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Vorhersagen: Bilanz: Weltuntergang fiel schon wieder aus

Ein Skeptiker-Verein zieht jährlich Bilanz, was Hellseher vorausgesagt haben. Das Fazit fällt wieder mehr als nüchtern aus. Der Astrologen-Verband hält die Vorgehensweise allerdings für unseriös und führt andere Argumente an.
Wahrsagerin mit Kristallkugel Foto: Sebastian Kahnert (dpa) Was bringt die Zukunft? Jedes Jahr wagen sich Hellseher wieder an Prognosen – und obwohl sie oft danebenliegen, werden ihre Voraussagen von vielen Menschen immer wieder interessiert verfolgt. Denn das verringert das Gefühl der Unsicherheit, meinen Psychologen.
Roßdorf. 

Der Weltuntergang sei gleich mehrere Male vorausgesagt worden, das Ergebnis der Bundestagswahl und das Ringen um Jamaika allerdings nicht: Mit Hellsehern, Astrologen und Wahrsagern ist die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) wieder hart ins Gericht gegangen. Die Skeptiker ließen auch in der Bilanz 2017 an Auguren kein gutes Haar. Es gibt aber auch Kritik an der Vorgehensweise der GWUP.

Für die Gesellschaft hat der Mathematiker Michael Kunkel (57) die Analyse gemacht, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Mehr als 100 Prognosen aus dem Internet und aus Büchern habe er unter die Lupe genommen. „Das Sammelsurium ist immer das Gleiche“: Katastrophale Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen, „Killer-Eichhörnchen“, die weltweit Menschen anfallen und Terroranschläge, auch bürgerkriegsähnliche Zustände in Deutschland.

„Nur herausgepickt“

„Man findet die ganze Bandbreite, die denkbar ist, aber nicht unbedingt die Wahrheit“, sagt Kunkel. „Weltuntergänge werden jedes Jahr vorhergesagt. Auch ein Anschlag auf den Papst.“

Die GWUP mit Sitz in Roßdorf bei Darmstadt legt seit den 1990er Jahren eine solche Bilanz vor und setzt sich nach eigenen Angaben für Aufklärung und kritisches Denken ein. Der Deutsche Astrologen-Verband hält von der Vorgehensweise der GWUP nichts. „Die pickt sich nur das heraus, was krass daneben liegt“, sagte der Verbands-Vorsitzende Klemens Ludwig (61). „Womit man Stimmung machen und sagen kann: „Schaut mal, was das für Dummköpfe sind.“»

Die GWUP müsse zwischen seriöser und unseriöser Astrologie unterscheiden, meint Ludwig. Eine seriöse Deutung müsse „auf Basis eines konkreten Horoskops für einen Menschen“ erarbeitet werden - Allgemeinplätze nach dem Motto „alle Menschen im Sternzeichen Widder haben Glück in der Liebe“ gehörten nicht dazu. Da fehle dem Skeptiker-Verein „jede Fähigkeit zur Differenzierung“.

Zum Ergebnis der Bundestagswahl ist laut Kunkel lediglich vorhergesagt worden, „dass es danach schwierig werden dürfte“. Genaues sei nicht gesagt worden, schon gar nicht zu möglichen Koalitionen. „Ich kenne keine Prognose, die ein mögliches Jamaika-Bündnis oder dessen Scheitern vorhergesagt hatte.“

Für Deutschland sei 2017 insgesamt „nichts Konkretes“ prophezeit worden. Das Thema Flüchtlinge sei nur in Nebensätzen erwähnt worden, lediglich die Annahme, „es würden mehr kommen“. Diese Prognose sei „einfach Quatsch“ gewesen. Die Befürchtung, es könne in Deutschland so etwas wie Bürgerkrieg geben, sei ein alter Hut und schon in den vergangenen Jahren geäußert worden.

Ungeliebte Ungewissheit

Dass viele Menschen ihre Zukunft wissen möchten, hänge mit Sicherheitsbedürfnis und Angst zusammen, meint der Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), Philipp Kardinahl (36). „Die Ungewissheit wird nicht geliebt“, ist seine Erfahrung. „Das Bedürfnis zu glauben, ist immanent.“ Allerdings sei klar, „dass Prognosen nicht eintreten, auch was die Börse angeht“. Die Aussagen von Astrologen, Wahrsagern und Hellsehern müsse „man zur Kenntnis nehmen und in ihrem Rahmen lassen“, sagt Kardinahl. „Hellseher sind nicht in der Lage, eine Zukunft vorherzusehen.“

Was wird für das Jahr 2018 vorhergesagt? „Eigentlich das Übliche“, sagt Kunkel.

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