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Eintracht Frankfurt: Taktiktafel: Führungstor mit Generalprobe

Von Sehenden Auges lief der 1. FC Köln in Frankfurt ins Verderben, gerade beim ersten Treffer der Eintracht. Und auch die fehlende Entschlossenheit in der Verteidigung der entscheidenden Freistöße nach dem schmeichelhaften Ausgleich warf kein gutes Licht auf den Tabellenletzten.
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Frankfurt. 

In der elften Minute führte die Eintracht eine Art Generalprobe für ihren Führungstreffer auf, der wenig später fallen sollte (siehe Grafik). Köln bekam mit seinen beiden knapp vor der Mittellinie postierten Spitzen keinen Zugriff auf den Spielaufbau der Frankfurter Dreierkette und nicht nur Marco Russ am Ball hatte alle Zeit der Welt, sondern auch seine Mitspieler, die sich in aller Ruhe in den Rücken ihrer jeweiligen Gegner orientieren und so in günstige Positionen bringen konnten.

Im ersten Anlauf gab es nach dem langen Ball von Russ noch keine Gefahr für das Kölner Tor, doch beim nächsten Angriff wählte der Routinier den Pass auf den Flügel zu Danny da Costa und von dort ging es relativ ungehindert bis vor den Kasten der Gäste – Ante Rebic brauchte nur noch einzuschieben.

Und auch das bewog Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck noch nicht zum Eingreifen. Wenige Minuten später kam die Eintracht nach fast identischem Muster erneut zu einer Großchance und die Rheinländer hatten Glück, dass Timothy Chandler nur den Pfosten traf.

So etwa nach einer halben Stunde bekam Köln mehr Zugriff – und zwar ohne allzu komplizierte Maßnahmen ergreifen zu müssen. Die Angreifer Cordoba und Terodde standen einfach nicht mehr stur auf einer Höhe, sondern schräg versetzt, beziehungsweise kippten wechselweise in Richtung Mittelpunkt ab, was den Weg durch die Mitte für die Eintracht schloss. Und auch in Mittelfeld- und Abwehrkette wurde fortan einen Tick genauer gearbeitet, indem der jeweils zuständige Spieler heraus- und seine Nebenleute hinter ihm einrückten. So wurde mancher Passweg geschlossen und das reichte durchaus, um der Eintracht das Spiel nach vorne zu erschweren.

Ausgelassene Freude und ein sehnsüchtiger Blick nach oben bei Marius Wolf, Gelson Fernendes, Sébastien Haller, Simon Falette und Marco Russ (von links) nach dem 4:2 über Köln.
Eintracht Frankfurt Analyse: Wie realistisch sind diesmal die Chancen auf ...

Bei realistischer Einschätzung sind für die Eintracht noch fünfzehn, sechzehn Punkte möglich. Das könnte am Ende für einen Platz unter den ersten Sechs oder Sieben in der Fußball-Bundesliga reichen.

clearing

Als die Gäste zu Beginn der zweiten Halbzeit dann allerdings versuchten, weiter vorne an den Ball zu gelangen, hatte Niko Kovacs Team wieder ähnlich große Räume zur Verfügung wie zu Beginn. In den ersten Minuten der zweiten Halbzeit hätte die Eintracht mit etwas mehr Konzentration beim letzten Passspiel durchaus zu einigen Großchancen kommen können.

Starke Reaktion

Klasse war, wie die Frankfurter auf den Ausgleich nach dem von Makoto Hasebe verursachten Elfmeter reagierten. Das beherzte Spiel nach vorne brachte den Freistoß ein, den Wolf ausführte und Marco Russ per Kopf veredelte. In Sachen Körpersprache und Entschlossenheit waren eben nicht nur in dieser Situation himmelweite Unterschiede zwischen beiden Mannschaften zu erkennen. Gleich vier Kölner waren nah dran an Russ, der nicht einmal mit Anlauf kam und sich trotzdem durchsetzen konnte.

Der unbedingte Wille beim Verteidigen von Ecken und Freistößen war hier schon Thema, weil alle taktischen Kniffe und fußballerischen Glanzleistungen ganz schnell nutzlos sind, wenn es an dieser Grundlage hapert. Und man muss sich nicht wundern, dass man Tabellenletzter ist, wenn man sich binnen sieben Minuten zweimal auf diesem Weg bezwingen lässt. Spätestens im Laufweg von Simon Falette bei dessen Abstauber zum 3:1 hätte doch mal ein Kölner auftauchen sollen – Sörensen zum Beispiel, der ganz in der Nähe war und durchaus den Körper dafür hätte. Doch die Geißböcke waren geistig zu langsam und körperlich nicht präsent und so war die Partie zeitig entschieden.

Ein Beispiel dafür, dass sich Aufwand überall auf dem Feld lohnen kann, war wieder einmal Marius Wolf. An allen Eintracht-Toren war er beteiligt und besonders der letzte Treffer, den er selbst markierte, zeigte, wie nebensächlich Taktik manchmal sein kann, wenn die Einstellung stimmt und der Wille da ist, etwas zu bewegen. An der Mittellinie links vom Mittelkreis kam der Frankfurter Rechtsaußen an den Ball, leitete die Kugel weiter zu Rechtsverteidiger Danny da Costa und sprintete quer durch die Kölner Hälfte, um acht Sekunden nach seinem ersten Kontakt per Schrägschuss das 4:1 zu erzielen. Einen wie ihn hätten die Kölner gut gebrauchen können.

Roland Stipp

ist seit bald 20 Jahren Mitarbeiter in unserer Sportredaktion. Er steht außerdem als Trainer mit DFB-Lizenz selbst Woche für Woche an der Seitenlinie. Und er schaut für uns ganz genau hin, wenn die Eintracht spielt.

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