Der große Bahnhofstest

Von Hofheim hat den besten Bahnhof im ganzen Main-Taunus-Kreis. Die Unterschiede sind beträchtlich – Verbesserungen aber sind überall möglich.

Hofheim hat den besten Bahnhof im ganzen Main-Taunus-Kreis. Die Unterschiede sind beträchtlich – Verbesserungen aber sind überall möglich.

Main-Taunus. Es wäre eine große Überraschung gewesen, hätte Hofheim beim Bahnhofsvergleich im Main-Taunus-Kreis nicht am besten abgeschnitten. Nachdem der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) seinen Sitz in der Kreisstadt bezogen hat, wurde der Bahnhof saniert. Von der «Visitenkarte» des RMV war damals die Rede – und ein bestimmter Anspruch formuliert. Nicht alles ist perfekt, aber im Vergleich zu den anderen Bahnhöfen liegt Hofheim vorne.

Dabei ist klar, dass man Bahnhöfe unterschiedlich beurteilen kann. Die meisten Jüngeren lassen sich von den Graffiti in der Unterführung nicht stören, für die meisten Männer stellt sich die Sicherheitsfrage gar nicht groß. Und wer gehbehindert ist, für den ist die Barrierefreiheit das alles entscheidende Kriterium – zu Recht. Entscheidend für dieses Kriterium ist natürlich, ob man mit dem Rollstuhl auf den Mittelbahnsteig gelangt. Aufzüge fehlen in Eschborn, Sulzbach-Nord, Hochheim und Hattersheim. In Eppstein werden sie in den nächsten zwei Jahren gebaut – maßgeblich für den Test ist aber der aktuelle Zustand. In Hofheim besteht der Südausgang nur aus einer Treppe – ein Malus. Positiv ist in Liederbach und Kelkheim, dass es vom Bahnsteig keinen Höhenunterschied zu den Fahrzeugtüren gibt – an den Strecken der S 1 und S 2 hingegen können die Bahnsteige wegen des Güterverkehrs nicht erhöht werden. Positiv wiederum wirken sich Behindertenparkplätze und abgesenkte Bordsteinkanten auf unsere Bewertung aus.

Keine Busanbindung

Große Unterschiede haben sich auch bei der Anbindung der Bahnhöfe ergeben. In Kriftel, Sulzbach und Liederbach gibt es nur wenige oder keine Busanbindung, die positiven Gegenbeispiele sind Schwalbach, Hofheim, Eschborn und Bad Soden. Nachteilig ist, wenn die Busse an unterschiedlichen Stellen rund um die Bahnhöfe abfahren oder die Haltestellen weit abgelegen sind. Der frühe Betriebsschluss vor 21 Uhr ist ein Nachteil an der ehemaligen Kleinbahn, der sehr flexible Bürgerbus ein Vorteil in Eppstein. Parkplätze, Fahrradständer, Taxen und die Nähe zum Ortszentrum sind weitere Kriterien.

Über das Erscheinungsbild der Bahnhöfe kann man sich streiten. Schade, dass in der Flörsheimer Unterführung die neuen Kacheln schon wieder abgefallen sind, dort liegt auch viel Müll auf den Gleisen. Herausgehoben sei auch der verwahrloste Zustand des Empfangsgebäudes in Hochheim. Baustellen beeinträchtigen aktuell das Ambiente in Eppstein und Bad Soden. Der Schwalbacher Bahnhof ist gar noch bis Ende des Jahres komplett geschlossen. Auf eine Bewertung, so gut es eben ging, wollten wir dennoch nicht verzichten. Keine Schäden, keine Abfälle und eine durchaus ansprechende Optik, das können die Stationen in Liederbach und Kelkheim für sich beanspruchen. Liederbach freilich hat ein Sicherheitsproblem. Der Bahnhof liegt abseits, weder eine Gaststätte noch eine belebte Straße grenzen an, und es gibt zahlreiche dunkle Ecken. Vor allem die Zugänge sind in puncto Sicherheit ein Problem, etwa in Hochheim und Kriftel. Die beste Sicherheitsbewertung hat Eppstein bekommen – auch wegen der Gaststätte als Fluchtpunkt.

Beim Komfort bilden überdachte Sitzbänke und ein Fahrkartenautomat die Mindestausstattung. Dass es zu einer besseren Bewertung in Kelkheim als zweitgrößter Stadt des Kreises nicht reicht, ist schon eine Überraschung. Bürgerbüros, RMV-Info-Punkte, Kiosks und Toiletten führen zu besseren Bewertungen, wobei es nichts nützt, wenn, wie in Kriftel, Toiletten vorhanden, aber abgeschlossen sind. Ein gutes Bild gibt in dem Punkt der Flörsheimer Bahnhof ab, gegenüber dem komfortabelsten Bahnhof in Hofheim fehlt nur der Fahrkartenschalter.

Dass so etwas nicht an allen Bahnhöfen zu finanzieren ist, liegt auf der Hand. Insofern ist eine schlechte Gesamtbewertung nicht zwingend eine Kritik an den verantwortlichen Stellen, manches ist einfach nicht beeinflussbar, so wie die Randlage der Bahnhöfe.

Dagegen kann man mit vergleichsweise wenig Aufwand etwas für die Orientierung tun, eine ausreichende und zutreffende Beschilderung ist überall finanzierbar. Negativ fällt ins Gewicht, wenn kein Weg zur Ortsmitte ausgeschildert ist und auch kein Stadtplan da ist. Auch hier gibt es besonderen Nachholbedarf in Hochheim, wo am südlichen Bahnhofseingang noch nicht einmal ein Fahrplan hängt. Gegenbeispiel ist Hofheim, wo eigentlich kein Wunsch offen bleibt.

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen