Und täglich grüßt die Blechlawine

Von Im Main-Taunus-Kreis ist viel los auf den Straßen. Was einerseits ein Zeichen für den Wohlstand in der Region ist, bedeutet andererseits für manchen Anwohner eine große Belastung.

Im Main-Taunus-Kreis ist viel los auf den Straßen. Was einerseits ein Zeichen für den Wohlstand in der Region ist, bedeutet andererseits für manchen Anwohner eine große Belastung.

Main-Taunus. Dass im Main-Taunus-Kreis vielerorts Umgehungsstraßen geplant werden, ist kein Zufall. Zahlreiche Ortsdurchfahrten sind heillos überlastet. Rund 11 000 Autos sind täglich auf der Hofheimer Straße in Weilbach unterwegs, 15 600 auf der Rheingaustraße in Hofheim, 14 400 auf der Mainzer Landstraße in Hattersheim, 15 900 auf der Fischbacher Straße in Kelkheim, 29 800 sogar auf der Hauptstraße in Eschborn, 10 600 auf der Königsteiner Straße in Bad Soden. Selbst abgelegenere Orte haben erstaunlich hohe Zahlen aufzuweisen: 4700 Fahrzeuge quälen sich täglich durch Wildsachsen, 3400 durch Ehlhalten, 3500 durch Ruppertshain, 3300 durch Altenhain.

In Wahrheit ist die Belastung an einem gewöhnlichen Werktag noch höher. Denn erstens sind die Zahlen fünf Jahre alt, neuere gibt es nur in Einzelfällen, aber der Verkehr hat eher noch zugenommen. Neue Zählungen finden derzeit statt, die Zahlen sind noch nicht veröffentlicht. Und zweitens handelt es sich um Durchschnittswerte, die von ruhigen Sonn- und Ferientagen nach unten gedrückt werden. Am meisten ist auf den Autobahnen los, zwischen Eschborn und Höchst fahren täglich 124 000 Autos über die A 66, und 94 000 sind Tag für Tag auf der A 3 unterwegs.

Viele der am meisten belasteten Straßen gehören zu den Verbindungen aus dem Taunus nach Frankfurt, zum Flughafen, nach Rüsselsheim oder Wiesbaden. Ganz klar: Im MTK gibt es Durchgangsverkehr in erheblichem Umfang. Die große Debatte bei den Straßenbauprojekten ist: Bringen sie eine Entlastung, oder ziehen sie noch mehr Verkehr an?

Die Einwohner der zwölf Kommunen zwischen Eschborn und Hochheim machen ihren Verkehr aber auch selbst. Das zeigt sich an der hohen Zahl der angemeldeten Autos pro Einwohner (siehe Grafik rechts). Im Gegensatz zu den Nachbarkreisen gibt es im Main-Taunus-Kreis keine Kommune mit weniger als 60 Autos auf 100 Einwohner.

Zum Vergleich: In Frankfurt sind auf 100 Einwohner 51, in Offenbach sogar nur 46 Autos zugelassen. Das hat sicher damit zu tun, dass in den Großstädten die öffentlichen Verkehrsmittel besser ausgebaut sind, so dass viele Familien keinen Zweitwagen brauchen. Außerdem wohnen dort viele – Studenten etwa – die aus finanziellen Gründen auf ein Auto verzichten.

Beim Blick auf die Zahlen nur für den Main-Taunus-Kreis wird es nicht so augenfällig, aber im Vergleich mit dem Ballungsraum schon: Die Kfz-Zahlen sind auch ein Wohlstandsindikator. Im Süden und Osten Frankfurts, unter anderem in Langen und Dietzenbach, in Mühlheim und Maintal, sind weniger Autos angemeldet als im Hoch- und Vordertaunus.

Dass Hattersheim einen niedrigeren Wert hat als Kelkheim und Hofheim, hat sicher auch mit unterschiedlichen Durchschnittseinkommen zu tun. Aber Vorsicht ist trotzdem geboten bei der Interpretation dieser Zahlen, denn auch andere Faktoren spielen eine Rolle: Die extrem hohen Werte für Liederbach und Eschborn haben vor allem mit Autovermietungen und Firmenwagen zu tun. Diese Zahlen stammen übrigens vom Planungsverband Frankfurt, die Zahlen zum Verkehrsaufkommen vom Hessischen Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen.

Ob Einheimischer oder Auswärtiger, ob Pendler oder Ausflügler, sie alle bewegen sich im Kreis auf einem Netz, das aus 30 Kilometern Autobahnen, 81 Kilometern Bundes-, 180 Kilometern Landes- und 33 Kilometern Kreisstraßen besteht. Betreut werden alle vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen Frankfurt, das die Autobahnmeisterei Diedenbergen und die Straßenmeisterei Hofheim mit je 30 Beschäftigten unterhält. Das Amt ist auch für die verschiedenen Neu- und Ausbauvorhaben zuständig, hat aber, weil überlastet, einige Vorhaben an das Amt für Straßen- und Verkehrswesen Wiesbaden abgegeben, wo es freie Kapazitäten gibt.

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