSB Permit Nordschleife Grade A/B, kostenpflichtig natürlich. Die Grundidee dahinter, dass neue Fahrer nicht sofort mit den schnellsten Autos fahren ist absolut richtig und in Ordnung. Aber bei den Kriterien ist man dann doch etwas über das Ziel hinaus geschossen“, so Kaufmann.

Erste Auswirkungen dieser Regelungen beobachtet Wolfgang Kaufmann bereits im VLN-Starterfeld. „Bei den Läufen drei und vier waren nur noch knapp über 130 Autos am Start, bei den 24 Stunden nur gut 150. Viele Teams und Fahrer wollen aus den vorgenannten Gründen nicht mehr mitmachen, wechseln die Rennserie oder hören sogar ganz auf. Durch neue Vorschriften wird es immer teurer, dazu kommt eine immer härter werdende Gangart auf der Nordschleife. des Nürburgrings Auch das macht es für die Teams und Fahrer immer unkalkulierbarer. Für die erhöhte Unfallgefahr, Tempolimits und ähnliches gibt keiner mehr das Budget aus und geht die Gefahren ein.“

Waren in VLN und 24-Stunden in den vergangenen Jahren noch Starterzahlen von 170 – 200 Fahrzeugen normal, so zeigt der Trend nun radikal nach unten. „Ein Problem sicher auch für die ausrichtenden Vereine“, schätzt Kaufmann. „Denn irgendwann ist auch dort die Schmerzgrenze erreicht, dass so eine Veranstaltung mangels Nennungen nicht mehr tragbar ist. Und das könnte das Ende des Motorsports auf der Nordschleife sein.“

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