Sogar der Händler vom Eck ist im Netz

Von Drei von vier Haushalten in Frankfurt nutzen das Internet. Auch als Shopping-Paradies. Deshalb bietet das Frankfurter Fachgeschäft Leder-Stoll seine waren auch online an.
Joachim Stoll packt seine Versandartikel auch selbst mit ein, wenn Not am Mann ist. Doch meistens macht das ein Subunternehmen.	Foto: Weis Joachim Stoll packt seine Versandartikel auch selbst mit ein, wenn Not am Mann ist. Doch meistens macht das ein Subunternehmen. Foto: Weis

Drei von vier Haushalten in Frankfurt nutzen das Internet. Auch als Shopping-Paradies. Deshalb bietet das Frankfurter Fachgeschäft Leder-Stoll seine waren auch online an.

Frankfurt. Das Internet hat sein Geschäft gerettet – sagt Joachim Stoll (48), Inhaber des Fachgeschäfts Leder-Stoll. «Wenn man überlegt, wie viele Lederwarengeschäfte es vor 20 Jahren noch gab . . .» Allein in der Leipziger Straße vier. Inzwischen ist Stoll dort der einzige.

Dafür ist die Leipziger nicht mehr sein einziger Standort, er hat noch einen Laden in der Schäfergasse und einen im Netz. Unter der Adresse www.koffer24.de betreibt Stoll einen Online-Shop. Seine Kunden können sich von zu Hause aus die Angebote ansehen, mit ein paar Mausklicks bestellen und bezahlen. 1000 Bestellungen kommen im Monat rein. So viele, dass Stoll es nicht mehr schafft, sie in seinen Läden packen und versenden zu lassen. Das erledigt inzwischen ein Dienstleister.

Wie viel Umsatz er übers Internet macht, will der Geschäftsmann nicht sagen. Wahrscheinlich ist es in manchen Monaten mehr als in seinen zwei Läden an der Leipziger und der Schäfergasse. Was daran liegt, dass es viele Kunden für bequemer halten, von zu Hause einzukaufen. Und andere für billiger. «Aber es ist ein Irrtum zu glauben, im Internet seien Angebote günstiger als im stationären Handel.»

Auch das Verkaufen sei nicht billiger. Denn an Personal spart Stoll nicht. Ob Telefon-Hotline, Buchhaltung, Verpackung und Versand: Überall werden Hände gebraucht. Hinzu kommen die Pflege der Internetseite, Kosten für die Lagerhaltung. Und ein fünfstelliger Betrag monatlich für Porto und Gebühren an «Google und Co.» fällig. Von wegen günstig.

Entsprechend sind die Angebote im Shop «Koffer24.de»: Schnäppchen sind selten. Stoll ist damit aber eher die Ausnahme unter den Einzelhändlern. «Der Preisdruck ist so hoch, weil die Transparenz so groß ist. Vom Schnäppchen in Kiel erfährt man auch in Süddeutschland.» Manche Artikel hat Stoll schon aus dem Angebot genommen, weil die Preise in den Keller gingen. «Es besteht die Gefahr, dass das Internet die Preise kaputt macht.»

Stoll versucht trotzdem, alle Angebote im Internet wie in seinen Geschäften anzubieten. Meistens gelingt das. «Wir bieten Marken, wir sind vor Ort, wir sind seriös», beschreibt er seine Stärken.

Die Zukunft des Einzelhandels via Internet sieht Stoll nicht so rosig wie viele seiner Kollegen. «Das ist wie überall: Die Großen fressen die Kleinen. Die Kosten, die mit einem Internet-Shop verbunden sind, rechnen sich kaum, wenn man nicht einen gewissen Umsatz generieren kann. Deswegen werden die Fachgeschäfte nur bestehen, wenn sie eine besondere Stärke haben.»

Die könnte für ihn selbst auch das Internet sein. Denn das Online-Geschäft hat dem stationären Fachhandel Stoll nicht geschadet. Im Gegenteil. Leder-Stoll profitiert von Koffer24. Jeder vierte Kunde, der samstags in den Laden in der Schäfergasse kommt, ist durch das Internet auf ihn aufmerksam geworden. «Es sind Leute, die sich im Netz informieren und am Samstag nach Frankfurt zum Einkaufen fahren», so Stoll. Seine Online-Kunden schätzt er als Menschen ein, die auf Qualität der Ware und Verlässlichkeit des Händlers nicht verzichten wollen, aber nicht immer die Zeit haben, ins Geschäft zu gehen.

Viele dieser Kunden haben vor 20 Jahren noch Einkaufskataloge gewälzt und per Postkarten bestellt. Das ist vorbei, was auch der Frankfurter Neckermann-Versand gespürt hat, der nun als Internet-Versand überlebt. Denn, so Stoll: «Der Großteil des Wachstums des Online-Handels ging auf Kosten der klassischen Versandhäuser. Sie sterben aus.»

Dafür wird der Händler an der Ecke übers Netz zum weltweiten Akteur. Viele Bestellungen bei Koffer24 kommen aus dem Ausland. Sei es, weil es dort die Artikel nicht gibt oder weil sie anderswo erheblich teurer sind.

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