Sie überfielen mich vor dem Fernseher

Von Frankfurt. Der Dienstagabend, der für Emil Meier* zu einem Alptraum wurde, begann wie immer: Der 89-Jährige machte es sich in seinem Fernsehsessel bequem und schaltete die Serie „In aller Freundschaft“ ein. Die Sendung lief schon einige Minuten, da standen plötzlich zwei Männer mit Sturmhaube in seinem Wohnzimmer.

Frankfurt. Der Dienstagabend, der für Emil Meier* zu einem Alptraum wurde, begann wie immer: Der 89-Jährige machte es sich in seinem Fernsehsessel bequem und schaltete die Serie „In aller Freundschaft“ ein. Die Sendung lief schon einige Minuten, da standen plötzlich zwei Männer mit Sturmhaube in seinem Wohnzimmer.

„Einer der beiden wünschte mir einen guten Abend“, erzählt der Rentner. Mit der Nettigkeit sei es aber schnell vorbei gewesen: „Die Eindringlinge packten mich und fesselten meine Hände und Füße mit Kabelbindern.“

Die Zeit, in der er gefesselt dalag, schätzt Meier auf eine dreiviertel Stunde. „Das Ganze kam mir aber wie eine Ewigkeit vor.“ Diese Ewigkeit nutzen die Räuber, um das Haus, in dem der Niederräder allein wohnt, von oben bis unten zu durchwühlen. „Von meinem Nachttisch haben sie eine Mappe mit 1200 Euro gestohlen und aus der Küche noch einmal 150 Euro.“

Den Kriminellen wirft Meier vor allem vor, dass sie ihn gefesselt zurückließen: „Wenn ich es nicht aus meinem Sessel geschafft hätte, wäre ich heute wohl nicht mehr da.“ Es gebe niemanden, der nach ihm sehe, und er sei auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen.

Meier gelang es unter Schmerzen, sich in eine aufrechte Position zu kämpfen und zum Küchenfenster zu hüpfen. Die Nachbarn hörten seine Hilferufe und befreiten ihn. Die Räuber, so stellte die Polizei später fest, hatten die nicht abgeschlossene Haustür mit einem Werkzeug aufgehebelt.

Meier fühlt sich seit dem Überfall Ende September regelrecht traumatisiert: „Die vermummten Gestalten sind allgegenwärtig, ich habe die ganze Zeit Angst, dass plötzlich wieder jemand vor mir steht.“ Jetzt lässt er Rollläden, die früher rund um die Uhr geöffnet waren, jeden Abend herunter.

Menschen wie Emil Meier können sich unter der Nummer 25 25 00 an den Weißen Ring Frankfurt wenden. Die 14 ehrenamtlichen Mitarbeiter haben dieses Jahr schon 266 Opfer von Straftaten beraten. Die Hilfe des Rings ist finanzieller, juristischer oder therapeutischer Art, je nach Bedarf.

Karin Sende* brauchte psychologische Unterstützung, nachdem ihr im Mai 2008 ein Mann ins Gesicht geschlagen hatte. Die Frau aus dem Nordend war an einem heißen Freitagmittag mit dem Auto auf der Theodor-Heuss-Allee unterwegs gewesen, als sie plötzlich vom Fahrer eines Geländewagens bedrängt wurde: „Der Mann fuhr immer wieder extrem nah an mich heran und blendete auf“, erzählt die 39-Jährige. An der Ecke Friedensstraße/Kaiserstraße musste sie an einer roten Ampel warten und bekam plötzlich durch das geöffnete Seitenfenster den Schlag ab.

„Meine Nase blutete, als sei ein Wasserhahn aufgedreht worden – und neben meinem Fahrzeug stand der Autofahrer, der gedrängelt hatte.“ Abhauen konnte der Schläger nicht, denn sein Wagen stand in der Schlange. Das Amtsgericht verurteilte ihn wegen Körperverletzung zu der Zahlung von 4200 Euro und drei Monaten Führerscheinentzug.

„Nach dem Vorfall konnte ich es erst mal nicht ertragen, wenn mir in der Stadt jemand zu nahe kam“, berichtet Frau Sende. Bewegte sich etwas an meiner Seite, so dass ich es nur aus dem Augenwinkel sehen konnte, wurde ich nervös.“

Im Jahr 2009 hat die Polizei in Frankfurt 109 100 Straftaten registriert, knapp 66 000 Delikte konnte sie klären – laut Präsidium „ein absoluter Spitzenwert“, wie es ihn seit der ersten Kriminalstatistik 1971 noch nicht gab. Körperverletzungsdelikte wie im Fall von Karin Sende wurden mehr als 5500 angezeigt. Dagegen ist Stalking – also die Verfolgung und Belästigung eines Menschen – mit 238 registrierten Fällen eine seltene Straftat.

Wolfgang Röder (47) und seine ehemalige Lebensgefährtin gehören zu den Frankfurtern, die Opfer eines Stalkers wurden. Bei dem Mann, der ihnen aus Eifersucht nachstellte, handelt es sich um einen in der Nordweststadt bekannten Alkoholiker. „Der kam immer wieder nachts bei mir vorbei, schrie vor dem Hochhaus herum, beleidigte und bedrohte mich“, berichtet Röder. Einmal habe es der Stalker sogar bis an seine Wohnungstür geschafft: „Ich war drin und telefonierte mit der Polizei, er war draußen und trat gegen die Tür.“ Inzwischen ist Röder weggezogen – in einen anderen Stadtteil.

*Name von der Redaktion geändert.

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen