Auf ein Wort: Es geht noch besser

Wie sind die Bedingungen für die Radler im Main-Taunus-Kreis? Das Höchster Kreisblatt befragte dazu Dr. Holger Küst, den Kreisvorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Wie sind die Bedingungen für die Radler im Main-Taunus-Kreis? Das Höchster Kreisblatt befragte dazu Dr. Holger Küst, den Kreisvorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Herr Küst, im Main-Taunus-Kreis sind in den vergangenen Jahren einige Radwege entstanden. Wo gibt es denn die besten, wo die schlechtesten Bedingungen für Radfahrer?

HOLGER KÜST: Das hängt sehr von der Betrachtungsweise ab: Für Mountainbiker ist es an den Hängen des Taunus besonders interessant. Rennradler schätzen eher die Straßen des Taunus. Familien mit Kindern fahren vor allem auf flachen Strecken ohne Kraftfahrzeuge mit hohem Erlebniswert. Zur Förderung des Radverkehrs und Tourismus erarbeitet der ADFC ein Radverkehrs-Netz inklusive Beschilderung.

Welches sind denn die wichtigsten Forderungen oder Projekte, um den Fahrradverkehr voranzubringen?

KÜST: In Hofheim sollte eine Brücke die Landesstraße 3011 und die Bahnlinie zwischen dem Hochfeld und der Rudolf-Mohr-Straße queren. Dieses würde vor allem für Schüler eine gefahrlose Fahrt zwischen Schule und Hofheim-Süd ermöglichen. Damit würden viele Fahrten von Eltern-Taxis überflüssig. In Eschborn sollte die Bahnhofstraße für Radler in Gegenrichtung geöffnet werden, da diese Öffnung für Radler die Nutzung stark befahrener Straßen vermeidet.

Sind denn die gebauten Radwege vernünftig, oder werden da gravierende Fehler gemacht?

KÜST: Teilweise werden sinnvolle und gut nutzbare Radwege gebaut, teilweise sind die gebauten Anlagen jedoch auch umwegig, weisen schlechte Oberflächen auf oder haben – wie in Liederbach – unzureichende Breiten. Sehr ärgerlich für Radler sind auch Ampeln, die nur auf Taster reagieren – hier ist ein Zwangshalt programmiert.

Kann denn der Radverkehr wirklich eine bedeutendere Rolle im Verkehrsgeschehen spielen, oder sind das «grüne Hirngespinste»?

KÜST: In Frankfurt hat es innerhalb der letzten Jahre eine signifikante Steigerung des Radverkehrsanteils von 6 Prozent im Jahr 1998 auf 14 Prozent im Jahr 2008 gegeben. 50 Prozent der Fahrten mit Kraftfahrzeugen in Europa sind kürzer als fünf Kilometer, hier kann der Radverkehr einen nennenswerten Anteil übernehmen. Auch die Steigungen im Main-Taunus-Kreis lassen sich mit der modernen Technik der elektrisch unterstützten Fahrräder viel leichter bewältigen.

Gibt es denn Optimierungspotenzial in der Verknüpfung des Radverkehrs mit den öffentlichen Verkehrsmitteln?

KÜST: Besonders erfreulich ist hier die Möglichkeit, in den S-Bahnen zu jeder Zeit im Rahmen des verfügbaren Platzes kostenlos Räder mitnehmen zu dürfen. Dies erlaubt eine Rückfahrt mit der Bahn auch bei Dauerregen oder mit erschöpften Kindern. In Sachen Fahrrad-Abstellanlagen ist im Main-Taunus-Kreis das Potenzial bei weitem noch nicht erschöpft. Erst an sehr wenigen Bahnhöfen sind Fahrradboxen zu finden, die das Einschließen von hochwertigen Rädern erlauben. An vielen Bahnhöfen finden sich noch immer unbrauchbare Fahrradständer, die kein Anschließen des Fahrradrahmens erlauben.

Was würden Sie sich von den Verwaltungen im Main-Taunus-Kreis wünschen?

KÜST: Im Rahmen der Erstellung der Radverkehrs-Beschilderung sind uns an vielen Stellen Mängel aufgefallen. Diese reichen von fehlenden Freigaben eines Weges für den Radverkehr bis hin zum Ausbau einzelner Wege. An besonders stark befahrenen Straßen wie der Landesstraße 3015 nordwestlich der Limesstadt in Schwalbach und der Bundesstraße 455 zwischen Eppstein und Eppstein-Bremthal sowie Eppstein-Bremthal und Wiesbaden-Naurod halten wir auch Radwege für notwendig. Für diese Maßnahmen sollten die erforderlichen Planungen baldmöglichst erfolgen und die notwendigen Mittel bereitgestellt werden.

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