Kerstin Schellhaas auf Safari-Tour

Wie lässt sich Freizeit im Main-Taunus-Kreis gestalten, wenn man gerne in der Natur ist? Eine Regionalparkroute auf dem Prüfstand.

Wie lässt sich Freizeit im Main-Taunus-Kreis gestalten, wenn man gerne in der Natur ist? Eine Regionalparkroute auf dem Prüfstand.

Main-Taunus. Fast schon huldvoll neigt die Giraffe ihren Kopf und lächelt mich an. Die beiden Erdmännchen rechts daneben gucken ziemlich neugierig, der Strauß scheint‘s eilig zu haben, und das Kamel dreht mir seine Rückseite zu. Alle Tiere sind vereint auf dem Hinweisschild, vor dem ich stehe und das mir eine «Safari auf der Regionalparkroute» verspricht. 14,5 Kilometer hier von der Nidda zwischen Nied und Sossenheim bis zum Opel-Zoo in Kronberg will ich in Angriff nehmen. Vier bis fünf Stunden soll die Tour dauern, geht man zu Fuß und hat noch Kinder dabei. Zwei Steigungen werden angekündigt und der Hinweis: Räder schieben. Den werde ich einige Kilometer später gerne beherzigen. Das weiß ich jetzt aber noch nicht. Erst einmal bin ich hochmotiviert, die Tour per Rad auch ohne zu schieben schaffen zu können. Wozu habe ich schließlich ein Mountainbike? Also, Helm auf, Rucksack festgezurrt, Handschuhe an, rauf aufs Rad, und los geht‘s.

Jetzt um halb elf am Vormittag sind nur ein paar Jogger und einige Hunde samt Herrchen unterwegs. Die Nidda liegt schnell hinter mir. Während ich durchs Sossenheimer Unterfeld radle, spüre ich, dass es noch recht kühl ist. Noch keine Spur von dem angekündigten schönen Herbsttag. Mein etwas mulmiges Gefühl, weil ich zu Testzwecken entgegen sonstiger Gewohnheiten keine Karte mitgenommen habe, verfliegt auf dem Weg durch Sossenheim. Ich habe keine Mühe, der Ausschilderung der Regionalparkroute zu folgen. Gut sichtbar sind die Hinweise mit dem markanten roten Dreieck angebracht. Kein Wunder, dass ich ruckzuck die Grünanlage Sulzbachtal erreicht habe. Der gleichnamige Bach fließt leise plätschernd vor sich hin, während ich gemütlich in die Pedale trete. An der Autobahn A 66 angekommen, steige ich ab und bin das erste Mal irritiert. Nicht von der grinsenden Giraffe auf dem Verkehrsschild, sondern von dem Hinweisschild «Umleitung» darunter. Nach kurzem Zögern entscheide ich mich, dieses zu ignorieren und mein Rad durch die Unterführung zu schieben. Auf der anderen Seite angekommen, grinst mich doch schon wieder die Giraffe an. Egal, ich schiebe weiter bis zum nächsten Hinweis, der mich nicht nur darüber informiert, dass die A 66 die frühere römische Elisabethenstraße ist, sondern dass es hier auch eine Zäsur der Landschaft gibt: nach Norden hin offen, nach Süden hin geschlossen. Auch für mich gibt‘s hier eine Zäsur, denn ich muss mich entscheiden: Fahre ich weiter so gemütlich und lese jedes der Hinweisschilder, die entlang der Regionalparkroute über markante Punkte informieren, oder lege ich mal einen Zahn zu? Ich entscheide mich für Letzteres. Ein paar Meter weiter zwischen Eschborn und Sulzbach bin ich daher auch froh, dass heute mitten in der Woche ist und die Gaststätte «Ponderosa» geschlossen hat. Äppler und Handkäs‘ mit Musik gibt‘s ein anderes Mal wieder. Auch den Waldpark Arboretum lasse ich rechts liegen. Die Wälder der Welt entlang meiner Jogging-Strecke kenne ich zur Genüge . . .

Das nächste Schild dagegen, das mich an ein Überholverbot erinnert, nur mit einem roten und einem grauen Elefanten statt mit zwei Autos, habe ich noch nie gesehen. Jetzt bedauere ich es, dass ich mir nicht vorher mal das speziell für Kinder konzipierte «Safaribuch» für die Route geholt habe, um nachzulesen, was mir die Schilder sagen sollen. Immerhin: Elefanten sind mir lieber als grinsende Giraffen.

Längst hat der Schwalbach den Sulzbach abgelöst, immer noch fahre ich auf gut asphaltierten Wegen. Kurz vor der Eichendorff-Anlage in Schwalbach muss ich aber doch wieder eine Pause machen, als ich Wolfgang Specht in einem Garten sehe. An dem früheren Vorsitzenden der TG Schwalbach kann ich nicht ohne kurzes Schwätzchen vorbeifahren. Gerne hätte ich mich noch länger mit ihm unterhalten, aber meine Füße sind eiskalt und wollen bewegt werden.

Entlang der alten Poststraße weist statt Elefanten plötzlich ein Kamel den Weg. Was das wohl wieder heißen soll? Einige hundert Meter weiter, am Viergötterstein, habe ich freien Blick in Richtung Kronberg. Nach kurzem Halt steige ich wieder aufs Rad, überquere auf dem Weg ins Kronthal die Brücke über die L 3015 zwischen Bad Soden und Kronberg, ehe ich am Fuße Mammolshains absteigen und die Straße überqueren muss. Zum zweiten Mal heute bin ich beim Blick auf die Schilder leicht irritiert. Hier teilt sich die Route. Ich weiß, will ich mit dem Fahrrad weiterkommen, muss ich den Pfarrer-Christ-Weg nehmen. Der aber führt in eine ganz andere Richtung. Also fahre ich erst einmal weiter bis zum Quellenpark Kronthal. Die Wanderroute kann ich jetzt im Herbst auf keinen Fall per Rad nehmen. Viel zu weich ist der Boden. Und schieben will ich auch nicht die letzten vier Kilometer bis zum Opel-Zoo. Ich finde doch noch ein Schild in Richtung Pfarrer-Christ-Weg – und stehe vor einer Treppe! Na super. Also wieder runter vom Rad, den Drahtesel geschultert und 31 Stufen bergauf getragen. Endlich ist der Weg erreicht, der mich noch ein Stückchen durchs Wohngebiet führt. Und da ist auch schon das nächste rote Dreieck: Nur noch zwei Kilometer bis zum Opel-Zoo. Aber ich weiß: Die haben‘s in sich, da kommt jetzt eine fette Steigung. Der Gedanke, aufwärts zu treten, wo ich es, wenn ich sonst mit dem Mountainbike unterwegs bin, abwärts gerne laufen lasse, behagt mir gar nicht. Schon auf den ersten Metern kracht nicht nur die Schaltung, auch die morschen Knie knirschen. Ich beiße auf die Zähne und trete so lange, bis es nicht mehr geht. Dann denke ich an den Hinweis auf dem Schild an der Nidda: Räder schieben. Ich bin sicher: Bei 15 Prozent Steigung darf das erlaubt sein . . .

Endlich kommt der Zaun des Opel-Zoos in Sicht. Sonst hört man hier die Geräusche der Tiere, ich höre nur mein Schnaufen. Und dann, ein paar Meter weiter werde ich belohnt: Der Blick geht nach rechts herunter ins Gehege, und ich sehe die Elefantenkühe Aruba, Zimba und Wanki. Na also, geht doch! Ich steige wieder aufs Rad, mit triumphierendem Blick passiere ich die beiden rotbraunen Rinder, die mich hinter dem Zaun verdutzt anglotzen. Ja, so eine Bergziege wie mich bekommen sie nicht oft zu Gesicht. Noch ein paar Meter, und ich habe es geschafft: Nach nicht einmal zwei Stunden stehe ich am Eingang. Dass es kühl ist und statt der im Wetterbericht angekündigten Sonne Regen aus den dicken Wolken tropft, stört mich nicht. Ich hole die Regenjacke aus dem Rucksack, verschnaufe noch ein bisschen, und dann geht‘s wieder rauf aufs Rad und den Berg hinunter. Den Besuch im Zoo verschiebe ich auf einen schöneren Tag. Und vielleicht nehme ich dann mal die Safari-Route zu Fuß. Ich weiß jetzt: Sie lohnt sich.

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