Der prominente Frankfurt-Pendler

Von 324 097 Pendler fahren zur Arbeit nach Frankfurt. Sie bilden die Mehrheit der Beschäftigten in der Mainmetropole. Ihren Pendleralltag teilt Karl-Heinz Huth, Chef der Frankfurter Arbeitsagentur. Wir haben einen typischen Tag in seinem Leben aufgezeichnet.
6.50 Uhr: Ankunft mit dem ICE am Frankfurter Hauptbahnhof. Von dort geht's es mit der S-Bahn zur Arbeitsagentur.	Fotos (2): Rainer Rüffer 6.50 Uhr: Ankunft mit dem ICE am Frankfurter Hauptbahnhof. Von dort geht's es mit der S-Bahn zur Arbeitsagentur. Fotos (2): Rainer Rüffer

324 097 Pendler fahren zur Arbeit nach Frankfurt. Sie bilden die Mehrheit der Beschäftigten in der Mainmetropole. Ihren Pendleralltag teilt Karl-Heinz Huth, Chef der Frankfurter Arbeitsagentur. Wir haben einen typischen Tag in seinem Leben aufgezeichnet.

Frankfurt. Um 4.55 Uhr piept das Handy auf dem Nachtkästchen des 51-Jährigen. Er wohnt seit seiner Geburt in Anhausen im Westerwald und ist dort verwurzelt. Der 1337 Seelen zählende Ort liegt im Landkreis Neuwied im Bundesland Rheinland-Pfalz. Von Frankfurt ist das Dorf 122 Kilometer entfernt. Früher, als Huth noch Chef der Arbeitsagentur in Koblenz war, betrug sein Weg zum Arbeitsplatz nur 29 Kilometer. Heute hat er eineinhalb Stunden Fahrtzeit vor sich.

Huth ist zu seinem Glück ein Morgenmensch und bereits im Morgengrauen fit. Er beginnt den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück. Sein Haus verlässt er gegen 5.35 Uhr. In der Garage wartet ein Mercedes CLK Coupé. Den Wagen hat er sich zum 50. Geburtstag gegönnt. Auch für Morgenmenschen ist der Morgen noch schöner, wenn sie am Steuer eines eleganten Wagens sitzen. Mit dem Auto fährt Huth 31 Kilometer zum ICE Bahnhof Montabaur. Dort stehen für Pendler über 1500 Parkplätze zur Verfügung. Lange suchen muss Huth nicht. Um diese Uhrzeit ist immer ein Plätzchen frei. Der ICE fährt um 6.02 Uhr ab. Nach 46 Minuten Fahrzeit erreicht der Verwaltungsbetriebswirt um 6.48 Uhr den Frankfurter Hauptbahnhof. Die dreiviertel Stunde im Zug nutzt Huth zur Vorbereitung. Er hat seinen Laptop dabei oder Unterlagen für den kommenden Tag. Am Hauptbahnhof nimmt Huth die S-Bahn bis zur Konstablerwache. Von dort läuft er die kurze Strecke bis zur Arbeitagentur in der Fischerfeldstraße. Das dauert nur gute fünf Minuten, «ich hab’ ja lange Beine».

Der Arbeitstag in seinem Büro im vierten Stock beginnt mit der Lektüre der Frankfurter Zeitungen. Dazu serviert ihm seine Sekretärin Beate Aust eine Tasse Tee wechselnder Sorten. Heute ist es Roibusch-Tee. «Hol Dir Kraft – für Körper und Seele», steht auf dem Etikett.

Und Kraft wird Huth auch heute wieder brauchen. Er arbeitet seine E-Mails ab. Um 7.15 Uhr stellt sich eine neue Führungskraft der Arbeitsagentur beim obersten Chef der 1300-Mann-Behörde vor. Mit ihr führt Huth ein Strategiegespräch über infrastrukturelle Raumplanung. Danach begrüßt er die Auswahlkommission für die neuen Auszubildenden der Arbeitsagentur. Neun Lehrlinge stellt die Frankfurter Agentur jedes Jahr ein, 30 sind in der Vorauswahl. «Mit mittlerer Reife hat man bei uns eine Chance, wenn man im Publikumsverkehr bestehen kann», erklärt Huth. Er bleibt beim Thema Ausbildung, denn nun trifft er sich mit seinen Pressesprecherinnen Anna Morales und Christina Funedda. Mit ihnen bereitet er die Ausbildungsmarktkonferenz mit der Handwerkkammer und der Industrie- und Handelskammer vor.

Die Stunde von 11.30 bis 12.30 Uhr bleibt für Telefonate reserviert. Eine feste Mittagspause macht Huth selten. Stattdessen versucht er, Zeit für eine Joggingrunde am Main zur Gerbermühle und zum Goetheturm zu finden, was selten genug vorkommt. Am heutigen Nachmittag hat Huth einen Jour fixe mit den Leitern des psychologischen und des ärztlichen Dienstes der Arbeitsagentur, mit dem Personalrat, und der Gleichstellungsbeauftragten. Huth geht auch häufig in Betriebe und trifft sich mit den Landräten des Agenturbezirks. Abendveranstaltungen besucht Huth nur, wenn sie einen Bezug zur Wirtschaft und zum Arbeitsmarkt haben, denn: «Ich hab’ ein Unternehmen zu führen, ich bin kein Politiker».

Wenn alles glatt läuft, versucht der 51-Jährige den ICE um 18.16 zu kriegen, ansonsten den um 19.10 Uhr. Mit dem frühen Zug erreicht er gegen 19.20 Uhr sein Haus. Billig sind die Fahrten nicht. Für die Pendlerkarte zahlt er 270 Euro im Monat. Zu Hause genießt er zum Ausklang des Tages im Winter ein Glas Pfälzer Wein, im Sommer ein alkoholfreies Weizen.

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