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1700 Schüler treffen den Dalai Lama: Buddhist mit Coolheitsfaktor

Von Begegnungen mit Menschen gehören zum Markenzeichen des Dalai Lama. Auch bei einem Dialog mit Schülern in der Frankfurter Jahrhunderthalle zeigt sich das geistliche Oberhaupt der Tibeter als wahrer Menschenfänger. Dieses Mal in einer bisher nicht gekannten Dimension.
130917DalaiLama_44 Bilder > Foto: Heike Lyding Bei seinem Auftritt in der Jahrhunderthalle beantwortet der Dalai Lama in ungezwungener Atmosphäre die Fragen der Schüler. Unsere Schüler-Reporterin Paula-Marie Schillo (links) aus Limburg war dabei (lesen Sie ihren Bericht unten).
Frankfurt. 

Ja, sie sei immer noch ganz aufgeregt, sagt Amelie Hipp und strahlt wie zur Bekräftigung über das ganze Gesicht, während sie in ihren Vollkornnudeln herumstochert. Es sind die Nachwirkungen einer Begegnung, die das Mädchen mit den langen blonden Haaren so schnell nicht vergessen wird.

Keine zehn Minuten ist es her, dass die Schülerin noch mit einem weißen Schal um den Hals auf der Bühne der Jahrhunderthalle neben dem Dalai Lama gestanden hat. Aber nicht nur das. Minutenlang drückte das geistliche Oberhaupt der Tibeter die Hand des Mädchens, während er sich vom Publikum im Saal verabschiedete. „Das war ein tolles Gefühl“, sagt das Mädchen von der Frankfurter Elisabethenschule. Nett und sehr achtsam sei der 82-Jährige gewesen.

Humorvolle Art

Amelie gehörte zu den zehn Jugendlichen, die dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter Fragen zum Thema „Zukunft gemeinsam gestalten“ stellen durften. Und das vor den Augen von rund 1700 Mitschülern. Zusammen mit ihren Lehrern und anderen Gästen füllen diese am Mittwochvormittag die Konzert- und Kongresshalle und sorgen für eine Atmosphäre, die eher an ein Popevent erinnert als an eine Begegnung mit einem Religionsführer. Aber der Dalai Lama ist ja auch nicht irgendein religiöses Oberhaupt. Das wird gleich zu Beginn seines Auftritts deutlich.

„Tashi Delek“, übersetzt Glück und Segen, hallt es durch den Saal, als Tendzin Gyatsho – so der bürgerliche Name des Geistlichen – nach der launigen Einführung durch Schauspieler Ralf Bauer schließlich den Saal betritt.

Von Anfang an nimmt der 82-Jährige das Publikum mit seiner humorvollen Art und seiner positiven Ausstrahlung für sich ein. Er nennt die Anwesenden „Brüder und Schwestern“, spricht davon, dass alle Menschen auf der Erde gleich seien. Und er sagt, dass ein Großteil der Probleme darauf zurückzuführen sei, dass die Menschen zu sehr ihre Unterschiede betonten. Dem hält der Dalai Lama seine eigene Philosophie entgegen. „Es ist ganz wichtig, eine Atmosphäre des Mitgefühls, des gegenseitigen Wohlwollens und der Fürsorge zu schaffen“, lautet sein Appell.

Und der Dalai Lama macht deutlich, dass es ihm nicht darum gehe, alle zum Buddhismus zu bekehren. „Behaltet eure eigene Religion“, rät er. Dies schließe einen Dialog zwischen den Religionen nicht aus und dass diese voneinander lernen könnten.

Ausführlich geht er auf die Fragen ein, die die Schüler vorbereitet haben. „Was können wir jungen Menschen für eine bessere Welt tun, während die Machthabenden profitgesteuert sind?“ „Sehen Sie einen Weg, wie die Menschheit dauerhaft Frieden schließen kann?“ „Müssten die Länder der EU angesichts der großen Anzahl der Flüchtlinge bezüglich ihrer Werte und Normen umdenken?“ „Woher nehmen Sie die Kraft, Ihre positive Grundeinstellung zu bewahren?“ Mit solchen Fragen löchern die 13- bis 18-Jährigen, die unter anderem aus Friedrichsdorf, Limburg, Flörsheim, Darmstadt und Frankfurt stammen, den Exil-Tibeter.

„Recht cool“

Dieser zeigt keinerlei Berührungsängste und auch keine Ermüdungserscheinungen während der gut zweistündigen Diskussion. „Der Schlüssel für eine positive Veränderung hängt auch von der Bildung, vom Schulsystem und der Erziehung ab, in der die Menschen aufgewachsen sind“, sagt er und beklagt, dass das moderne Schulsystem zu sehr auf Wissensvermittlung und materielle Werte ausgerichtet sei. Wichtig sei es aber auch, das Training von inneren Werten, von Mitgefühl, Liebe und Zuneigung in die Schulen hineinzutragen.

Mit Blick auf die Flüchtlinge sagte er, Schutz vor Gewalt und Krieg seien wichtig. Wenn sich die Verhältnisse in den Ländern wieder änderten, sollten sie aber auch bereit sein, wieder zurückzugehen. Die europäischen Länder forderte er auf, den Wiederaufbau zu unterstützen.

Und immer wieder wiederholt er seine Botschaft, dass sich die globalen Probleme nur durch gemeinsames Handeln wie etwa in der EU und nicht von einzelnen Nationen lösen ließen. Die Schüler in der Jahrhunderthalle hatte der Tibeter zu diesem Zeitpunkt längst für sich eingenommen. „Recht cool“, finden Timo Dellith und Maximilian Molt aus Friedrichsdorf den Dalai Lama. Und Moritz Matten aus Wiesbaden, der auf dem Podium saß, lobt den Dialog „auf Augenhöhe“ mit dem hohen Gast. „Man konnte sich mit ihm unterhalten wie mit jedem anderen.“

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