Tulpen von den Guerilleros

Mit Blumenzwiebeln und Schippe im Gepäck, gärtnern sie im Dunkeln. Auf Verkehrsinseln und am Straßenrand, wo sonst kein Kraut wächst.

Mit Blumenzwiebeln und Schippe im Gepäck, gärtnern sie im Dunkeln. Auf Verkehrsinseln und am Straßenrand, wo sonst kein Kraut wächst.

Frankfurt. Treffpunkt ist der Römerberg. Es regnet in Strömen. Doch Simon (16), Leo (18) und Jury (19) schreckt das nicht. Im Rucksack haben sie Tulpen- und Narzissenzwiebeln, Hacke und Schaufel. Schnell muss es gehen, nicht nur wegen des Regens: Sie wollen Blumen pflanzen auf der Wiese vor dem früheren Bundesrechnungshof. Was sie machen, ist schön, aber illegal. Sie sind «Guerilla-Gärtner».

«Am Anfang war es auch der Kick, das Wissen, dass wir etwas Illegales machen», sagt Leo, der vor über zwei Jahren mit einem Freund begann, öffentliches Grün zu verschönern. «Es war schon abenteuerlich, mitten auf dem Reuterweg auf einer schmalen, brach liegenden Verkehrsinsel zu stehen. Immer mit Blick auf die vorbeirauschenden Autos und der Angst, die Polizei könnte uns sehen.»

Inzwischen ist die Angst fast verflogen. «Letztes Jahr hatten wir eine Pflanzaktion an der Berliner Straße, gegenüber der Stadtpolizei. Eine Streife sprach uns an, meinte nur: ‘Ach, ist doch schön‘ - und ging weiter. Doch provozieren wollten sie den Ärger mit der Staatsmacht nicht, sagt Leo. Deshalb hängen sie ihr Gärtner-Hobby meist auch nicht an die große Glocke.

«Guerilla Gardening» heißt das Guerilla-Gärtnern auf Englisch, denn die ersten heimlichen Gärtner kamen in den 1970er Jahren von den britischen Inseln . Schnell ging es in die großen Metropolen, allen voran nach New York. Seit zehn Jahren gibt es Guerilla-Gärtner auch in Deutschland, vor allem in Berlin. «Dort sieht man überall kleine Beete, rund um Straßenbäume und an Verkehrsinseln», sagt Jury. Manchmal sogar mit kleinen Zäunen drum herum.

Seit wann es auch in Frankfurt Guerilla-Gärtner gibt, wissen die drei nicht genau. «Vor zwei Jahren habe ich eine Frankfurter Unterseite auf www.guerillagardening.org angelegt und eine Gruppe bei Facebook gegründet», sagt Leo. Seitdem versuchen sie, andere für ihre Aktionen zu begeistern. «Aber meist kommen zu Pflanzaktionen nur fünf, sechs Leute», sagt Simon. Doch es gebe auch eine Guerilla-Gärtner-Gruppe an der Fachhochschule.

Oft blieben Passanten stehen, freuten sich über die bunte Blütenpracht, sagt Leo. Gepflanzt wird meist, was im Baumarkt billig ist, sagt Jury. «Im Herbst kann man nur Zwiebeln setzen. Im Frühjahr hingegen pflanzen wir Topfblumen, zum Beispiel Sonnenblumen.»

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