Die Mär von der Hochburg

Die Annahme, dass Frankfurt die gefährlichste Großstadt der Bundesrepublik sei, ist so weit verbreitet wie falsch. Um sie zu widerlegen, braucht man nichts als die polizeiliche Kriminalstatistik.

Die Annahme, dass Frankfurt die gefährlichste Großstadt der Bundesrepublik sei, ist so weit verbreitet wie falsch. Um sie zu widerlegen, braucht man nichts als die polizeiliche Kriminalstatistik.

Frankfurt. Es kommt vor, dass Jugendlichen aufrichtiger Respekt zuteil wird, wenn sie – sagen wir im Bayerischen – von ihrer Frankfurter Herkunft erzählen. «Krass», stoßen die Altersgenossen aus Augsburg-Freising-Rosenheim hervor. Dabei schauen sie, als kämen die Gäste nicht aus der Mainmetropole, sondern aus der Kampfzone irgendeines Krisengebiets. Nachdem sich das Erstaunen über die Unversehrtheit der Frankfurter gelegt hat, folgt die zaghaft gestellte Frage: «Ist das bei euch wirklich so schlimm mit der Kriminalität?»

Frankfurt hat ein Image, das sich so hartnäckig hält wie der Irrglaube, man dürfe Apfelwein mit Limonade spritzen: Es ist das Image der Kriminalitätshochburg, der Hauptstadt des Verbrechens.

Wer einen Grund für dieses Image sucht, findet ihn in einem einzigen statistischen Wert, nämlich der Anzahl angezeigter Delikte pro 100 000 Einwohner.

Dieser Wert ist, wenn man die Kriminalstatistiken verschiedener Städte vergleicht, im Falle Frankfurts tatsächlich am höchsten; vergangenes Jahr betrug er 16 000. Die Medien – einem hübschen Ranking niemals abgeneigt – stellen die Bankenstadt also auf Platz 1 ihrer Top Ten. Und, voilà, da ist er wieder: Der Beweis dafür, dass Frankfurt die deutsche Kriminalitätshochburg ist!

Die Frankfurter Polizeiführung verdreht inzwischen genervt die Augen, wenn sie dergleichen sieht: Sie betont, dass es falsch sei, von der Häufigkeitsziffer auf die Sicherheit in der Stadt zu schließen.

Denn der genaue Blick in die Statistik zeige, dass ein großer Teil der Straftaten importiert und für die Frankfurter überhaupt nicht relevant sei: Am Flughafen, der zu den größten Airports Europas zählt, würden naturgemäß zahlreiche Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht registriert, und die städtische Verkehrsgesellschaft zeige in Folge ihrer intensiven Kontrollen viele Schwarzfahrer an – allein diese beiden Delikte machten zusammen fast ein Viertel der Straftaten aus.

Was die «harte Kriminalität» angehe, belege Frankfurt keineswegs einen Spitzenplatz, sondern allenfalls einen im Mittelfeld. Frankfurts Polizeipräsident Achim Thiel betont: «Frankfurt ist eine der sichersten Städte Deutschlands.» chc

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